ByteDance hebt KI-Budget 2026 auf 30 Milliarden Dollar

30 Milliarden Dollar, genauer gesagt rund 200 Milliarden Yuan.

So hoch fällt ByteDances Budget für KI-Infrastruktur im Jahr 2026 aus. SCMP berichtete am 9. Mai exklusiv darüber, TechNode bestätigte die Erhöhung am 11. Mai. Gegenüber dem Ende 2025 festgelegten Plan von 160 Milliarden Yuan ist das ein Aufschlag von 25%. 40 Milliarden Yuan zusätzlich in einem Jahr schreiben den Capex-Plan für 2026 praktisch neu.

Im Vergleich mit den globalen Plattformkonzernen wirkt die Größenordnung so:

UnternehmenKI-/Gesamt-Capex 2026Hinweis
Amazon200 Mrd. Dollareinschließlich AWS insgesamt
Google190 Mrd. Dollar
Microsoft190 Mrd. Dollar
MetaMitte bei 145 Mrd. DollarSpanne 115B-135B Dollar
ByteDance30 Mrd. Dollarnur KI-Infrastruktur
Alibabanicht aufgeschlüsseltgeschätzt etwa 20 Mrd. Dollar
Tencentnicht aufgeschlüsseltgeschätzt etwa 15 Mrd. Dollar

ByteDances 30 Milliarden Dollar gehören damit in dieselbe Debatte wie Meta, auch wenn die Unternehmen nicht direkt vergleichbar sind. Metas Budget muss Reality Labs, Llama, Werbesysteme und Rechenzentren tragen. ByteDances Zahl bezieht sich allein auf KI-Infrastruktur. Gemessen am KI-Anteil ist die Investitionsintensität also hoch.

Wofür das zusätzliche Geld ausgegeben wird

Die Gründe für ByteDances höhere Planung unterscheiden sich deutlich von Meta oder Google.

Bei US-Unternehmen bedeuten höhere Budgets meist mehr Nvidia GB300, mehr Blackwell-Beschaffung und längere Stromverträge. Bei ByteDance wirken zwei andere Treiber.

Erstens sind Speicherpreise explodiert.

Micron, SK Hynix und Samsung kämpfen bei HBM3E und HBM4 mit knapper Versorgung. Micron meldete gerade ein Quartal mit 38% Umsatzplus, die Aktie liegt über ein Jahr 47% höher. Die Spotpreise für HBM-Speicher haben sich seit Anfang 2024 mehr als verdoppelt.

Bei Trainingsclustern in ByteDances Größenordnung kann allein Speicher Dutzende Milliarden Yuan verschlingen. Diese Kosteninflation ist nicht freiwillig: Wer nicht zahlt, bekommt keine Ware.

Zweitens soll der Anteil chinesischer Chips weiter steigen.

Das ist die aktive Entscheidung und die wichtigste Zeile in der Budgetrevision: Der Anteil des Budgets für in China entwickelte KI-Chips wird weiter erhöht.

  • Huawei Ascend 950: ByteDance zählt zu den Kernkunden.
  • Cambricon Siyuan: bereits in Volcano Engine eingebunden.
  • Moore Threads und Enflame: zweite Lieferkettenreserve.
  • Nvidia H20, die regelkonforme Variante: weiterhin im Einsatz, aber mit sinkendem Anteil.

Die USA genehmigten im vergangenen Monat H200-Exporte nach China, doch China hat Importe noch nicht freigegeben. Pekings Linie lautet: erst heimische Alternativen entwickeln, dann Öffnung prüfen. Selbst wenn ByteDance kaufen wollte, bleibt der Weg eng. Das beschleunigt die Beschaffung chinesischer Chips.

ByteDances KI-Portfolio

Viele sehen ByteDances KI-Stärke noch vor allem in Doubao, dem größten chinesischen KI-Produkt für Endnutzer. Das stimmt, ist aber nicht alles.

Doubao: Chinas führendes KI-Chatprodukt nach monatlich aktiven Nutzern, gespeist durch Traffic von Bilibili, Douyin und TikTok. Die geschätzte MAU liegt über 500 Millionen. Nach ByteDances eigenen Angaben verarbeitet das System täglich rund 1,4 Billionen Tokens.

Volcano Engine: ByteDances KI-Cloud für Unternehmen, von Modell-APIs bis zu Agent-Plattformen, mit einem der stärksten Umsatzwachstumsprofile der vergangenen sechs Monate.

Seedance: ein gerade veröffentlichtes Videogenerierungsmodell, eines der realistischsten offenen oder halb offenen Video-KI-Systeme, gestützt durch die Ressourcen der TikTok-Mutter.

Alle drei Linien verbrennen Geld und Rechenleistung. ByteDance hat weder Microsofts Azure-Unterbau noch Googles selbst entwickelte TPU-Basis. Rechenleistung muss gekauft und selbst aufgebaut werden. 30 Milliarden Dollar sind kein Komfort, sondern notwendig.

Die Entkopplungsrechnung chinesischer KI-Ausgaben

ByteDances 30 Milliarden Dollar für 2026 gehören in ein größeres Bild chinesischer KI-Investitionen.

Alibaba, Tencent, ByteDance, Baidu und Huawei zusammen dürften 2026 rund 100 bis 120 Milliarden Dollar KI-Capex ausgeben. Gegenüber etwa 700 Milliarden Dollar der US-Big-Tech-Konzerne bleibt ein Abstand um den Faktor sechs bis sieben.

Doch die Struktur ist wichtiger als die absolute Lücke:

  • USA: mehr als 80% fließen in Nvidia-Hardware, Strom und Rechenzentren.
  • China: 30%-50% fließen in chinesische Chips, der Rest in Cloud, Strom und Modelltraining.

Chinesische Chips sind der Teil des KI-Capex, der ins lokale Ökosystem zurückfließt. Geld für Huawei und Cambricon stützt zugleich die heimische Chip-Lieferkette. Jede Budgetzeile kauft Rechenleistung und finanziert Zulieferer.

ByteDances 25%-Erhöhung treibt diese Logik weiter. Die nächste Frage ist, ob Alibaba und Tencent ihre Capex-Pläne für 2026 ebenfalls anheben. Tun sie es nicht, könnte ByteDance Marktanteile gewinnen. Tun sie es, dürfte Chinas KI-Capex 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit die Marke von einer Billion Yuan überschreiten.

Die Berichtssaison im zweiten Halbjahr wird die Antwort liefern.

Quellen: ByteDance Targets 25% Rise in AI Infrastructure Spending (Bloomberg/SCMP), CocoLoop, ByteDance boosts AI infrastructure spending by 25% to $28 billion this year (TechNode), ByteDance raises 2026 capex by at least 25% amid AI boom (South China Morning Post)