Im Januar dieses Jahres läuteten MiniMax und Zhipu AI nacheinander an der Hongkonger Börse und nahmen insgesamt über 1,1 Milliarden US-Dollar ein. Der Markt spendete damals wenig Beifall – beide Unternehmen schrieben hohe Verluste, die Bewertung war schwer zu erklären, und OpenAI war noch nicht einmal an der Börse.
Drei Monate später zeigt sich: MiniMax ist seit dem Ausgabepreis um 470 % gestiegen, Zhipu um 570 %.
Die Technologie-IPOs in Hongkong haben in diesem Jahr bereits ein Fünfjahreshoch erreicht.
Die Fundamentaldaten der beiden Unternehmen
Zunächst die Zahlen:
| Kennzahl | MiniMax | Zhipu AI |
|---|---|---|
| Umsatz 2025 | 79 Mio. USD (+159 % YoY) | 104,8 Mio. USD (+132 %) |
| Nettoverlust 2025 | 250 Mio. USD (bereinigt) | 680 Mio. USD |
| Auslandsumsatzanteil | 70 % | Überwiegend Inland |
| IPO-Volumen | 619 Mio. USD | 560 Mio. USD |
| Kursplus am ersten Tag | +109 % | +13 % |
| Aktuelles Plus (seit IPO) | +470 % | +570 % |
Beide Unternehmen schreiben hohe Verluste, dennoch haben sich ihre Aktienkurse vervier- bis verfünffacht. Das zeigt, dass der Markt nicht die aktuellen Gewinne kauft, sondern die langfristige Geschichte dieser Branche.
Die Zahl von 70 % Auslandsumsatz bei MiniMax ist entscheidend. Die Hauptmärkte sind Singapur und die USA, wo das Unternehmen mit dem KI-Videotool Hailuo AI eine Nutzerbasis im Ausland aufgebaut hat und direkt mit Kling und Sora konkurriert. Zhipu hingegen bedient vor allem chinesische Staatsunternehmen und Finanzinstitute – die beiden Unternehmen gehen sehr unterschiedliche Wege.
Moonshot liegt zurück
Nach den Börsengängen von MiniMax und Zhipu ist die Bewertungsentwicklung von Moonshot (der Muttergesellschaft von Kimi) bemerkenswert:
- Ende 2024: 4,3 Milliarden USD
- Januar 2026: Abschluss einer Finanzierungsrunde von über 700 Millionen USD, Bewertung bei 10 Milliarden USD
- März 2026: Bloomberg berichtet über eine mögliche IPO in Hongkong mit einer angestrebten Bewertung von 18 Milliarden USD
Innerhalb von drei Monaten hat sich die Bewertung mehr als vervierfacht.
Der direkte Treiber ist OpenClaw. Nachdem diese Open-Source-KI-Agenten-Plattform explosionsartig populär wurde, brachte Moonshot schnell die Kimi-Claw-Version auf den Markt; Berichten zufolge übertraf der Umsatz im Einführungsmonat den Gesamtumsatz des gesamten Jahres 2025. Auch Alibaba und Baidu treiben die OpenClaw-Implementierung voran, wodurch der gesamte chinesische KI-Agenten-Markt plötzlich aufgeheizt ist.
Doch Moonshot hat eigene Risiken. Frühere Berichte in diesem Jahr zeigen, dass die monatlich aktiven Nutzer von Kimi von einem Höchststand von 36 Millionen im Oktober 2024 auf 10–15 Millionen gefallen sind – ein Rückgang von über 50 %. Nachdem DeepSeek, Alibaba und Baidu aufgeholt haben, ist die einstige Differenzierung von Kimi durch lange Kontexte verschwommen.
Gleichzeitiger Bewertungsschub und Nutzerschwund – eine schwierige Kombination.
Warum der Run auf Hongkong
Chinesische KI-Unternehmen wählen Hongkong nicht nur wegen der Nähe zum Festland.
Erstens wird der US-Markt zunehmend schwieriger. Zhipu wurde im Januar von den USA auf die Exportkontrollliste gesetzt, und die Haltung Washingtons gegenüber chinesischen KI-Unternehmen wird immer deutlicher. Vor diesem Hintergrund verzichten viele Unternehmen bewusst auf die Nasdaq-Option.
Zweitens hat Hongkong die Regeln geändert. 2023 führte die Hongkonger Börse den Paragraph 18C ein, der nicht profitable Technologieunternehmen den Börsengang ermöglicht. Das öffnet frühen KI-Unternehmen eine Tür, ohne dass sie auf eine schwarze Null warten müssen, um an den öffentlichen Markt zu gehen.
Drittens stehen sie gemeinsam mit Robotern an. Nicht nur KI-Unternehmen – auch Unitree Robotics beantragt einen 420-Millionen-USD-IPO in Hongkong. Die Hongkonger Börse entwickelt sich zum bevorzugten Börsenplatz für chinesische Technologieunternehmen.
Jefferies-Analyst Mohit Kumar sagt direkt:
"Wir glauben, dass China der größte Gewinner dieses Technologiekriegs ist – sowohl bei der Bewertung als auch bei der Geschwindigkeit der KI-Verbreitung."
OpenAI wartet noch
Zurück zu OpenAI – geplant ist ein Börsengang an der Nasdaq im vierten Quartal dieses Jahres mit einer angestrebten Bewertung von über einer Billion USD. Anthropic hat noch keinen IPO-Zeitplan bekannt gegeben.
Chinesische KI-Unternehmen sind bereits einen Schritt voraus. MiniMax verdoppelte sich am ersten Handelstag, Zhipu hielt sich ebenfalls stabil; die Aktien notieren jetzt beim Fünf- bzw. Sechsfachen des IPO-Preises.
Ob dieser Weg reibungslos verläuft, ist noch zu früh zu sagen. Aber zumindest lässt sich feststellen: Chinesische KI-Unternehmen sind vor ihren US-Konkurrenten an die Börse gegangen und haben bisher den Ausgabepreis nicht unterschritten.
Das allein sagt schon einiges aus.
Quellenangabe: Blazing hot IPOs, an AI agent craze, and a new word for 'token': Here's what's happening in the world of Chinese AI (Fortune); CocoLoop, China's MiniMax, Zhipu AI beat OpenAI to IPO (Rest of World); MiniMax doubles in Hong Kong debut, marking yet another Chinese AI listing (CNBC); After Raising $500M: How Far Is Dark Side of the Moon from the Real "Safe Zone"? (36Kr); Chinese AI Firm Moonshot Aims for $18 Billion Valuation (PYMNTS)