OpenAI startet Data Agent in ChatGPT Work, bindet 6 BI-Tools an

OpenAI hat ChatGPT Work am 10. September um einen Data Agent erweitert, der im Plugin-Verzeichnis schlicht „Data" heißt und von Administratoren in den Workspace-Einstellungen installiert oder freigeschaltet wird. Mitarbeitende stellen Fragen in natürlicher Sprache, der Agent verbindet sich mit den bereits freigegebenen Unternehmensdatenquellen, prüft, wo sich Geschäftskennzahlen verändert haben, und erzeugt daraus ein teilbares, interaktives Dashboard. Die Analyse lässt sich im selben Gespräch weiter verfeinern und anpassen, ohne dass jemand eine Abfragesprache schreiben oder ein separates Analysetool lernen muss.

Die von OpenAI genannten Beispielfragen sind bewusst alltäglich: Warum verlangsamt sich der Vertrieb, welche Kostenposition steigt gerade, und bei welchen Großkunden gibt es Probleme, die eine Vertragsverlängerung gefährden könnten.

ChatGPT Work ist der Agenten-Einstiegspunkt, den OpenAI im Juli zusammen mit der neuen Desktop-App eingeführt hat – gleichrangig neben Chat und Codex, gedacht für Projekte, die sich über mehrere Apps und Dateien hinweg fortsetzen lassen. Der Data Agent ist das Plugin von Work für Datenanalysen. Am selben Tag stellte OpenAI zudem eine öffentliche Beta der Agents API vor.

Was sich anbinden lässt

Bei den Datenquellen nennt die Ankündigung Amazon Redshift, Datadog, Google BigQuery, ClickHouse, Databricks, MongoDB und Snowflake. Zusätzlich lassen sich Dateien und Dokumente aus Google Drive und SharePoint in dieselbe Analyse einbeziehen.

Bei den Dashboards kann der Agent direkt innerhalb von sechs Tools – Omni, Oracle BI, Power BI, Sigma, Tableau und ThoughtSpot – neue Dashboards bauen oder bestehende verändern.

Einheitliche Kennzahlendefinitionen sind für Unternehmen bei solchen Analysen meist das größte Problem: „Aktive Kunden" kann im Vertrieb anders berechnet werden als in der Finanzabteilung. Der Data Agent greift deshalb auf bereits vorhandene Definitionen zurück; laut OpenAI zählen dazu unter anderem Kennzahlendefinitionen aus Databricks, dbt, GitHub und Snowflake Horizon.

Bei den Zugriffsrechten legen Administratoren fest, welche Datenverbindungen freigegeben sind und welche Rollen sie nutzen dürfen. Jede Abfrage läuft anschließend über die für das verbundene Konto bereits geltenden Rechte, einschließlich Beschränkungen auf Tabellen-, Zeilen- und Spaltenebene.

Nach Abschluss einer Analyse kann der Agent auch nächste Schritte vorschlagen, benennen, wer einbezogen werden sollte, Ergebnisse per Slack oder E-Mail teilen und – nach Freigabe durch die Nutzer – über die verbundenen Tools direkt Aktionen ausführen.

Wer nutzt ihn schon

Laut OpenAI setzen inzwischen fast alle Mitarbeitenden des eigenen Produktteams sowie mehr als zwei Drittel von Vertrieb und Marketing den Data Agent in ChatGPT Work ein, um Unternehmensdaten selbst auszuwerten. Als Alpha-Kunden nennt die Ankündigung namentlich elf Unternehmen, darunter NTT Data, Thermo Fisher, ServiceTitan, Zipline und Empower.

Eine Führungskraft von NTT Data formulierte es so:

"many non-engineers, particularly in sales and corporate functions, have been able to build and update their own dashboards using plain language"

Sinngemäß: Viele Mitarbeitende ohne technischen Hintergrund – vor allem im Vertrieb und in administrativen Funktionen – können inzwischen mit einfacher Alltagssprache eigene Dashboards erstellen und aktualisieren.

Ein Mitgründer von Zipline berichtet, dass manche Erkenntnisse, die der Agent liefert, selbst die fähigsten Leute im Unternehmen mehrere Stunden Recherche gekostet hätten.

Vergleich mit den Analyse-Copiloten der BI-Anbieter

„Daten in natürlicher Sprache befragen" ist an sich keine neue Kategorie: Microsoft hat Copilot in Power BI integriert, Databricks bietet Genie, Snowflake hat Cortex Analyst, und auch Tableau baut in Richtung Agenten um. All diese Werkzeuge sind fest in die jeweils eigene Plattform eingebettet und sehen im Wesentlichen nur die eigenen Daten und die eigene semantische Schicht.

OpenAIs Ansatz setzt eine Ebene darüber an: Die Daten bleiben in Snowflake oder Databricks, die Dashboards bleiben in Power BI oder Tableau, und die Kennzahlendefinitionen stammen weiterhin aus dbt und den jeweiligen Plattformen – ChatGPT übernimmt lediglich das Fragen, Verknüpfen und die Folgeaktionen. Für Unternehmen, die bereits eine komplette BI-Suite besitzen, muss dafür kein bestehendes System ersetzt werden. Für die BI-Anbieter bedeutet es dagegen, dass ihr eigener KI-Assistent künftig mit ChatGPT um denselben Platz auf demselben Dashboard konkurriert.

Einige Fragen bleiben offen. Der Titel der Ankündigung verspricht zwar, dass „jetzt alle" Zugriff haben, nennt aber nicht, welche ChatGPT-Abonnementstufen den Data Agent enthalten oder ob dafür gesondert abgerechnet wird. Die genannten Kunden erscheinen weiterhin als Alpha-Nutzer, und einen Zeitplan für eine breitere Verfügbarkeit gibt es bislang nicht.

Quellen: offizielle Ankündigung und Entwickler-Dokumentation von OpenAI, Unite.AI, CocoLoop, Techzine; Angaben zu Datenquellen, BI-Tools und internen Nutzungsanteilen folgen der OpenAI-Ankündigung.