Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat am 7. September den „Entwicklungsplan für die Informations- und Kommunikationsbranche im 15. Fünfjahresplan" veröffentlicht und darin erstmals die KI-Rechenleistung zu einem der Hauptindikatoren gemacht: Bis 2030 soll die landesweite KI-Rechenleistung 9.800 EFLOPS erreichen; von 2026 bis 2030 sollen kumuliert 3,8 Billionen Yuan in die Informationsinfrastruktur investiert werden.
Die Vergleichsbasis sieht so aus: Ende Juni dieses Jahres lag Chinas KI-Rechenleistung bei 2.185 EFLOPS, ein Plus von 177 Prozent im Jahresvergleich; bis Ende Juli waren es rund 2.450 EFLOPS. Der Plan verlangt also, das Gesamtvolumen innerhalb von viereinhalb Jahren mehr als zu vervierfachen.
Was in der Indikatorentabelle steht
Der Plan listet insgesamt 13 Hauptindikatoren auf, darunter Einnahmen der Informations- und Kommunikationsbranche von 4,1 Billionen Yuan, ein durchschnittliches jährliches Wachstum des gesamten Telekommunikationsgeschäfts von 7 Prozent, 50 5G-Basisstationen pro 10.000 Einwohner und eine 5G-Nutzerdurchdringung von 95 Prozent. Dass KI-Rechenleistung nun in derselben Tabelle wie diese altbekannten Indikatoren steht, ist an sich schon eine Veränderung. In vergleichbaren Plänen der vergangenen fünf Jahre spielte Rechenleistung meist nur eine „unterstützende" Rolle, während die Indikatorplätze Basisstationen und Nutzerzahlen vorbehalten waren.
Zwei konkrete Begleitmaßnahmen sind recht genau formuliert: der geordnete Aufbau von KI-Rechenclustern im Zehntausend-Karten- und über Hunderttausend-Karten-Maßstab sowie eine bessere Anpassung der Infrastruktur an heimische KI-Chips. Öffentlich zugänglichen Informationen zufolge sind landesweit bereits rund 52 KI-Rechenzentren mit mindestens zehntausend Karten entstanden.
Der zweite Punkt hat einiges Gewicht. Die Anpassung an heimische Chips bedeutet, dass Scheduling, Compiling, Netzwerk und Speicher komplett rund um Hardware ohne Nvidia neu aufgebaut werden müssen – eine Schwierigkeit, die sich in den vergangenen zwei Jahren beim Rollout-Tempo mehrerer heimischer Cluster immer wieder gezeigt hat.
Einige vorangegangene Wegmarken
Betrachtet man diesen Plan isoliert, liest er sich leicht wie eine Absichtserklärung; reiht man ihn in die Kette der Ereignisse ein, ergibt sich ein anderes Bild.
Im Juni wurde ein von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) geführter Plan für ein Rechenzentrums-Netzwerk von ausländischen Medien öffentlich gemacht – mit einem Volumen von rund 2 Billionen Yuan und dem Ziel, innerhalb von fünf Jahren ein landesweit vernetztes Rechennetzwerk aufzubauen, das auch eine Quote für heimische Chips vorsah. Auf der monatlichen Pressekonferenz der NDRC am 31. Juli hieß es offiziell, die KI-Rechenleistung sei im ersten Halbjahr um das 2,8-Fache gestiegen, heimische Großmodelle seien weltweit über 10 Milliarden Mal heruntergeladen worden, zudem sei von einer „Beschleunigung der KI-Gesetzgebung" die Rede gewesen. Im Juli ging mit Sugon 8000 (曙光8000) der erste vollständig heimische Hunderttausend-Karten-Cluster in Betrieb.
Diese Ereignisse stammen aus unterschiedlichen Behörden und Dokumenten, ihre Investitionsrahmen überschneiden sich nicht – die NDRC-Zahl bezieht sich auf den Aufbau des Rechennetzwerks, die 3,8 Billionen des MIIT auf die gesamte Informationsinfrastruktur einschließlich 5G, Glasfaser und Satelliten. Die beiden Summen zu addieren ergibt keinen Sinn. Gemeinsam ist ihnen jedoch eine fortlaufende Verschärfung in dieselbe Richtung: zuerst Kapital und Netzwerk, dann Chip-Autonomie, jetzt das Gesamtziel als Indikator im Fünfjahresplan.
Wie ist der Zielwert einzuordnen
Bei der Vergleichbarkeit der 9.800 EFLOPS ist Vorsicht geboten. KI-Rechenleistung wird meist nach Umrechnung auf niedrige Präzision ausgewiesen, die Berechnungsgrundlagen der einzelnen Akteure sind nicht vollständig einheitlich, weshalb länderübergreifende Vergleiche nur begrenzt aussagekräftig sind. Aufschlussreicher ist die eigene Wachstumskurve: Von 2.185 auf 9.800 zu kommen, erfordert grob gerechnet ein jährliches Wachstum von 35 bis 40 Prozent (Näherungswert, gerechnet von Mitte 2026 bis Ende 2030, also viereinhalb Jahre) – eine Größenordnung niedriger als das Plus von 177 Prozent im vergangenen Jahr.
Das heißt nicht, dass das Ziel weniger ambitioniert ist, sondern dass die Ausgangsbasis bereits gestiegen ist. Die eigentlichen Beschränkungen liegen anderswo: woher der Strom kommt, ob genug fortschrittliche Fertigungskapazität bereitsteht und ob die tatsächliche Auslastung heimischer Chips mit den Nennwerten mithalten kann. Der Plantext selbst beantwortet diese drei Fragen nicht, begleitende Durchführungsregeln sind noch nicht veröffentlicht.
Quellen: Ministerium für Industrie und Informationstechnologie – „Entwicklungsplan für die Informations- und Kommunikationsbranche im 15. Fünfjahresplan", South China Morning Post, CocoLoop, Daily Economic News; Bestand und Wachstumsrate der KI-Rechenleistung wurden anhand öffentlicher MIIT-Angaben geprüft, Investitionssumme und die 13 Indikatoren folgen dem Plantext.