Anthropic unterschreibt in 11 Monaten Rechenverträge über 517 Milliarden Dollar

Laut einem Bericht von The Information hat Anthropic in den vergangenen elf Monaten Rechenkapazitäts-Verträge im Gesamtwert von bis zu 517 Milliarden Dollar unterschrieben. Gerechnet ab Oktober 2025 sichern diese Verträge mindestens 14,8 GW an Rechenleistung; zuvor verfügte das Unternehmen über etwa 1 bis 2 GW. The Decoder gab den Bericht am 7. September wieder und erwähnte zudem, dass Anthropic auch den Bau eigener Rechenzentren vorbereitet.

Diese Größenordnung passt nicht zu dem, was das Unternehmen selbst vor neun Monaten kommunizierte. Im Dezember 2025 hatte Anthropic seinen Investoren ein Server-Mietbudget von rund 180 Milliarden Dollar bis 2029 vorgelegt. Gemessen an der berichteten Vertragssumme hat das Unternehmen tatsächlich fast das Dreifache dieses Budgets unterschrieben.

Mehrere Großverträge innerhalb eines Jahres

Die 517 Milliarden Dollar kamen nicht auf einen Schlag zustande. Im November 2025 unterschrieb das Unternehmen eine Vereinbarung zur Anmietung von 1 GW Microsoft-Azure-Servern im Wert von 30 Milliarden Dollar. Die Verträge mit Amazon und Google decken zusammen 11 GW über zehn Jahre ab und werden dem Bericht zufolge mit über 300 Milliarden Dollar bewertet. Im Mai 2026 schloss Anthropic mit SpaceX einen Rechenkapazitäts-Vertrag im Wert von bis zu 45 Milliarden Dollar ab, der den zuvor bekannt gegebenen 220.000 GPUs und mehr als 300 Megawatt Stromversorgung entspricht. Im Juli folgte mit AMD eine Vereinbarung über den Einsatz von bis zu 2 GW an MI450-Chips, verbunden mit einer Investition von bis zu 5 Milliarden Dollar.

Reiht man diese Stationen aneinander, liegt der Wendepunkt nach Oktober 2025. Davor hing Anthropics Rechenleistung fast vollständig an Amazon allein; im Jahr danach kamen Microsoft, Google, SpaceX und AMD nacheinander hinzu, aus einem einzelnen Lieferanten wurde eine ganze Reihe. Der Preis dafür: Ausgaben von einem Jahrzehnt wurden bereits heute in Verträgen festgeschrieben.

Ein weiterer Punkt aus dem Bericht betrifft den Bau eigener Rechenzentren. Mieten ist schnell, kostet aber langfristig einen höheren Stückpreis und lässt Exklusivklauseln in der Hand des Vermieters; ein Eigenbau verlagert die Kapitalausgaben zum Unternehmen selbst, im Tausch gegen Kontrolle über Standortwahl, Stromversorgung und Abschreibungstempo. Eine Größenordnung von 14,8 GW übersteigt bereits die disponible Reserve des Stromnetzes so mancher einzelner Staaten – Stromlieferverträge und Netzanschlusstermine lassen sich oft schwerer planen als Chip-Lieferungen.

Zahlen ohne Prüfung

Für die Gesamtsumme von 517 Milliarden Dollar gibt es keine geprüfte Offenlegung. The Information addiert die unterschriebenen Verträge zu ihren jeweiligen Obergrenzen, ohne aufzuschlüsseln, welche davon feste Abnahmeverpflichtungen sind, welche an Bedingungen geknüpft sind und welche einen Ausstieg erlauben. Anthropic hat sich zu dem Bericht nicht geäußert, und das Unternehmen veröffentlicht auch sonst keine Vertragsdetails.

Auch bei den Umsatzzahlen gibt es nur Angaben aus Medienberichten. Anthropics annualisierter Umsatz wird mit 65 Milliarden Dollar beziffert, OpenAIs Zahl von Juli lag bei 40 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen sind nicht börsennotiert und veröffentlichen keine geprüften Finanzberichte, weshalb diese beiden Zahlen nur als grobe Größenordnung dienen können.

Gesagtes und Unterschriebenes

Dario Amodei hat sich zuvor öffentlich dazu geäußert, wie Wettbewerber diese Investitionsrunde angehen:

"don't really understand the risks they're taking"

Man verstehe gar nicht, welches Risiko man da eingehe.

Im selben Zeitraum bezeichnete Sam Altman das Ausgabenrennen bei der Rechenzentrums-Infrastruktur als "unsustainable silliness", während OpenAI selbst ein Ziel von 30 GW für 2030 ausgegeben hat. Die öffentlichen Aussagen beider Unternehmen zeigen in eine andere Richtung als ihre Vertragsabschlüsse.

Für externe Beobachter wird das nächste Dokument, an dem sich diese Zahlen abgleichen lassen, der Börsenprospekt sein. Anthropic hat bereits eine vertrauliche S-1-Anmeldung eingereicht; sollte der Börsengang bis zur öffentlichen Offenlegung fortschreiten, würden Laufzeiten, Zahlungspläne und Ausstiegsklauseln dieser Rechenkapazitäts-Verpflichtungen als Vertragstext in öffentlichen Unterlagen auftauchen. Bis dahin bleiben die 517 Milliarden Dollar eine aus Presseberichten zusammengerechnete Summe.

Quellen: The Information, The Decoder, CocoLoop, Data Center Dynamics; die Gesamtsumme von 517 Milliarden Dollar und die 14,8-GW-Angabe, das Server-Mietbudget von 180 Milliarden Dollar sowie die separaten Vertragssummen von 30 Milliarden Dollar mit Microsoft und 45 Milliarden Dollar mit SpaceX wurden anhand der Berichte abgeglichen.