Büro-Agent-Report: Top 5 % der Nutzer verbrauchen die Hälfte der Rechenleistung

Am 7. September wurde der „Vorläufige Bericht zum Nutzerverhalten bei Büro-Agenten in China“ veröffentlicht. Die Daten stammen aus den realen Nutzungsprotokollen von LobsterAI, dem Büro-Agent-Produkt von NetEase Youdao, seit dessen Start im Februar 2026 – mit mittlerweile über einer Million Nutzern insgesamt. Es ist der erste öffentlich zugängliche Datensatz zur Nutzungsverteilung von Büro-Agenten in China.

Zur Einordnung vorweg: Sämtliche Zahlen stammen aus dem eigenen Tracking eines einzelnen Produkts. NetEase Youdao ist gleichzeitig Datenquelle und Herausgeber, eine unabhängige Prüfung durch Dritte gibt es nicht, und die Nutzerstruktur deckt kaum die gesamte Branche ab. Der Bericht ist eher eine Selbstauskunft des Produkts als ein repräsentatives Bild aller Büro-Agent-Nutzer in China – wer ihn so liest, entgeht der Verzerrung.

Die Verbrauchskurve ist steiler, als das Abo-Modell vermuten lässt

Die aussagekräftigste Zahlenreihe im Bericht betrifft die Verteilung der Rechenleistung: Die oberen 20 % der Nutzer verbrauchen 87,4 % der Rechenleistung, allein die Top 5 % stehen für 53,5 % des Token-Verbrauchs. Auch der Unterschied in der Nutzungsintensität zwischen zahlenden und kostenlosen Nutzern fällt deutlich aus: Beim Token-Verbrauch liegt der Faktor bei 6,2, bei der Aufgabenzahl bei 5,2 und bei den aktiven Tagen im Monat nur bei 3,0.

Stellt man diese drei Faktoren nebeneinander, zeigt sich: Bei den aktiven Tagen liegt der Unterschied nur beim Dreifachen, beim Token-Verbrauch aber beim 6,2-Fachen. Zahlende Nutzer kommen also nicht wesentlich häufiger vorbei – sie erledigen bei jedem Besuch deutlich mehr. Genau darauf stützt sich auch die Einschätzung des Berichts: Intensive Nutzung ist der Haupttreiber für zahlende Abonnements.

Eine Rechnung

Diese Kurve setzt Preismodelle direkt unter Druck. Geht man von einem Büro-Agent mit unbegrenztem Monatsabo aus und rechnet grob mit einer Konzentration von 87,4 % der Rechenleistung, müssen die verbleibenden 95 % der Nutzer die Kosten der 5 % Vielnutzer mittragen – und unter diesen 95 % befinden sich noch dazu viele kostenlose Nutzer. Mehrere chinesische Büro-Agent-Anbieter setzen inzwischen auf ein Mischmodell aus Monatsabo und Guthabenpunkten, und diese Daten erklären recht gut, warum ein reines Flatrate-Abo kaum trägt.

Als Entlastungsmaßnahme nennt der Bericht Caching: 96,8 % der Inhalte landen nach dem ersten Abruf im Cache, und durch die Wiederverwendung lassen sich die Kosten um rund 80 % senken. Für den Büroalltag ist diese Quote wenig überraschend – derselbe Vertrag, dasselbe Projektdokument wird innerhalb einer Aufgabe oft mehrfach referenziert, und wiederholte Token müssen nicht jedes Mal wie neue Eingaben abgerechnet werden. Auch die Wahl des Basismodells drückt den Preis pro Anfrage: Laut Bericht entfallen 85,8 % aller Aufrufe auf die DeepSeek-Modellreihe.

Aufgaben werden länger

Der Umfang einzelner Aufgaben ist binnen fünf Monaten um das 3,1-Fache gewachsen, allein im August lag der Anstieg gegenüber dem Vormonat bei 53 %; an anderer Stelle formuliert der Bericht, dass sich die durchschnittliche Aufgabengröße etwa alle drei Monate verdoppelt. Bei den Aufgabentypen entfallen 38,5 % auf Programmierung und Code, während reine Textarbeit nur 10,1 % ausmacht. Bei den Ergebnissen dominieren Webseiten mit 69,1 %, Dokumente kommen auf 8 %.

Diese Verteilung zeigt, dass die Bezeichnung „Büro-Agent“ etwas irreführend ist. Die meisten Nutzer setzen ihn zum Programmieren und für Webseiten ein, klassische Textverarbeitung macht nur einen kleinen Anteil aus. Auch die Branchenverteilung bestätigt das: Softwareentwicklung und IT stellen 34 %, Design und Filmproduktion 13 %, Internet-Produktbetrieb 9,7 % und Finanzwesen 9,1 %.

Wer nutzt es, und wann

Geografisch entfallen 27 % auf die vier Metropolen Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen, mehr als 60 % kommen aus Städten außerhalb der ersten Reihe. Zeitlich liegt der werktägliche Höhepunkt um 15 Uhr, doch 60,2 % des Rechenleistungsverbrauchs fallen außerhalb der Bürozeiten an. Fast 50 % der Nutzer probieren ein neues Modell innerhalb von drei Tagen nach dessen Start aus.

Der Anteil von 60 % außerhalb der Bürozeiten sagt über das tatsächliche Nutzungsmuster mehr aus als die Spitzenstunde. Aufgaben laufen lange, Nutzer reichen sie ein und gehen, kommen später zurück, um die Ergebnisse abzuholen – ein Muster, das sich deutlich von direkter Chat-Interaktion unterscheidet.

Quellen: „Vorläufiger Bericht zum Nutzerverhalten bei Büro-Agenten in China“, 36Kr, CocoLoop, ifeng Tech; die Angaben zur Konzentration der Rechenleistung und zu den Verhältniswerten wurden anhand der im Bericht veröffentlichten Zahlen geprüft, Datenquelle ist das produkteigene Tracking von NetEase Youdao.