Die beiden ehemaligen Groq-Ingenieure Benjamin Serebrin und Joshua Rubin haben den Vorstand von Groq vor einem Gericht in Delaware verklagt. Sie werfen dem Vorstand vor, bei dem rund 20 Milliarden Dollar schweren Deal mit Nvidia im vergangenen Jahr Insider begünstigt und dadurch andere Aktionäre benachteiligt zu haben. Beide sind selbst Groq-Aktionäre; mehrere Medien berichteten am 5. Oktober über die Klage.
Ein Deal, der keine Übernahme war
Zurück zum Dezember 2025: Nvidia und Groq gaben eine Vereinbarung bekannt, nach der Nvidia eine nicht-exklusive Lizenz für Groqs Inferenz-Technologie erhält. Gründer Jonathan Ross, Präsident Sunny Madra und weitere Führungskräfte wechselten zu Nvidia, während Groq als eigenständiges Unternehmen GroqCloud weiterbetreibt.
Laut öffentlichen Berichten entfielen von den rund 20 Milliarden Dollar etwa 17 Milliarden auf eine Bar-Lizenzgebühr, weitere rund 3 Milliarden Dollar auf einen von Nvidia separat eingerichteten Aktienpool für die rund 200 übergewechselten Ingenieure. Berichten zufolge wechselten am Ende rund 90 Prozent der Groq-Belegschaft zu Nvidia. Zum Vergleich: Bei Groqs Finanzierungsrunde Mitte 2025 lag die Bewertung bei 6,9 Milliarden Dollar.
Worum es den Klägern geht
Der Klageschrift zufolge, wie sie in Medienberichten wiedergegeben wird, floss das Geld auf zwei Wegen: Die Lizenzgebühr ging an das Unternehmen und wurde anteilig an alle Aktionäre verteilt, während der Aktienpool direkt an die Mitarbeiter ging, die zu Nvidia wechselten. Die Kläger werfen dem Vorstand vor, bei der Gestaltung dieser Struktur seine Treuepflicht verletzt zu haben – Insider und die zu Nvidia gewechselten Mitarbeiter hätten mehr erhalten, die verbleibenden Stammaktionäre weniger.
Wie hier bereits berichtet, hatte Groq im Februar dieses Jahres eine erste Ausschüttung von rund 7,6 Milliarden Dollar an die Aktionäre vorgenommen, umgerechnet etwa 64 Dollar pro Aktie. Wie viel die Kläger ihrer Ansicht nach zu wenig erhalten haben und welchen Schadenersatz sie fordern, nennen die bisherigen Berichte nicht. Groq und Nvidia haben sich öffentlich noch nicht dazu geäußert.
Ähnliche Deals im Vergleich
Die Kombination aus Lizenzierung und Abwerbung von Personal tauchte bereits 2024 mehrfach auf. Öffentlichen Berichten zufolge zahlte Microsoft rund 650 Millionen Dollar an Inflection AI für eine Modelllizenz und nahm dabei zwei Mitgründer sowie den Großteil der Belegschaft mit; Google schloss eine Lizenzvereinbarung mit Character.AI und holte Mitgründer Noam Shazeer zurück, Berichten zufolge für rund 2,7 Milliarden Dollar; Amazon integrierte auf ähnliche Weise das Gründerteam von Adept.
Diese Deals haben eine Gemeinsamkeit: Keiner wurde als formale Fusion angemeldet. Im Vergleich ist der Nvidia-Groq-Deal nach bisher bekannten Zahlen der größte – nach den berichteten Summen rund 30-mal so groß wie der Microsoft-Inflection-Deal.
Auch auf Aufsichtsebene wird bereits ermittelt. Bloomberg berichtete im September, das US-Justizministerium habe Nvidia zur Herausgabe von Informationen aufgefordert, um zu prüfen, ob der Deal bewusst als Lizenz- und Einstellungsvereinbarung gestaltet wurde, um die Meldepflicht vor einer Fusion nach dem Hart-Scott-Rodino Act zu umgehen. Nach diesem Gesetz müsste eine direkte Übernahme von Groq durch Nvidia vor dem Abschluss eine kartellrechtliche Prüfung durchlaufen. Bereits im März hatten die Senatoren Elizabeth Warren und Richard Blumenthal in einem Brief an Nvidia nachgefragt, ob die Struktur des Deals der Umgehung dieser Prüfung dienen sollte. Den genauen Umfang der Ermittlungen hat das Justizministerium bislang nicht offiziell bestätigt.
Prüfung aus einer neuen Richtung
Bisher kamen die Nachfragen zu solchen Deals vor allem von Aufsichtsbehörden und dem Kongress und betrafen den Wettbewerb; diese Klage kommt nun von den eigenen Aktionären des Unternehmens und betrifft die Verteilung. Beide Linien laufen auf denselben Punkt hinaus: Bei einer Struktur aus Lizenzierung und Personalabwerbung bestimmen die Vertragsparteien selbst, wohin Geld und Mitarbeiter fließen – externe Aufsicht und verbleibende Aktionäre haben im Vorfeld kaum Eingriffsmöglichkeiten.
Die Klage in Delaware ist gerade erst eingereicht worden. Wie der Vorstand darauf reagieren wird und ob das Gericht die Offenlegung der damaligen Bewertungsgrundlagen verlangen wird, bleibt abzuwarten.
Quellen: Crypto Briefing, TokenPost, CocoLoop, Bloomberg, TechTarget; Angaben zur Deal-Summe und zum Aktienpool basieren auf öffentlichen Berichten, Details zu den Ermittlungen des Justizministeriums wurden mit Bloomberg-Berichten abgeglichen.