Am 8. April erklärte OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar in einem CNBC-Interview sehr deutlich: Beim IPO wird ein Teil der Aktien für Privatanleger reserviert.
Das ist wohl die bisher deutlichste offizielle Aussage von OpenAI, dass der Börsengang in diesem Jahr bevorsteht.
So sehen die aktuellen Zahlen von OpenAI aus
Zunächst ein Blick auf die Kennzahlen:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Letzte Finanzierungsrunde | 22 Mrd. USD (größte Einzelrunde der Geschichte) |
| Aktuelle Bewertung (nach Finanzierung) | 52 Mrd. USD |
| Monatlicher Umsatz | 0 USD |
| Gesamtumsatz 2025 | 3,1 Mrd. USD |
| Umsatzziel 2030 | 80 Mrd. USD |
| Angestrebte IPO-Bewertung | ~1 Billion USD |
| Geplanter Zeitpunkt | 4. Quartal 2026 |
Bei einem monatlichen Umsatz von null und der aktuellen Bewertung liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) bei etwa 35. Ein Vergleich mit Salesforce oder Adobe aus derselben Zeit zeigt, wie hoch die erwartete Prämie des Marktes für KI ist.
Drei Giganten gehen gleichzeitig an die Börse
Die zweite Jahreshälfte 2026 wird die dichteste IPO-Phase für KI-Unternehmen in der Geschichte sein.
- SpaceX: IPO-Roadshow könnte bereits im Juni beginnen
- Anthropic: Geplanter Börsengang im Oktober
- OpenAI: 4. Quartal, der genaue Zeitpunkt wird intern noch diskutiert
Die konservative Gesamtbewertung der drei Unternehmen liegt derzeit bei rund 2 Billionen USD. Woher soll das Kapital kommen, wenn dieses Volumen auf den öffentlichen Markt trifft?
Einige Analysten befürchten, dass drei „Erntemaschinen" gleichzeitig die Nachfrage gegenseitig verwässern könnten. Die Begeisterung der Privatanleger, Staatsfonds und die Aufnahmekapazität institutioneller Anleger sind begrenzt. Wenn drei Unternehmen gleichzeitig an die Börse gehen, hat derjenige einen Vorteil, der die bessere Geschichte erzählt und den richtigen Zeitpunkt wählt.
Was können Privatanleger kaufen?
Die CFO von OpenAI sagte, dass ein Teil für Privatanleger reserviert wird, aber nicht wie viel.
Zum Vergleich: Beim IPO von Snowflake ging etwa die Hälfte der Aktien an institutionelle Anleger. Privatanleger können in der Regel nur zu öffentlichen Marktpreisen nach der IPO-Festlegung kaufen, was oft bereits einen erheblichen Aufschlag beinhaltet.
Um tatsächlich zum IPO-Preis kaufen zu können, bleibt abzuwarten, ob OpenAI einen direkten Zuteilungsmechanismus ähnlich dem Robinhood-IPO-Produkt anbietet.
Intern noch nicht vollständig geeint
Friars Aussage war deutlich genug, aber Berichten zufolge gibt es zwischen CEO und CFO Meinungsverschiedenheiten über den Zeitpunkt des Börsengangs. Der CEO tendiert dazu, noch zu warten (möglicherweise auf den Start von Spud/GPT-5.5, um eine bessere Geschichte zu haben), während der CFO eine frühere Umsetzung bevorzugt.
Das Pre-Training von Spud (GPT-5.5) wurde am 24. März abgeschlossen und befindet sich derzeit in der Sicherheitsbewertung. Der Vorhersagemarkt gibt eine Wahrscheinlichkeit von 78 % für eine Veröffentlichung Ende April. Wenn Spud vor dem IPO erfolgreich startet, wird OpenAI eine leichtere Geschichte zu erzählen haben.
Die Wahl dieses Zeitfensters wird sich direkt auf die IPO-Bewertung und die Performance am ersten Handelstag auswirken.
Quellenangabe: OpenAI will allocate IPO shares to retail investors as it preps for debut, CFO says (CNBC); OpenAI closes record-breaking 22 billion funding round as anticipation builds for IPO (CNBC); SpaceX, OpenAI, CocoLoop, and Anthropic could reopen the IPO market—or drain it (Fortune/Crunchbase)