Anthropic: annualisierter Umsatz übersteigt 30 Mrd. USD, größter Rechenleistungs-Deal unterschrieben

Letzte Woche machte Anthropic zwei Ankündigungen: Der annualisierte Umsatz überstieg 30 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen unterzeichnete einen gewaltigen Rechenleistungsvertrag mit Google und Broadcom. Beide Nachrichten drehen sich um dasselbe Thema: Das Wachstum von Claude übertrifft alle Erwartungen.

Verdreifachung in drei Monaten – ein atemberaubendes Tempo

Zunächst zu den Umsätzen. Ende 2025 lag der annualisierte Umsatz von Anthropic bei etwa 9 Milliarden US-Dollar. Bis April 2026 stieg diese Zahl auf über 30 Milliarden.

In weniger als vier Monaten hat sich der Wert mehr als verdreifacht.

Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz von OpenAI im letzten Jahr betrug rund 7 Milliarden US-Dollar. Der Zuwachs von Anthropic in nur wenigen Monaten übertrifft bereits das Jahresvolumen eines führenden KI-Unternehmens.

Dahinter steht eine rasche Konzentration von Unternehmenskunden. Laut The Next Web hat die Zahl der Firmenkunden, die jährlich mehr als eine Million US-Dollar für Claude ausgeben, die Marke von 1.000 überschritten. Im Februar 2026 lag diese Zahl noch bei 500 – eine Verdopplung innerhalb von zwei Monaten.

CFO Krishna Rao bezeichnete den Vertrag als "die wichtigste Rechenleistungszusage in der Geschichte des Unternehmens" und betonte gleichzeitig eine "umsichtige Haltung gegenüber dem Infrastrukturausbau". Die Wortwahl ist konservativ, die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

3,5 GW TPU – bis 2031 gebunden

Das direkte Problem des sprunghaften Umsatzanstiegs: Hält die Rechenleistung Schritt?

Anthropics Antwort ist ein enormer Bestellauftrag: Ab 2027 bezieht das Unternehmen über Broadcom rund 3,5 Gigawatt an TPU-Rechenleistung von Google, mit einer Vertragslaufzeit bis 2031.

Dies baut auf der bestehenden Infrastruktur auf. Bereits 2026 nutzte Anthropic 1 GW an Google-TPUs; der neue Vertrag vervierfacht die Kapazität für 2027 auf das 3,5-Fache.

Was bedeutet 3,5 GW? Der Strombedarf einer mittelgroßen Stadt liegt in etwa in dieser Größenordnung. Die gesamte Kapazität wird für Claude-Inferenz genutzt – im Grunde wird der Strom eines kleinen Landes für KI-Dialoge aufgewendet.

Der Vertrag ist auch für Broadcom von großer Bedeutung. Analysten der Investmentbank Mizuho schätzen, dass Broadcom allein durch Anthropic im Jahr 2026 KI-Umsätze von 21 Milliarden US-Dollar erzielt, die 2027 auf 42 Milliarden steigen sollen. Ein einziger Kunde – Anthropic – trägt einen erheblichen Teil des Broadcom-KI-Chipgeschäfts.

Die geschätzten Gesamtkosten für den gesamten Infrastrukturausbau liegen zwischen 120 und 175 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil der Kapazität wird in den USA aufgebaut, was mit dem im November letzten Jahres angekündigten 50-Milliarden-US-Dollar-Infrastrukturplan von Anthropic übereinstimmt.

Drei Chiphersteller gleichzeitig

Anthropic setzt nicht auf einen einzigen Lieferanten für Rechenleistung.

Derzeit läuft Claude-Inferenz auf drei Schienen: AWS Trainium, Google Cloud TPU und Nvidia GPUs auf Azure.

Die Logik der Multi-Lieferanten-Strategie ist klar: KI-Chips sind derzeit praktisch überall knapp. Die gleichzeitige Sicherung von Kapazitäten bei drei führenden Cloud-Anbietern sichert Verhandlungsmacht und Stabilität. Natürlich steigt auch die Betriebskomplexität, aber für Anthropics derzeitige Größenordnung ist dies eine notwendige Kostenbelastung.

Wohin das Geld fließt

In den letzten sechs Monaten hat Anthropic seine Produktpalette immer dichter geschnürt:

  • Claude Cowork: Multi-Agenten-Desktop-Kollaborationstool, bereits auf Enterprise-Version upgegradet
  • Claude Managed Agents: Cloud-basiertes API-Paket, bereits im Einsatz bei Notion, Asana, Sentry
  • Claude Partner Network: 100 Millionen US-Dollar zur Förderung des Partner-Ökosystems
  • Project Glasswing: Cybersicherheits-Plan in Zusammenarbeit mit 12 Unternehmen, darunter Amazon, Apple, Microsoft

Dies sind keine isolierten Produktentscheidungen, sondern Schritte, um Claude zur Unternehmensinfrastruktur-Plattform zu machen – Nutzer wechseln vom "API-Aufruf" zum "direkten Betrieb von Geschäftsprozessen auf der Claude-Plattform".

Der annualisierte Umsatz von 30 Milliarden US-Dollar ist das Signal, dass dieser Wandel Früchte trägt. Der 3,5-GW-Rechenleistungsvertrag sichert das Terrain für die nächste Wachstumsrunde.

Quellenangabe: Anthropic ups compute deal with Google and Broadcom amid skyrocketing demand (TechCrunch); Broadcom to supply Anthropic with 3.5 gigawatts of Google TPU capacity from 2027 (Tom's Hardware); CocoLoop, Anthropic signs biggest compute deal yet with Google and Broadcom as run rate hits $30bn (The Next Web)