In derselben Woche gingen Meta und Microsoft nahezu identisch vor.
Meta: Kündigung von 10 % der Belegschaft, etwa 8.000 Mitarbeiter, wirksam ab 20. Mai. Gleichzeitig werden 6.000 noch nicht besetzte Stellen gestrichen.
Microsoft: Rund 8.750 US-Mitarbeiter erhalten ein freiwilliges Abfindungsangebot – wer ein "Alter plus Betriebszugehörigkeit von mindestens 70" vorweisen kann, kann vorzeitig ausscheiden und eine Abfindung erhalten. Dies ist das erste Mal in der 51-jährigen Geschichte von Microsoft, dass ein solches Programm aufgelegt wird.
Zusammen könnten die beiden Unternehmen fast 20.000 Stellen abbauen.
Die Zahlen im Detail
Zunächst zu Meta.
Metas Jahresumsatz 2025 betrug 201 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn im vierten Quartal 22,8 Milliarden US-Dollar. Vereinfacht gesagt: Das Unternehmen ist äußerst profitabel.
Warum also Entlassungen?
Die Antwort liegt im Investitionsplan: Metas Investitionsbudget für 2026 liegt zwischen 115 und 135 Milliarden US-Dollar, fast doppelt so hoch wie 2025 (72 Milliarden US-Dollar).
Wohin fließt das Geld?
- Bau von Rechenzentren
- Einkauf von Nvidia-GPUs
- Eigenentwicklung von Chips
- Entwicklung der Llama-Modellreihe
- Superintelligence Labs (die Anfang des Jahres gegründete Superintelligenz-Forschungseinheit von Meta)
Metas Personalchefin Janelle Gale erklärte offiziell, die Entlassungen dienten dazu, "das Unternehmen effizienter zu machen, um andere Investitionen zu unterstützen".
Übersetzt bedeutet das: Geld aus dem Gehaltsbudget wird für den Kauf von GPUs umgeleitet.
Besonders betroffen sind Trust & Safety (Inhaltssicherheit) und Reality Labs (Metaverse-Sparte, Budget direkt um 30 % gekürzt) – zwei Bereiche, von denen einer durch KI ersetzt wird und der andere strategisch aufgegeben wird.
Bei Microsoft ist es subtiler
Das freiwillige Abfindungsprogramm von Microsoft ist kleiner, aber einige Details sind bemerkenswert:
Die "Rule of 70": Alter + Betriebszugehörigkeit ≥ 70 berechtigt zur Teilnahme. Ein 45-Jähriger mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit erreicht die Grenze; ein 55-Jähriger mit 15 Jahren ebenfalls. Dieses Design filtert jüngere Mitarbeiter automatisch aus und betrifft hauptsächlich erfahrene Mitarbeiter zwischen 50 und 60 Jahren.
Es ist das erste Mal in der Geschichte von Microsoft, dass ein solches Abfindungsprogramm angeboten wird. Im Vergleich dazu hatte Microsoft bereits 2025 mehrere Entlassungswellen durchgeführt, aber diese Form des "freiwilligen Ausscheidens" ist neu.
Finanzieller Hintergrund: Microsoft erzielte im letzten Quartal einen Umsatz von 81,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 17 % im Jahresvergleich. Azure Cloud wuchs um 33 %, wobei KI-bezogene Dienste 16 Prozentpunkte zum Wachstum beitrugen. Die Geschäftszahlen sind gut, die Entlassungen sind also nicht auf operative Schwierigkeiten zurückzuführen, sondern auf eine aktive Umstrukturierung der Belegschaft.
Satya Nadella sagte bereits im Oktober letzten Jahres, dass 2026 "etwas chaotisch" (messy) werde – dies ist die Einlösung dieses Versprechens.
Nicht nur Meta und Microsoft
Im weiteren Kontext beschleunigen sich Umfang und Tempo der Entlassungen in der Technologiebranche in diesem Jahr:
- Oracle: 30.000 Entlassungen (18 % der Belegschaft), um 156 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur freizumachen
- Amazon: Umstrukturierung von 16.000 Stellen
- Dell: 11.000 Entlassungen
- Snap: 1.000 Entlassungen (16 %), mit der klaren Aussage, dass KI bereits 65 % des neuen Codes schreibt
Bislang wurden im Jahr 2026 weltweit in der Technologiebranche über 96.000 Stellen abgebaut, etwa 40 % mehr als im gleichen Zeitraum 2025.
Interessanterweise stellen dieselben Unternehmen gleichzeitig massiv KI-Ingenieure und Personal für den Betrieb von Rechenzentren ein – es handelt sich um einen strukturellen Personalumbau, nicht um geschäftliche Schwierigkeiten.
Das KI-Beschäftigungsparadoxon
57 % der US-Bürger glauben, dass KI sich zu schnell entwickelt, 79 % befürchten, dass die Regierung keine Schutzpläne für Arbeitnehmer hat. Auf der anderen Seite geben die Arbeitgeber weiterhin Geld aus: Die vier großen Technologieunternehmen (Alphabet, Microsoft, Meta, Amazon) werden in diesem Jahr voraussichtlich zusammen fast 700 Milliarden US-Dollar investieren.
Beides ist gleichzeitig wahr: KI macht Unternehmen profitabler und reduziert gleichzeitig den Personalbedarf.
Wenn eine Entlassungsankündigung mit einem historisch hohen Investitionsplan einhergeht, reagiert der Markt oft zunächst mit: steigenden Aktienkursen. Nach der Bekanntgabe der Entlassungen fiel der Aktienkurs von Meta um 2,3 %, aber Investoren interpretierten dies allgemein als "das Unternehmen beschleunigt seine KI-Transformation", nicht als "das Unternehmen steckt in Schwierigkeiten".
Der Geldfluss lügt nie.
Quellenangabe: Meta cuts 8,000 jobs and Microsoft offers first-ever buyouts as Big Tech converts payroll into AI capital expenditure (The Next Web); Meta to cut 8,000 jobs, Microsoft offers buyouts to staff as AI spending costs hit Big Tech workers (Yahoo Finance); 20,000 job cuts at Meta, Microsoft raise concern that AI-driven labor crisis is here (CNBC) — CocoLoop