Meta hat am 8. September mit Muse ein persönliches KI-Agenten-Produkt vorgestellt, verantwortlich dafür ist Chief AI Officer Alexandr Wang. Die Produktform ist eine Chat-Oberfläche, die laut Meta proaktiver arbeitet und über längere Zeiträume läuft als ein gewöhnlicher Chatbot.
Wo Muse läuft
Muse läuft auf einer dedizierten virtuellen Maschine in Metas Cloud, in der ein für den Nutzer sichtbarer Browser eingebettet ist. Aufgaben, die Schritt für Schritt im Web erledigt werden müssen, etwa E-Mails verschicken, Formulare ausfüllen oder Reisen buchen, erledigt Muse in genau diesem Browser. Nutzer können ihrem Agenten einen Namen und ein Profilbild geben und seine Ausdrucksweise anpassen. Das zugrunde liegende Modell heißt Muse Spark.
Der Start erfolgt zunächst in den USA, gleichzeitig für iOS, Android und im Web; die Unterstützung für Metas Brillen wird als "demnächst" bezeichnet.
Drei Preisstufen
Kostenlos, 20 US-Dollar im Monat und 100 US-Dollar im Monat. Zur Preisgestaltung sagte Wang: "Für die allermeisten Nutzer sollte die kostenlose Version ausreichen, um das zu erledigen, was sie brauchen." Als langfristiges Ziel für diese Produktlinie nennt er die Entwicklung einer persönlichen Superintelligenz, die Menschen dabei hilft, Ziele zu erreichen und Leidenschaften zu verfolgen.
Wo genau die Kontingente der drei Stufen liegen, wie viele Aufgaben die kostenlose Stufe pro Tag ausführen kann und wie die Laufzeit der virtuellen Maschine berechnet wird, hat Meta nicht offengelegt. Auch die Nutzerzahlen zum Start wurden nicht veröffentlicht.
Die Datenschutz-Ebene
Der Netzwerk- und Dienstzugriff von Muse wird von einem eigenständigen System namens Sentinel kontrolliert, das festlegt, worauf der Agent zugreifen darf und worauf nicht. Im Vergleich zu Metas bisherigen KI-Produkten hat Muse zusätzlich einen Schalter, mit dem verhindert werden kann, dass Anfragen für andere Zwecke weiterverwendet werden.
Hinzu kommt ein privater Modus: Der virtuelle Arbeitsbereich des Nutzers soll für Meta selbst unsichtbar sein. Diese Funktion befindet sich derzeit im Status "geplant", ein Starttermin wurde nicht genannt. Wie die Aktionsprotokolle im Arbeitsbereich bis zur Einführung dieser Funktion gespeichert werden, wie lange sie aufbewahrt werden und wer darauf zugreifen kann, lässt sich öffentlichen Angaben nicht entnehmen.
Ein Agent, der selbstständig einen Browser öffnet, sich einloggt und Formulare ausfüllt, bewegt sich in einer anderen Risikodimension als ein Chatfenster, das nur Fragen beantwortet. Dass Meta Sentinel eigens hervorhebt, zeigt zumindest, dass diese Ebene gesondert konzipiert wurde.
Für Nutzer in Festlandchina
Der Start umfasst Festlandchina zunächst nicht, die Unterstützung für die Brille liegt noch weiter in der Zukunft. Vergleichbare Angebote fehlen dort aber nicht: Im vergangenen Jahr haben Smartphone-Hersteller und mehrere große Modellanbieter in China an Assistenten gearbeitet, die Aufgaben app-übergreifend ausführen können, grob entlang zweier Ansätze.
Der eine Ansatz gleicht dem von Muse: Der Agent läuft in einer virtuellen Maschine in der Cloud und öffnet dort einen Browser. Vorteil ist, dass keine lokalen Geräteressourcen belegt werden und sich fehlgeschlagene Versuche wiederholen lassen, der Preis dafür ist, dass Anmeldestatus und Aktionsspuren über die Cloud laufen müssen. Der andere Ansatz läuft lokal auf dem Smartphone und nutzt die Bedienungshilfen des Betriebssystems oder herstellereigene Schnittstellen, um den Bildschirm zu steuern. Die Daten verlassen dabei das Gerät nicht, allerdings lassen sich nur bereits installierte Apps auf genau diesem Gerät bedienen, bei einem Gerätewechsel muss alles neu eingerichtet werden.
Beide Ansätze haben bislang dieselbe Frage nicht geklärt: Wer haftet, wenn ein Agent anstelle des Nutzers auf "Zahlung bestätigen" oder "Absenden" klickt und dabei ein Fehler passiert. Auch in den öffentlichen Unterlagen zu Muse fehlt dazu jede Angabe.
Quellen: Zusammenstellung aus Axios, CNBC, Slashdot, CocoLoop; Preisstufen, Startregion und der Sentinel-Mechanismus folgen den offiziellen Angaben von Meta, der Vergleich mit dem chinesischen Markt stammt von der Redaktion.