Tesla streicht China von FSD-Liste – nach nur drei Monaten

Am 21. August aktualisierte Teslas nordamerikanische Website die weltweite Verfügbarkeitsliste für das überwachte FSD (Full Self-Driving) – China taucht darin nicht mehr auf. Übrig blieben zwölf Regionen: die USA, Kanada, Mexiko, Puerto Rico, Australien, Neuseeland, Südkorea, die Niederlande, Litauen, Estland, Dänemark und Belgien. Drei Monate zuvor, am 21. Mai, hatte Teslas offizieller Account den Start des überwachten FSD in zehn Ländern und Regionen verkündet, China eingeschlossen – und in jener Fassung der Liste stand China noch drin.

Vier Tage später, am 25. August, kursierten Berichte, wonach das Shanghaier Rechenzentrum, das Tesla für den FSD-Marktstart in China vorbereitet hatte, bereits geräumt sei und das zuständige Team komplett abgezogen wurde. Weder zur Änderung der Liste noch zu diesem Gerücht hat sich Tesla öffentlich geäußert.

Zweiundneunzig Tage zwischen Aufnahme und Streichung

Drei Tage nach der Ankündigung vom 21. Mai benannte Teslas China-Website "FSD" einheitlich in "Tesla-Fahrassistenz" um; der Begriff "vollständig autonomes Fahren" verschwand von den chinesischen Seiten. Gleichzeitig änderte sich die Preisgestaltung: Zuvor kauften chinesische Fahrzeughalter das Paket einmalig für 64.000 Yuan, nach dem 21. Mai wurde auf ein monatliches Abonnement zwischen 499 und 699 Yuan umgestellt. Wie es für die Käufer der alten Einmalzahlung weitergeht, ist öffentlichen Berichten zufolge bis heute nicht klar geregelt – und genau das sorgt derzeit für den größten Ärger in Besitzer-Gruppen.

Tatsächlich genutzt hat die Funktion bisher kaum jemand. FSD V13 lief zuvor in einem begrenzten Test auf 24 in China zugelassenen Tesla-Modellen, mit rund 5.000 teilnehmenden Fahrzeughaltern. Tesla liefert in China jährlich mehrere Hunderttausend Fahrzeuge aus – eine Größenordnung von 5.000 gleicht eher einer internen Validierung als einem echten Produkt-Rollout. Weil der Kreis so klein war, hat die Streichung von der Liste beim tatsächlichen Funktionsverlust für Nutzer wenig verändert; getroffen hat es vor allem die Erwartungen.

Der geschlossene Trainingskreislauf löst das Genehmigungsproblem nicht

Bei Hardware und Training war Tesla keineswegs untätig. Am 6. Februar erklärte Tesla-Vizepräsidentin Grace Tao öffentlich, das KI-Trainingszentrum in Shanghai-Lingang sei bereits in Betrieb und habe die gesamte Kette von Datenerfassung über Speicherung, Training und Deployment bis zur Iteration durchgängig zum Laufen gebracht; bei Kartendaten kooperiert Tesla mit Baidu. Laut Teslas eigener Website wartet der FSD-Rollout in China aber weiterhin darauf, dass sämtliche inländischen Genehmigungsverfahren abgeschlossen werden.

Die Genehmigung hängt an drei miteinander verzahnten Punkten: Fahrdaten müssen vollständig und konform im Inland gespeichert werden; hochpräzise Karten müssen von einem lizenzierten Anbieter stammen; die fahrzeugseitige Strategie muss an chinesische Straßenverhältnisse und Verkehrsregeln neu angepasst werden. Von diesen drei Punkten löst das Zentrum in Lingang nur den dritten – über die ersten beiden entscheidet nicht Tesla. Das erklärt ein auf den ersten Blick widersprüchliches Bild: Rechenleistung und Datenkreislauf stehen bereit, die Funktion lässt sich trotzdem nicht freischalten.

Das Regelwerk wird dichter

Im selben Zeitraum wurden die chinesischen Vorschriften zum autonomen Fahren rasch nachgeschärft. Für Level 3 gibt es inzwischen einen verbindlichen nationalen Standard, der Entwurf zur Novelle des Straßenverkehrssicherheitsgesetzes enthält neu ein eigenes Kapitel zu autonomen Fahrzeugen – Haftungsverteilung und der Umgang mit Verstößen, früher vage geregelt, werden jetzt schriftlich festgelegt. Für heimische Hersteller bedeutet klareres Regelwerk einen Weg zur Zulassung; für Tesla wird dasselbe Regelwerk erst einmal zu einer Hürde, an der es sich neu ausrichten muss – schließlich läuft in China ein System, das mit ausländischen Daten und ausländischen Verkehrsverhältnissen trainiert wurde.

Rechnet man grob nach: Zwischen Aufnahme und Streichung von der Liste liegen 92 Tage, und genau in diesem Zeitraum verdichteten sich auch die genannten Regelwerke. Auf der einen Seite nimmt der regulatorische Rahmen Form an, auf der anderen Seite tritt ausgerechnet der aggressivste ausländische Anbieter einen Schritt zurück – dieses zeitliche Zusammentreffen dürfte kein Zufall sein.

Noch kein "nie"

Die Liste auf der Website lässt sich jederzeit wieder ändern, und Tesla hat nirgends erklärt, den Markt aufzugeben. Die durchgesickerte Einschätzung, FSD werde in China auf Jahre hinaus kaum Fuß fassen, stammt allein aus dem Gerücht selbst – Tesla hat sie nicht bestätigt, weshalb man sie mit Vorsicht genießen sollte. Sicher ist derzeit nur die Liste mit jenen zwölf Regionen sowie eine Wartezeit ohne Zeitplan. Für chinesische Fahrzeughalter, die bereits bezahlt haben, ist die Wahrscheinlichkeit, die Funktion noch in diesem Jahr nutzen zu können, inzwischen recht gering.

Quellen: Verfügbarkeitsliste auf Teslas nordamerikanischer Website, cnBeta, CocoLoop, BT Caijing, Sina Finance; Regionenzahl, getestete Fahrzeugmodelle und Nutzerzahl in China sowie die beiden Preismodelle wurden jeweils anhand öffentlicher Berichte einzeln überprüft.