OpenAI macht ChatGPT zur Team-Automatisierungsplattform, GPTs werden abgelöst

Am 22. April hat OpenAI eine Funktion namens Workspace Agents vorgestellt und damit offiziell angekündigt, dass die Custom GPTs ersetzt werden.

Es handelt sich nicht um ein Funktionsupdate, sondern um einen logischen Gangwechsel.

GPTs antworten auf Fragen, Agents arbeiten eigenständig

Der Kern der Custom GPTs: Der Nutzer stellt eine Frage, das Modell antwortet.

Der Kern der Workspace Agents: Man weist ihnen eine Aufgabe zu, sie erledigen sie selbstständig – du schaltest den Rechner aus und gehst schlafen, sie arbeiten weiter in der Cloud.

Die zugrundeliegende Technologie ist das Codex-Modell. Jeder Agent hat einen eigenen Workspace mit Dateien, Code-Ausführungsumgebung, Tool-Zugriffsrechten und einem sitzungsübergreifenden persistenten Gedächtnis. Du musst den Kontext nicht jedes Mal neu erklären, der Agent merkt es sich.

Noch wichtiger ist das Design der "Teamfreigabe" – ein erstellter Agent kann über ChatGPT oder Slack im gesamten Unternehmen geteilt und kontinuierlich verbessert werden. Das haben die GPTs nie erreicht.

OpenAI testet an sich selbst

Bei der Ankündigung wurden einige intern laufende Agents mitgeliefert. Dieses Detail spricht Bände:

  • Software Reviewer: Prüft, ob neue Anforderungen mit den Unternehmensrichtlinien konform sind
  • Product Feedback Router: Überwacht Slack und Kundenkanäle, klassifiziert und leitet Feedback automatisch weiter
  • Weekly Metrics Reporter: Erstellt jeden Freitag automatisch einen Metrikbericht, ohne dass jemand mahnen muss
  • Lead Outreach Agent: Recherchiert und bewertet potenzielle Kunden, entwirft Kontakt-E-Mails
  • Accounting Agent: Bearbeitet den monatlichen Buchungsabschluss

Das sind keine Demos, sondern tatsächlich im Einsatz befindliche Agents. OpenAI testet zuerst an sich selbst und verkauft dann – dieser Rhythmus ist nicht unbekannt.

Sensible Aktionen erfordern menschliche Zustimmung

Ein bemerkenswertes Designdetail: Bei Aktionen mit externen Auswirkungen wie dem Versenden von E-Mails oder dem Erstellen von Kalendereinträgen benötigt der Agent standardmäßig eine manuelle Bestätigung, bevor er sie ausführt. Dies ist ein Schutzmechanismus und auch eine Reaktion auf Bedenken hinsichtlich einer "übermäßigen Autonomie der KI".

Gleichzeitig wird der Zugriff des Agents auf Dateien und Tools vollständig vom Organisationsadministrator festgelegt. Das System verfügt außerdem über einen integrierten Prompt-Injection-Schutz, um eine Übernahme des Agents durch externe Inhalte zu verhindern.

Preise und Zeitplan

Derzeit befindet sich die Funktion in der Research Preview und ist nur für die Pläne Business, Enterprise, Edu und Teachers verfügbar.

Bis zum 6. Mai ist die Nutzung kostenlos, danach wird sie auf Credit-Basis abgerechnet.

Ein GPT-Konvertierungstool wird entwickelt. Bestandskunden können ihre Custom GPTs in Workspace Agents migrieren. Während der Übergangsphase werden die alten GPTs nicht sofort abgeschaltet.

Drei Unternehmen starten gleichzeitig – das ist interessant

Am selben Tag (22. April) hat Google auf der Cloud Next Workspace Intelligence vorgestellt und Gemini in Gmail, Docs und Sheets integriert; Microsoft hatte bereits früher mit Copilot Wave 3 eine ähnliche Enterprise-Agent-Architektur eingeführt.

Alle drei verfolgen dasselbe Ziel: KI-Agenten in die täglichen Arbeitsabläufe von Unternehmen einzubetten und sie zu einer Infrastruktur wie Slack zu machen.

Der Unterschied liegt im Ansatz – OpenAI nutzt Codex als Motor und ChatGPT als Einstiegspunkt; Google nutzt Gemini und beginnt bei Gmail; Microsoft nutzt Copilot und beginnt bei Office.

Wer wird gewinnen? Wahrscheinlich wird nicht ein Unternehmen alles gewinnen, sondern verschiedene Werkzeuge für verschiedene Szenarien. Aber die Anzahl der Nutzer, die ab dem 7. Mai Credits bezahlen, wird die erste echte Antwort sein.

Quellenangabe: OpenAI launches workspace agents that turn ChatGPT from a chatbot into a team automation platform (The Decoder); OpenAI subscribers get new workspace agents to automate complex tasks across teams (SiliconANGLE); CocoLoop, OpenAI updates ChatGPT with Codex-powered workspace agents for teams (9to5Mac)