Am 31. März hat OpenAI diese Finanzierungsrunde offiziell abgeschlossen. 122 Milliarden US-Dollar, Bewertung 852 Milliarden – noch nie hat ein nicht börsennotiertes Unternehmen diese Größenordnung erreicht.
Wer zahlt
Drei Hauptakteure: Amazon 50 Milliarden, Nvidia 30 Milliarden, SoftBank 30 Milliarden.
Bei den 50 Milliarden von Amazon gibt es ein Detail – 35 Milliarden sind an Bedingungen geknüpft: OpenAI muss entweder einen Börsengang durchführen oder AGI (Künstliche Allgemeine Intelligenz) erreichen. Mit anderen Worten: Amazon wettet darauf, dass OpenAI entweder an die Börse geht oder tatsächlich eine allgemeine Intelligenz erschafft. Beides sind keine kleinen Wetten.
Die 30 Milliarden von SoftBank sind ein unbesichertes Überbrückungsdarlehen mit einer Laufzeit von 12 Monaten. Typisch für Masayoshi Son: schnell rein, schnell raus.
Es gab auch eine bisher seltene Maßnahme: OpenAI öffnete erstmals einen Kanal für Privatanleger und sammelte über Banken mehr als 3 Milliarden US-Dollar von Einzelpersonen ein. Normale Anleger können vor dem Börsengang einsteigen – auch das dient als Vorbereitung auf den IPO.
Die wichtigsten institutionellen Investoren im Primärmarkt lesen sich wie das Who-is-Who der KI-Szene: a16z, Sequoia, Thrive Capital, Coatue, BlackRock, Blackstone, Tiger Global … so gut wie alle namhaften sind dabei.
OpenAIs aktuelle Finanzlage
Monatlicher Umsatz von 2 Milliarden US-Dollar, ChatGPT hat 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer, über 50 Millionen zahlende Abonnenten, Unternehmenskunden machen bereits über 40 % des Gesamtumsatzes aus.
Diese Zahlen waren 2023 kaum vorstellbar, als OpenAIs Jahresumsatz noch bei wenigen Milliarden lag. Drei Jahre, explosives Wachstum.
IPO in Vorbereitung
Laut Reuters ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 mit dem Börsengang zu rechnen. Das Bewertungsziel liegt bei einer Billion US-Dollar.
Ausgehend von der aktuellen Post-Money-Bewertung von 852 Milliarden könnte es noch eine Weile bis zum IPO dauern, aber die Richtung ist klar. OpenAI selbst sagte in seiner Ankündigung:
Solche Momente gibt es nicht oft. In vergangenen Generationen halfen die Kapitalmärkte beim Aufbau der Infrastruktur, die die moderne Wirtschaft prägt – Strom, Autobahnen, Internet. Diesmal ist es wieder so ein Moment.
Diese Formulierung ist nicht nur eine Finanzierungserklärung, sondern klingt eher wie ein Manifest zur historischen Positionierung.
Ist diese Bewertung angemessen
Monatlicher Umsatz von 2 Milliarden, annualisiert etwa 24 Milliarden US-Dollar. 852 Milliarden geteilt durch 24 Milliarden ergibt ein KGV von etwa 35.
Für ein schnell wachsendes Technologieunternehmen sind 35 nicht unverschämt, aber dies basiert auf dem aktuellen Umsatz. Das Problem:
- OpenAIs Ausgaben sind ebenso enorm. Rechenleistung, Rechenzentren, Talente – jedes Jahr wird nicht weniger verbrannt als eingenommen
- Der Wettbewerb verschärft sich, Google, Anthropic und Meta sind keine leichten Gegner
- Die regulatorischen Risiken nehmen zu, die EU und die USA beobachten genau
Optimisten würden sagen: Hier wird auf die nächsten fünf bis zehn Jahre gewettet, nicht auf die aktuellen Gewinnmultiplikatoren. Pessimisten würden sagen: In der Geschichte endeten alle Geschichten von „diesmal ist alles anders" ziemlich ähnlich.
Wofür wird das Geld verwendet
Offizielle Angabe: KI-Chips, Ausbau von Rechenzentren, Rekrutierung von Spitzentalenten.
Tatsächlich geht der Umfang dieser Finanzierungsrunde über das reine Geldverbrennen hinaus – es geht eher um den Aufbau einer Infrastruktur-Monopolstellung: Wer über genügend Rechenleistung verfügt, hat die Eintrittskarte für die nächste Generation des KI-Trainings.
Das Stargate-Projekt (der gemeinsame Rechenzentrumsbauplan von OpenAI, Oracle und SoftBank) ist die konkrete Umsetzung dieser Richtung.
Quellenangabe: OpenAI raises $122 billion at an $852 billion valuation, closing largest funding round in history (Yahoo Finance); OpenAI, not yet public, raises $3B from retail investors in monster $122B fund raise (TechCrunch); CocoLoop, OpenAI raises $122 billion to accelerate the next phase of AI (OpenAI offizieller Blog)