Googles Suchanzeigen wachsen nur um 12 Prozent, KI-Modus bremst

Googles Suchanzeigen wachsen nur um 12 Prozent, KI-Modus bremst

Alphabet hat diese Woche seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, und zum ersten Mal haben die Anleger bei der Suche deutlich Sorgen wegen der Folgen von KI. Der Umsatz mit Suchanzeigen und weiteren Angeboten lag bei 63,4 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 12 % zum Vorjahr und damit unter den 15 %, die Analysten erwartet hatten. Die Aktie fiel zeitweise um bis zu 10 %.

Finanzchef Philipp Schindler erklärte in der Telefonkonferenz, warum das Wachstum nachgelassen hat:

"the strong growth in AI mode queries had an impact because of the lower monetization"
(Das starke Wachstum bei Anfragen im KI-Modus hat sich ausgewirkt, weil sie sich schlechter zu Geld machen lassen.)

Der KI-Modus ist der dialogorientierte Sucheinstieg, den Google in die Suche eingebaut hat: Nutzer erhalten direkt eine vom Modell erzeugte Antwort, und es gibt weniger anklickbare Anzeigenplätze als auf der klassischen Ergebnisseite. Zahlen zur Nutzung von KI-Modus und KI-Übersichten nannte das Management diesmal nicht, auch Daten zu bezahlten Klicks wurden nicht gesondert ausgewiesen.

Die Geschäfte neben der Suche

Das gesamte Segment Google Services kam auf 96,3 Mrd. US-Dollar Umsatz, ein Plus von 11 %; darunter erzielte YouTube-Werbung 11,2 Mrd. Dollar, ein Plus von 9 %. Das operative Ergebnis des Segments betrug 39,2 Mrd. Dollar, die Marge 40,7 %.

Am schnellsten wuchs die Cloud. Google Cloud setzte 30,7 Mrd. Dollar um, nach 15,2 Mrd. Dollar im Vorjahresquartal, ein Plus von 103 %; das operative Ergebnis stieg von 3,6 Mrd. auf 11,1 Mrd. Dollar, die Marge von 23,7 % auf 36,2 %. Cloud-Chef Thomas Kurian geht davon aus, dass KI-Agenten das Cloud-Geschäft weiter antreiben werden.

Bei der Nutzung hat die Gemini-App 1 Milliarde Nutzer erreicht, und die API verarbeitet rund 32 Milliarden Token pro Minute, mehr als das Vierfache des Werts von vor einem Jahr. Sundar Pichai sagte, das Unternehmen arbeite an kleineren, destillierten Versionen des Modells Carbon, um „Milliarden“ Nutzer zu bedienen; das hängt direkt damit zusammen, die Kosten pro Anfrage im KI-Modus zu senken.

Überschlagsrechnung zu den beiden Zuwächsen

Eine grobe Rechnung mit den Zahlen aus dem Bericht: Der Suchumsatz lag im Vorjahresquartal bei etwa 56,6 Mrd. US-Dollar (geschätzt als 63,4 Mrd. geteilt durch 1,12), ist also binnen eines Jahres um rund 6,8 Mrd. Dollar gewachsen; Google Cloud legte im selben Zeitraum um etwa 15,5 Mrd. Dollar zu, mehr als das Doppelte des Zuwachses der Suche. Wäre die Suche wie vom Markt erwartet um 15 % gewachsen, hätte der Umsatz in diesem Quartal bei etwa 65,1 Mrd. Dollar gelegen; tatsächlich fehlen rund 1,7 Mrd. Dollar, ungefähr ein Zehntel des Jahreszuwachses der Cloud in einem Quartal.

Der Betrag allein ist nicht groß. Den Anlegern geht es um die Richtung: Die Suche bleibt Alphabets wichtigste Gewinnquelle, und je stärker der KI-Modus genutzt wird, desto weniger Werbung lässt sich pro Anfrage verkaufen. Hält dieser Trend an, muss das Wachstum stärker von Cloud und Abonnements getragen werden.

Auch die Investitionen werden weiter hochgefahren. Im dritten Quartal gab das Unternehmen 51,4 Mrd. Dollar aus; die Jahresprognose von 195 bis 205 Mrd. Dollar blieb unverändert, und Schindler sagte, 2027 werde sie „deutlich höher“ ausfallen. Das hohe Cloud-Wachstum und die verbesserte Marge dämpfen die Zweifel des Marktes an diesen Ausgaben teilweise, die Verlangsamung der Suche rückt die Frage aber wieder in den Vordergrund.

Was noch offen ist

Google hat nicht gesagt, wie Anzeigen im KI-Modus verkauft werden und um wie viel niedriger die Preise als in der klassischen Suche liegen, und es hat auch nicht genannt, welchen Anteil KI-Modus-Anfragen an allen Suchanfragen haben. Erst wenn im nächsten Quartalsbericht Werbeumsatz oder Klickdaten des KI-Modus gesondert ausgewiesen werden, lässt sich beurteilen, ob es sich um Übergangsschmerzen oder um eine dauerhafte Veränderung des Geschäftsmodells der Suche handelt. Bis dahin kann der Markt nur anhand von Prozentpunkten beim Wachstum spekulieren.

Quellen: Alphabet-Quartalsbericht zum dritten Quartal, The Decoder, CocoLoop, Telefonkonferenz zu den Alphabet-Zahlen; Suchumsatz, Google-Cloud-Umsatz und Investitionsausgaben wurden anhand des Berichts geprüft, die Vorjahresbasis ist geschätzt.