Nach Handelsschluss am 26. August legte NVIDIA die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor: Der Umsatz stieg auf 96,22 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal – das 13. Rekordquartal in Folge. Der Bereich Rechenzentren erwirtschaftete 89 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 117 Prozent im Jahresvergleich. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,22 Dollar, die Bruttomarge bei 75,0 Prozent. Für das kommende Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von 2 Prozent – deutlich über den vom Markt erwarteten rund 104 Milliarden Dollar.
Im Earnings Call nannte Jensen Huang auch die Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2028: ein Plus von rund 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Er fügte hinzu: "Die tatsächliche Nachfrage liegt weit über 70 Prozent", und weiter: "Auch wenn die Nachfrage weit über 70 Prozent liegt, können wir angesichts unserer aktuellen Lieferkapazität zuversichtlich sein, dieses Wachstum von 70 Prozent zu erreichen." Die Zahl ist demnach durch die Produktionskapazität begrenzt, nicht durch die Auftragslage.
Die Käuferliste verschiebt sich
Im Bericht findet sich eine leicht zu übersehende Kennzahl: Die Hyperscaler wuchsen gegenüber dem Vorquartal um 13 Prozent, ihr Anteil am Rechenzentrumsumsatz sank jedoch von 59 auf 55 Prozent. Die unter ACIE zusammengefassten übrigen Cloud-, Branchen- und Unternehmenskunden legten dagegen um 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 138 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Die vier großen Cloud-Anbieter bleiben die größten Käufer, doch das Wachstum verlagert sich zunehmend nach außen. Souveräne KI-Programme, Branchenkunden, regionale Cloud-Anbieter sowie eine Reihe kapitalfinanzierter KI-Start-ups, die eigene Cluster aufbauen, wachsen zusammengenommen doppelt so schnell wie die großen Konzerne. Jensen Huang brachte die Ursache dieser Nachfrage auf die Formel: "Rechenleistung ist Umsatz."
Die Zahlungsfrist ist die eigentliche Nebengeschichte dieses Quartals
Im selben Bericht stiegen die Forderungen von 38,5 Milliarden Dollar vor einem halben Jahr auf 63 Milliarden Dollar, ein Plus von 64 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der DSO-Wert – die durchschnittliche Zahl der Tage von der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang – verlängerte sich von 45 auf 60 Tage.
Eine grobe Rechnung zeigt, was diese 15 zusätzlichen Tage bedeuten: Bei einem Quartalsumsatz von 96,2 Milliarden Dollar über 91 Tage ergeben sich rund 1,06 Milliarden Dollar pro Tag – 15 Tage entsprechen also etwa 16 Milliarden Dollar, die noch nicht eingegangen sind. Das ist kein Forderungsausfall, zeigt aber, dass NVIDIA seinen Kunden mehr Zeit einräumt.
Wem diese Zeit eingeräumt wird, passt zur zuvor beschriebenen Kundenstruktur. Bei den vier großen Hyperscalern war die Zahlungsfähigkeit nie ein Thema, bei den neuen Käufern innerhalb von ACIE sieht das anders aus: Der Cashflow mancher KI-Start-ups und regionaler Cloud-Anbieter hängt selbst von der nächsten Finanzierungsrunde ab. Gleichzeitig trägt NVIDIA Lieferverpflichtungen, Stromgarantien, Leasingverträge und Eigenkapitalbeteiligungen an KI-Start-ups im Umfang von 581 Milliarden Dollar – mehr als der eigene Jahresumsatz.
Das Angebot bleibt der Flaschenhals
Jensen Huang betonte im Call wiederholt, dass das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt hält, während auf der Nachfrageseite kein Mangel an wartenden Kunden besteht. Der zusätzliche Auftrag von AWS über 2 Millionen GPUs ist für eine Lieferung zwischen 2027 und 2028 vorgesehen, auch hier wurde die Zahlungsfrist von 45 auf 60 Tage verlängert.
Hochgerechnet auf ein Jahr liegt NVIDIAs Umsatz beim aktuellen Tempo bei rund 432 Milliarden Dollar – Platz sechs weltweit unter allen Unternehmen; der annualisierte Bruttogewinn liegt bei rund 324 Milliarden Dollar, Platz zwei. Für ein Hardware-Unternehmen dieser Größenordnung hat sich die Wachstumsbremse verschoben: weg von der Frage, ob es Käufer gibt, hin zu der Frage, ob produziert werden kann und wann das Geld der Kunden tatsächlich eintrifft. Der aktuelle Bericht rückt diesen zweiten Teil erstmals offen ins Bild.
Quellen: NVIDIA-Quartalsbericht und Earnings Call, IT Home, CocoLoop, Finanzanalyse von Tomasz Tunguz; Umsatz, Bruttomarge, Prognosespanne und Forderungsangaben wurden mit dem Originalbericht abgeglichen.