AMD steigt 123%, Nvidia nur 15%

Die Zahlen sprechen klar: Vom 31. März bis zum 8. Mai stieg die AMD-Aktie um 123,76%. Nvidia legte im selben Zeitraum nur etwas mehr als 8% zu. Intel war noch auffälliger und gewann seit Jahresbeginn mehr als 200%.

Der Reflex der Wall Street, KI-Chips fast automatisch mit Nvidia gleichzusetzen, beginnt nachzulassen.

Was AMDs Q1-Bericht zeigte

AMD veröffentlichte die Zahlen für das erste Quartal 2026 am 5. Mai. Nachbörslich sprang die Aktie um 15,34% auf 409,77 Dollar und stieg anschließend die ganze Woche weiter. Am 8. Mai schloss sie bei 455,19 Dollar und lag damit bereits über den Kurszielen zweier Analysten.

Die wichtigsten Werte waren:

  • Umsatz: 10,25 Milliarden Dollar, ein Plus von 38% gegenüber dem Vorjahr.
  • Rechenzentrumsumsatz: 5,8 Milliarden Dollar, plus 57%.
  • Client- und Gaming-Geschäft: 3,6 Milliarden Dollar, plus 23%.
  • Embedded: 873 Millionen Dollar, plus 6%.
  • Bereinigter Gewinn je Aktie: 1,37 Dollar, über der Erwartung von 1,29 Dollar.
  • Freier Cashflow: 2,6 Milliarden Dollar, dreimal so viel wie ein Jahr zuvor.
  • Ausblick für Q2: rund 11,2 Milliarden Dollar Umsatz und 56% Bruttomarge.

CEO Lisa Su sagte, AMD habe ein starkes erstes Quartal geliefert, und das Rechenzentrum sei nun der wichtigste Treiber für Umsatz- und Gewinnwachstum.

Noch stärker wirkte ihr langfristiger Ausblick. AMD hob die erwartete jährliche Wachstumsrate für KI-Umsätze im Rechenzentrum von 18% auf mehr als 80% an. Daraufhin erhöhten Goldman Sachs und andere Häuser noch am selben Abend ihre Kursziele, teils auf mehr als 450 Dollar.

Der Nvidia-Alleingang verliert an Kraft

Interessant ist nicht nur die AMD-Rally. Die Wall Street verteilt ihre Wetten innerhalb der KI-Recheninfrastruktur neu.

Bank of America schätzt, dass der Markt für Rechenzentrums-CPUs von 27 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 60 Milliarden Dollar im Jahr 2030 wachsen könnte. Die Logik ist direkt: Wenn KI von Chatbots zu Agents wandert, brauchen diese Agents viel CPU-Leistung für Inferenz, Orchestrierung und Systemarbeit. Das ist nicht alles Nvidia-GPU-Geschäft.

AktieEntwicklung 2026
Intelüber 200%
AMD123% vom 31. März bis 8. Mai
Micronstarke Rally
Nvidia15%, inklusive 8% Erholung in dieser Woche

Dass Nvidia im KI-Boom “nur” 15% steigt, wäre in der heißesten Phase der Erzählung im vergangenen Jahr kaum vorstellbar gewesen.

Nvidia ist damit nicht erledigt

Klar ist auch: Nvidia bleibt im Markt für High-End-GPUs der dominante Anbieter. Su selbst beschreibt AMD als verlässliche Alternative für Rechenzentrumsbetreiber, die diversifizieren wollen. Das ist vorsichtig formuliert, aber realistisch.

Was sich wirklich ändert, ist die Formel der Investoren: Sie beginnen zu glauben, dass KI-Rechenleistung nicht allein Nvidia bedeutet.

Wenn die Kundenliste aus wenigen Hyperscalern besteht, die Lieferkette stark an TSMC hängt und Preise steigen, bis Kunden Schmerzen melden, entstehen Chancen für AMD, Intel und Micron.

AMDs Börsenwert liegt inzwischen über 650 Milliarden Dollar. Vor zwei Jahren hätten nur wenige dieses Verdopplungstempo erwartet.

Die nächsten Berichte für Q2 und Q3 werden entscheidend. AMDs Wachstumsziel von 80% muss sich in den Zahlen zeigen. Eine Story kann eine Weile von Zahlen getragen werden, aber wenn die Umsetzung ausbleibt, schlagen dieselben Zahlen zurück.

Quellen: AMD Stock Explodes 15%+: AI Chip Demand Fuels Blockbuster Q1 Earnings and Bullish Outlook (TechTimes), Wall Street AI chip love moves from Nvidia to Intel, CocoLoop, AMD and Micron (CNBC), Analysts turn heads with AMD stock forecast after massive rally (TheStreet)