Nvidia übernimmt Groqs Kernteam und Technologie für 20 Milliarden Dollar

Vor zwei Jahren, wenn man im Silicon Valley gefragt hätte, wer Nvidia im KI-Chip-Geschäft am ehesten herausfordern könnte, wäre Groq ganz oben auf der Liste gewesen. Jetzt hat sich Groq an Nvidia gehängt.

Nvidias 20-Milliarden-Dollar-„Nicht-Übernahme“

Im Dezember unterzeichnete Nvidia einen 20-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Groq. Aber es ist keine traditionelle Übernahme. Strukturiert als „Lizenzierung + Abwerbung“ sicherte sich Nvidia die Nutzungsrechte an Groqs LPU-Chip-Technologie (Language Processing Unit) und holte den Gründer und CEO Jonathan Ross sowie den Großteil des Kernteams ins Unternehmen. Das Silicon Valley nennt das „not-an-acquisition“ – eine Nicht-Übernahme.

Warum dieser Umweg? Eine richtige Übernahme müsste kartellrechtlich geprüft werden, was lästig ist; die Lizenzierung von Technologie und die Einstellung einiger Leute ist da viel sauberer. Nvidia bekam die gewünschte Technologie und die Talente und umging gleichzeitig die regulatorischen Hürden.

Die Altaktionäre kamen nicht zu kurz. Im Februar verteilte Groq die erste Tranche des Deals – 7,6 Milliarden Dollar – an die Aktionäre, umgerechnet etwa 64 Dollar pro Aktie.

Was übrig bleibt: Groq2 und die „Inferenz-Cloud“

Nachdem das Kernteam gegangen war, blieb die Groq-Hülle mit einigen Mitarbeitern und der Marke übrig. Sie starteten neu als Groq2, mit Interim-CEO Adam Winter und CFO Matt Eng. Die neue Richtung ist nicht länger Chip-Design, sondern eine KI-„Inferenz-Cloud“ (Neocloud).

Einfach ausgedrückt: Große Sprachmodelle arbeiten in zwei Phasen: Training und Inferenz. Inferenz ist der Teil, wenn Sie eine Frage eingeben und das Modell eine Antwort generiert – hier wächst der Rechenbedarf am schnellsten. Groq2 will sich auf Echtzeit-Inferenz-Anwendungen spezialisieren und eine optimierte Cloud-Dienstleistung anbieten, damit Entwickler und Unternehmen ihre rechenintensiven Inferenz-Workloads auslagern können.

Für dieses neue Vorhaben sammelt Groq 650 Millionen Dollar ein. Laut Axios haben die Altinvestoren Disruptive und Infinitum erklärt, sie würden den gesamten Betrag übernehmen, selbst wenn niemand sonst einsteigt.

Vom Herausforderer zum Parasiten

Der heikelste Punkt ist dieser Wandel:

  • Vor zwei Jahren: Groq entwarf eigene Chips, um Nvidia frontal herauszufordern.
  • Jetzt: Groq2 betreibt eine Inferenz-Cloud, die auf fremde Rechenleistung angewiesen ist.
  • Position: Vom Nvidia-Herausforderer zu einer Schicht auf Nvidia-Hardware.
  • Geschäftsmodell: Von eigener LPU-Architektur zu Optimierung und Dienstleistungen.

Die wertvollste Chip-Technologie wurde an Nvidia verkauft, der Gründer wechselte zu Nvidia, und das verbleibende Unternehmen macht nun ein Geschäft, das auf Nvidia-Hardware laufen muss. Eine Firma, die einst den Tisch umwerfen wollte, hat sich entschieden, sich an den Tisch zu setzen.

Das ist nicht unbedingt ein schlechtes Ende – die Inferenz-Cloud ist ein echtes Geschäft, und 7,6 Milliarden Dollar sind echtes Geld. Aber die Geschichte von „demjenigen, der Nvidia am ehesten herausfordern könnte“ ist hiermit offiziell zu Ende.

Quellen: After Nvidia's $20B not-acqui-hire, CocoLoop; AI chip startup Groq reportedly raising $650M (TechCrunch); Groq lines up $650m for 'neocloud' spin-out after $20b Nvidia deal (Axios).