Auf der Computex in Taipei präsentierte Jensen Huang nicht einen weiteren Datencenter-Beschleuniger, sondern einen Chip für Laptops: den RTX Spark, Nvidias ersten integrierten PC-Plattform-Chip, der CPU und GPU vereint.
Seit drei Jahrzehnten stellt Nvidia Grafikkarten her; nun hat das Unternehmen erstmals einen kompletten PC-Chip mit CPU und GPU in einem Paket entwickelt. Der RTX Spark wurde am 1. Juni auf der Computex offiziell vorgestellt.
Ein Chip, der Rechenzentrumsleistung ins Notebook bringt
Die Hardware-Spezifikationen sind beeindruckend:
- 20-Kern-Arm-CPU gepaart mit einer Blackwell-GPU (6.144 CUDA-Kerne)
- Verbunden über Nvidias eigene NVLink-C2C-Chip-zu-Chip-Interconnect
- 128 GB LPDDR5X Unified Memory mit bis zu 300 GB/s Bandbreite
- KI-Leistung von bis zu 1 Petaflop – eine Billiarde Gleitkommaoperationen pro Sekunde
Die 128 GB Unified Memory sind der eigentliche Game-Changer. Normale Laptops haben maximal 8 bis 24 GB Arbeitsspeicher, was lokale große KI-Modelle einschränkt. Mit 128 GB Unified Memory kann ein Laptop beträchtliche Modelle lokal ausführen und ermöglicht agentische KI – Assistenten, die Aufgaben autonom in Schritte zerlegen – direkt auf dem Gerät, ohne Daten in die Cloud senden zu müssen.
Nvidias Positionierung ist klar: Windows in ein „KI-Betriebssystem zu verwandeln, das selbstständig arbeiten kann“, mit dem offiziellen Ziel, „den PC neu zu definieren“.
Direkte Herausforderung für Apple und Intel
Der RTX Spark läuft unter Windows on Arm. Er kommt im Herbst in über 30 Laptops und 10 Desktops von Partnern wie Dell, HP, Lenovo, Asus und MSI auf den Markt, mit einem dünnsten Design von 14 mm. Bemerkenswert ist, dass auch Microsoft auf der Liste steht und ein neues Surface Ultra mit RTX Spark plant.
Dies ist bedeutsam, da Microsoft bisher Copilot+-PCs mit Qualcomms Snapdragon vorantrieb. Nun setzt das Unternehmen mit einem separaten Ansatz auf Nvidia für sein Flaggschiff-Surface. Auf derselben Computex kündigte Qualcomm den Snapdragon C an, der auf günstige Einsteiger-KI-Laptops abzielt; Acers Aspire Go 15 setzt ihn bereits ein.
Nvidia geht mit 1 Petaflop ins High-End, Qualcomm mit günstigen Geräten ins Low-End. Die PC-Landschaft, die einst von Apple M-Serie, Intel und AMD dominiert wurde, sieht nun Nvidia und Qualcomm als neue Teilnehmer.
Nvidia hat den Preis noch nicht genannt, aber angekündigt, dass die erste Welle auf das High-End abzielt, später sollen Versionen mit weniger Speicher für das Mittel- und Einstiegssegment folgen.
Jensen Huang will sowohl Cloud als auch Edge gewinnen
In derselben Keynote gab Nvidia bekannt, dass die Datencenter-CPU Vera bereits in voller Produktion ist und im Herbst ausgeliefert wird, mit OpenAI, Anthropic und SpaceX als ersten Kunden.
Die Strategie ist klar: In der Cloud verkauft Nvidia Rack-Monster wie Vera Rubin; am Edge dringt es nun mit dem RTX Spark in jedes Notebook ein. Ein Fuß in KI-Fabriken, der andere in den Taschen der Verbraucher.
Wo liegt der Burggraben? Nicht in Benchmark-Werten. Apples M-Serie punktet mit Effizienz und einem eng integrierten Ökosystem. Nvidias Vorteil ist CUDA – eine Plattform, die Entwickler seit fast zwei Jahrzehnten nutzen, mit enorm hohen Wechselkosten. Die eigentliche Bewährungsprobe für den RTX Spark ist, ob Entwickler und Verbraucher bereit sind, für lokale agentische KI auf Laptops einen Aufpreis zu zahlen.
Die Antwort wird sich zeigen, wenn die ersten Geräte im Herbst ausgeliefert werden. Eines ist jedoch sicher: Nvidia gibt sich nicht mehr damit zufrieden, nur die Karte im Gehäuse zu verkaufen.
Quellen: Tom's Hardware, Engadget, CNBC, TechRadar, Digit; CocoLoop