Am 5. Mai hat OpenAI die Beta des ChatGPT Ads Manager für alle Unternehmen in den USA geöffnet.
Das ist weniger eine normale Produktmeldung als der erste Tag, an dem OpenAIs Werbegeschäft aus dem Pilotmodus herauskommt.
Zuerst haben sich die Zahlen verschoben
| Kennzahl | Pilotphase (Februar-April 2026) | Nach der Öffnung am 5. Mai |
|---|---|---|
| Mindestausgaben | 250.000 US-Dollar, später 50.000 US-Dollar | Keine |
| Gebotsmodell | Nur CPM, ab 60 US-Dollar | CPM plus CPC |
| Zugang | Wenige Werbekunden | Alle US-Unternehmen |
| CPM-Preis | 60 US-Dollar | Auf 25 US-Dollar gefallen |
Die wichtigste Neuerung ist CPC, also Abrechnung pro Klick. OpenAI argumentiert, dass viele Gespräche in ChatGPT aktiv und entscheidungsorientiert seien; ein Klick könne deshalb ein sinnvolles Signal für die Relevanz einer Anzeige sein.
Praktisch heißt das: Nutzer kommen oft mit Absicht in ChatGPT. Sie prüfen ein Produkt, fragen nach Empfehlungen oder grenzen eine Entscheidung ein. In solchen Momenten sagt ein Klick mehr aus als eine bloße Einblendung.
Der empfohlene Einstiegspreis liegt bei 3 bis 5 US-Dollar pro Klick, also ungefähr auf dem Niveau mittlerer Branchen im Google-Suchgeschäft.
Warum das groß werden kann
OpenAIs internes Umsatzziel für Werbung im Jahr 2026 liegt Berichten zufolge bei 2,4 Milliarden US-Dollar. Die Zahl stammt laut Digiday aus internen Quellen, nicht aus einer PR-Mitteilung.
- Die sechswöchige Pilotphase erreichte bereits eine annualisierte Umsatzrate von 100 Millionen US-Dollar.
- Mehr als 600 Werbekunden waren beteiligt, darunter Target, Ford, Mrs. Meyer's und Adobe.
- OpenAI dürfte in diesem Jahr 14 Milliarden US-Dollar Verlust machen.
Gegenüber 14 Milliarden US-Dollar Verlust wirken 2,4 Milliarden zunächst klein. Werbegeschäfte laufen am Anfang jedoch oft zäh und skalieren später stark. Facebook startete 2007 seine Self-Service-Werbeplattform und lag fünf Jahre später bei 4 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz mit Werbung.
Vier Designentscheidungen
Erstens steht die Anzeige nicht im Gesprächsfluss.
Anzeigen erscheinen unterhalb der Unterhaltung und werden nicht in ChatGPT-Antworten eingebettet. Das ist eine vorsichtige Entscheidung. Perplexity wurde kritisiert, weil gesponserte Links in Antworten auftauchten. OpenAI trennt zumindest Antwortbereich und Anzeigenbereich.
Zweitens sehen Plus-, Pro- und Business-Nutzer keine Werbung.
Beworben werden nur Free- und Go-Nutzer. Wer zahlt, kauft eine werbefreie Erfahrung. Das ist das bekannte Modell aus Abo und Anzeigen, wie bei Spotify oder YouTube.
Drittens darf ein Logo nicht das Hauptmotiv sein.
OpenAI verlangt Produktbilder oder Nutzungsszenen statt dominanter Logos. Damit soll die Oberfläche nicht wie eine Markenwand wirken und näher an der Logik intentbasierter Suchanzeigen bleiben.
Viertens sind Überschrift und Beschreibung hart begrenzt.
16 Zeichen für die Überschrift und 32 Zeichen für die Beschreibung lassen kaum Raum für klassische Werbetexte. Das zwingt Werbekunden zu antwortähnlichen Anzeigen: Was ist es, wo bekomme ich es, wohin führt der Link?
Die Partnerliste ist das eigentliche Signal
Alle vier großen Agenturgruppen sind vertreten: Dentsu, Omnicom, Publicis und WPP.
Zu den Technologiepartnern gehören Adobe, Criteo, Kargo, Pacvue und StackAdapt.
OpenAI versucht also nicht, den Anzeigenvertrieb allein aufzubauen. Das Unternehmen dockt direkt an die Standardleitungen der globalen Digitalwerbung an. Kanäle, die Agenturen nicht verkaufen wollen, halten selten lange durch; Snap und X kennen dieses Problem.
Anders gesagt: OpenAI zielt von Beginn an auf den zweiten Platz hinter Google Ads, nicht auf eine Nebenrolle für Bing oder Restinventar wie bei Snap.
Kann OpenAI gewinnen?
Werbung entscheidet sich an zwei Punkten: wie viel Relevanz Nutzer akzeptieren und wie lange Werbekunden auf ROI warten.
Bei der Reichweite hat ChatGPT ein starkes Fundament. 800 Millionen monatlich aktive Nutzer entsprechen ungefähr der Größenordnung von Google in der frühen Suchära.
Doch ChatGPT-Nutzer verhalten sich nicht wie Google-Nutzer. Bei Google kommen viele mit Kauf-, Such- oder Rechercheabsicht. In ChatGPT gibt es auch viel begleitende und kreative Nutzung: Gedichte schreiben, Lebensfragen besprechen, Gedanken sortieren. In solchen Situationen werden Anzeigen schwach abschneiden.
Die nächsten zwölf Monate zeigen, wohin die Partie läuft: ob CPM stabil bleibt, ob CPC unter 1 US-Dollar fällt und ob Werbekunden im zweiten Quartal weiter buchen.
OpenAI hat den ersten Schritt gemacht. Jetzt muss der Markt entscheiden, ob er mitgeht.
Quellen: OpenAI Opens ChatGPT Ads Manager to All US Businesses with CPC Bidding (PPC Land); OpenAI launches self-serve ad platform (Axios); CocoLoop; OpenAI has quietly launched its ads manager as it races to build out its ads business (Digiday); OpenAI Launches Self-Serve Ads Manager for ChatGPT (Search Engine Journal)