NVIDIA und ServiceNow bauen mit Project Arc den Enterprise-Agent-Stack

Auf der ServiceNow Knowledge 2026 ging es nicht einfach um eine weitere Funktion. NVIDIA und ServiceNow stellten eine Infrastruktur für Unternehmens-Agenten in den Mittelpunkt: einen Desktop-Agenten auf dem Rechner der Mitarbeitenden, Nemotron 3 im Hintergrund und eine Governance-Schicht um alle Aktionen. Der Name lautet Project Arc.

Was Project Arc leisten soll

Project Arc ist im Kern ein Desktop-Agent, der dauerhaft auf Mac- oder Windows-Rechnern laufen und mehrstufige Aufgaben eigenständig abarbeiten soll.

Er ist kein Copilot-artiger Assistent, der erst nach Aufforderung erscheint. Die Idee ist eher ein eigenständiger Arbeitsprozess, der lokale Dateien lesen, das Terminal nutzen, installierte Software bedienen und sich während der Arbeit anpassen kann. Gedacht ist das zunächst für Entwickler, IT-Engineer und Systemadministratoren, die täglich zwischen vielen Werkzeugen wechseln.

NVIDIA liefert die Modellschicht mit Nemotron 3 Super. Nach Angaben des Unternehmens belegte das Modell unter offenen Modellen den ersten Platz im EnterpriseOps-Gym-Benchmark. ServiceNow stellt mit Action Fabric die Workflow-Schicht bereit und verbindet Aktionen auf dem Rechner mit Tickets, Prozessen und Freigaben in ServiceNow.

Project Arc represents the next step...delivering the governance and security that enterprise AI requires.

Diese Aussage von Jon Sigler, General Manager der KI-Plattform bei ServiceNow, beschreibt den eigentlichen Punkt. Werkzeuge, mit denen Agenten handeln können, gibt es längst. Unternehmen zögern, weil ihnen Auditierbarkeit, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit fehlen. Project Arc wird nicht vor allem als klügerer Agent verkauft, sondern als besser kontrollierbarer Agent.

OpenShell könnte noch wichtiger sein

Der zweite wichtige Baustein ist OpenShell, eine von NVIDIA als Open Source veröffentlichte sichere Laufzeitumgebung für autonome Agenten.

Das Problem ist konkret. Unternehmen müssen festlegen, welche Tools ein Agent verwenden darf, Dateioperationen in einer Sandbox halten und jede Entscheidung auditieren können.

  • Welche Tools darf der Agent aufrufen?
  • Wie bleibt Dateizugriff isoliert?
  • Wie lässt sich jeder Schritt später prüfen?

OpenShell gibt jedem Agenten eine isolierte Umgebung, steuert Fähigkeiten über Policy-Dateien, protokolliert alle Aktionen und erlaubt Administratoren, Aktivitäten einzusehen, zu stoppen oder zurückzusetzen.

Das kann über Project Arc hinaus Bedeutung bekommen. OpenShell ist offen, modellneutral und nicht an ServiceNow gebunden. Unternehmen, die eigene Agent-Plattformen bauen, können es als Sandbox-Infrastruktur nutzen.

Die Strategie passt zu NVIDIA: Werkzeuge verbreiten und die eigene Hardware zum naheliegenden Ort machen, an dem sie laufen. CUDA folgte einem ähnlichen Muster. OpenShell könnte zur Betriebssystemschicht für Unternehmens-Agenten werden.

Drei Zahlen

NVIDIA stellte mehrere Leistungsdaten heraus.

  • Blackwell gegenüber Hopper: 50-mal mehr Tokens pro Watt.
  • Kosten pro Million Tokens: 35-mal niedriger.
  • Nemotron 3 Super: Platz eins unter offenen Modellen im EnterpriseOps-Gym.

Die 35-fache Kostensenkung ist wichtig, weil bei LLM-Einführungen in Unternehmen oft nicht die Modelllizenz, sondern Inferenz-Rechenleistung der größte Kostenblock ist. Wenn ein Team mit 500 Personen Agenten den ganzen Tag laufen lässt, wird Compute schnell zum Budgetlimit. NVIDIA argumentiert, dass Blackwell die Grenzkosten so weit senkt, dass Agenten für die gesamte Belegschaft realistisch werden.

Das erweitert den Markt auf eine Größe, in der entsprechend viele NVIDIA-Chips gebraucht werden.

Governance ist der Hebel

Wenige Wochen vor der Vorstellung warnte The Hacker News, dass Agenten bereits in Unternehmensnetzen aktiv seien, während viele Firmen nicht einmal eine vollständige Bestandsliste hätten. Gartner prognostiziert, dass bis Ende dieses Jahres 40% der Unternehmensanwendungen aufgabenspezifische Agenten enthalten werden. Im Vorjahr waren es weniger als 5%.

In dieses Umfeld stößt Project Arc. Für IT-Verantwortliche lautet die Frage nicht mehr, ob Agenten genutzt werden, sondern wie sich unkontrollierte Risiken vermeiden lassen.

  • Welche Mitarbeitenden haben welche Agenten bereitgestellt?
  • Auf welche Daten hat ein Agent zugegriffen?
  • Gibt es Audit-Logs?
  • Lässt sich ein Agent im Problemfall stoppen?

ServiceNow hat hier eine starke Ausgangsposition. Die Plattform ist in vielen großen Unternehmen die Schaltstelle für IT-Betrieb, mit Asset-Inventar, Change-Freigaben und Incident Response. Agenten in diese Abläufe einzubetten, ist eine naheliegende Erweiterung.

NVIDIA bringt Rechenleistung und Modelle. ServiceNow bringt die Prozessschicht. Zusammen wirkt Project Arc wie eines der ersten vollständigen Enterprise-Agent-Pakete, das nicht nur experimentell, sondern tatsächlich einsetzbar erscheint.

Warum Anthropic und OpenAI aufmerksam sein sollten

Der Agentenmarkt teilt sich zunehmend in Schichten.

SchichtAkteure
ModelleAnthropic, OpenAI, Google, Alibaba
Agent-FrameworksLangChain, Crew, Anthropic Cowork
Desktop-SteuerungClaude Code, Cursor, Codex
Enterprise-Governance und ProzessintegrationServiceNow, Microsoft Agent 365, SAP

Anthropic und OpenAI drängen ebenfalls tiefer in die Unternehmensebene. Anthropic hat Claude Cowork vorgestellt, OpenAI treibt The Deployment Company voran. Doch IT-Prozesse in Unternehmen sind nicht ihr Heimatmarkt.

Für ServiceNow-Kunden sieht Action Fabric zusammen mit NVIDIAs Nemotron wie ein Agent aus, der auf bestehende IT-Workflows aufgesetzt wird. Das ist leichter zu übernehmen als eine externe Agent-Plattform von Grund auf.

Der nächste Wettbewerb um Enterprise-KI wird womöglich nicht allein über das beste Modell entschieden. Wer Governance, Freigaben, Logs und Workflows kontrolliert, kann sich den größten Teil der Unternehmensbudgets der kommenden fünf Jahre sichern. Project Arc ist ein früher Schritt in diese Richtung.

Quellen: NVIDIA and ServiceNow Partner on New Autonomous AI Agents for Enterprises (NVIDIA Blog); Your AI Agents Are Already Inside the Perimeter (The Hacker News); CocoLoop; Microsoft Agent 365 now generally available (Microsoft Security Blog)