Suno hat seine neue Modellfamilie v6 vorgestellt und gleichzeitig alle bisherigen Modelle abgeschaltet – die gesamte Plattform wechselt vollständig auf diese Generation. Das Unternehmen erklärt in der Ankündigung, v6 sei „gemeinsam mit Partnern aus der Branche entwickelt“ worden, namentlich genannt werden die Warner Music Group, BMG und Believe.
Die Modelle gliedern sich in drei Stufen. v6 richtet sich an Pro- und Premier-Abonnenten und soll laut Suno verlässlich, kontrollierbar und produktionsreif sein. v6-wild steht ebenfalls zahlenden Nutzern offen, ist aber als Experimentiermodell gedacht: Die Ausgaben sind unberechenbarer und eignen sich eher zum Ideensammeln. v6-mini ist für alle zugänglich und schneller – das ist das Modell, das Nutzer der kostenlosen Stufe bekommen.
Im Funktionskatalog ist das Editieren am konkretesten
Unter den neuen Fähigkeiten, die Suno auflistet, haben mehrere wenig mit „Erzeugen“ zu tun – sie wirken eher wie Werkzeuge für die Nachbearbeitung.
Erstens lokales Umschreiben: Per Sprachbefehl lässt sich ein einzelnes Wort oder eine einzelne Zeile im Songtext ändern, während der Rest des Stücks unverändert bleibt und keine komplette Neugenerierung nötig ist. Zweitens Sampling und Trennung: Ein einzelnes Instrument lässt sich aus einer Aufnahme isolieren und anschließend zu einem neuen Beat weiterverarbeiten. Drittens das Mischen aus mehreren Quellen, bei dem Elemente unterschiedlicher Tracks kombiniert werden.
Auf der Eingabeseite öffnet sich das Modell für vier Formate: Text, Audio, Bild und Video. Eine Sprachnotiz, ein Foto oder ein Videoausschnitt können jeweils als Ausgangspunkt für einen Song dienen. Offiziell heißt es, v6 verstehe besser die Sprache und die Bausteine, die Musikerinnen und Musiker tatsächlich verwenden – von Gesang über Instrumentierung und Struktur bis hin zur Stimmung.
Zu konkreten Trainingsdatensätzen, Modellparametern oder Längenobergrenzen macht die Ankündigung keine Angaben. Auch einen Zeitplan für die Abschaltung der alten Modelle nennt Suno nicht.
Lizenzierte Partner und offene Streitfälle
Vor dem Hintergrund der Urheberrechtsklagen liegt das Gewicht dieser Ankündigung auf dem Wort „lizenziert“.
Geklärt ist bereits einiges: Warner Music einigte sich im vergangenen Jahr, BMG im vergangenen Monat, und mit Believe besteht eine Lizenzvereinbarung. Offen bleibt anderes: Die Klagen von Sony Music und Universal Music sind nicht abgeschlossen, ebenso wenig die Einzelklage des Country-Sängers Jason Isbell. Hinzu kommt eine Sammelklage von Nutzern, die Suno vorwirft, bei einem Datenleck Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt zu haben.
Chief Product Officer Jack Brody begründet den Schritt vor allem geschäftlich: Das Musik-Ökosystem und seine Partner suchten seit Langem nach Wegen, Rechteinhabern und Künstlern mehr Einnahmen zu verschaffen. Das erklärt, warum sich die Labels an den Verhandlungstisch setzen – nicht erklärt werden die Aufteilung der Erlöse, die Laufzeit der Lizenzen und deren Umfang. Keine dieser Bedingungen ist öffentlich, weshalb sich von außen nicht überprüfen lässt, welcher Anteil der Trainingsdaten von v6 tatsächlich lizenziert ist.
Suno hat insgesamt mehr als 819 Millionen US-Dollar an Kapital eingesammelt. Ein Teil einer solchen Summe muss in Vereinbarungen dieser Art fließen.
Der Blick nach China zeigt einen anderen Weg
Die KI-Musikprodukte, die chinesische Nutzer in den vergangenen zwei Jahren zu sehen bekamen, sind auf einem ganz anderen Weg entstanden als Suno.
Alibaba brachte Kuaile Xiami an den Start, ByteDance integrierte seine Funktion Gege direkt in das eigene Vertriebssystem – solche Produkte wuchsen von Anfang an innerhalb der Plattformen heran: Katalog, Vertriebskanäle und Abrechnung lagen bereits in derselben Hand, ein Schritt wie „erst verklagt werden, dann nachträglich Lizenzen kaufen“ entfiel. Suno dagegen startete als unabhängiges Unternehmen von außen, brachte zuerst das Produkt heraus und holte die Lizenzen erst hinterher nach – der Preis dafür waren drei Jahre Rechtsstreit und Einigungen, die einzeln ausgehandelt werden mussten.
Auch die Ergebnisse beider Wege unterscheiden sich. Die chinesischen Angebote funktionieren eher wie Plattformfunktionen, das von Nutzern Erstellte bleibt größtenteils innerhalb der jeweiligen App. Suno dagegen verkauft Abonnements, die Ausgaben sollen anderswo verwendet werden, weshalb die Rechtekette selbst geklärt sein muss. Dass v6 die Namen der Lizenzpartner in der Ankündigung nennt, zielt genau auf diesen Punkt: Zahlende Nutzer wollen wissen, ob sie das Erstellte kommerziell nutzen dürfen – eine Frage, die bislang offen war.
Für Nutzer in China ist die kostenlose Verfügbarkeit von v6-mini eine unmittelbare Änderung, vorausgesetzt der Zugang funktioniert. Ob die Liste der lizenzierten Partner weiter wächst, dürfte sich zuerst am Ausgang der Verfahren gegen Sony und Universal zeigen.
Quellen: offizielle Ankündigung von Suno, CocoLoop, TechCrunch, Variety; die offizielle Ankündigung belegt den Zugang zu den drei Modellstufen und den Funktionskatalog, die Medienberichte belegen die Liste der geeinigten und der noch klagenden Parteien sowie die Gesamtsumme der Finanzierung.