Ant International, Visa und Mastercard wollen KI-Agenten verifizieren

Ant International, Mastercard und Visa haben eine interoperable Kooperation namens Know-Your-Agent (KYA) angekündigt. Ziel ist es, dass Kartennetzwerke, digitale Wallets, Agentenplattformen und Online-Marktplätze gegenseitig erkennen können, welche KI-Agenten von welchem Partner freigegeben wurden. Jedes der drei Unternehmen behält seine eigenen Zulassungs- und Risikoprozesse; geteilt werden lediglich Identität und Verhaltenshistorie der Agenten.

Der Name ist an das aus dem Bankwesen bekannte Know-Your-Customer-Prinzip angelehnt. Der Unterschied: Geprüft wird diesmal kein Mensch, sondern ein Programm. Wenn ein Agent stellvertretend für einen Nutzer eine Bestellung auslöst, muss die annehmende Seite wissen, wer ihn betreibt, ob er autorisiert ist und was er in der Vergangenheit bereits getan hat.

Drei Säulen

Laut Ankündigung stützt sich das Rahmenwerk auf drei Punkte.

Erstens netzwerkübergreifende Rückverfolgbarkeit der Betreiber: Jeder Agent muss einem verifizierten Betreiber zugeordnet sein, ein Agent existiert nicht als eigenständige Instanz. Zweitens gemeinsame Verifizierungsanforderungen: Ein Agent muss einen Satz an Sicherheits- und Verhaltensstandards erfüllen, um als vertrauenswürdig zu gelten. Drittens laufende Transaktionsüberwachung: Statt einer einmaligen Prüfung bei der Zulassung erfolgt eine fortlaufende Bewertung anhand mehrerer Signale.

Alle drei Punkte zielen auf dasselbe Problem: Agenten können Fehler machen und auch für andere Zwecke missbraucht werden. Unter den von den drei Unternehmen genannten Gründen wird die Neigung von Agenten zu Halluzinationen eigens hervorgehoben — bei einer von einem Programm ausgelösten Zahlung kann der Zahlungsempfänger derzeit nur schwer beurteilen, ob die dahinterliegende Autorisierungskette lückenlos ist.

Drei Unternehmen, drei bestehende Protokolle

Die Zusammenarbeit beginnt nicht bei null: Bereits vorhanden sind drei Protokolle — das Trusted Agent Protocol von Visa, Verifiable Intent von Mastercard und das Agentic Mobile Protocol von Ant International.

Die drei Ansätze setzen an unterschiedlichen Stellen an. Visas Protokoll fragt zuerst, ob es sich tatsächlich um den bekannten, vertrauenswürdigen Agenten handelt — der Schwerpunkt liegt auf der Identität. Mastercards Ansatz dreht sich darum, ob eine Aktion wirklich der tatsächlichen Absicht des Nutzers entspricht — der Schwerpunkt liegt auf dem Autorisierungsnachweis. Das Protokoll von Ant International ist auf der Seite der mobilen Wallets angesiedelt und regelt, wie ein Agent einen Vorgang innerhalb einer App-Umgebung ausführt. Bislang liefen die drei Ansätze getrennt: Ein Händler, der sich an ein Protokoll anband, erkannte auch nur dessen Nachweise an.

Die drei Protokolle technisch aufeinander abzustimmen, ist keine kleine Aufgabe, und die Ankündigung lässt offen, wie die Zusammenführung konkret aussehen soll — ob alle drei auf ein gemeinsames Zwischenformat abgebildet werden oder ob sich die Partner gegenseitig ihre ausgestellten Nachweise anerkennen, lässt sich aus den öffentlichen Angaben derzeit nicht ablesen.

Ant Internationals Rolle in dieser Allianz

Ant International bringt vor allem die Reichweite auf der Wallet-Seite ein. Laut den in der Ankündigung genannten Zahlen verbindet das Wallet-Gateway von Alipay+ rund 150 Millionen Händler, ist an 50 globale digitale Wallets und Banking-Apps angebunden und deckt 2 Milliarden Nutzerkonten ab.

Für die beiden Kartennetzwerke ist das Wallet-Netzwerk neben dem klassischen Kartennetzwerk ein zweiter wichtiger Kanal, besonders in Asien. Ant Internationals Chief Innovation Officer Yang Jiangming sagte dazu, ein zwischen Karten- und Wallet-Netzwerken interoperables KYA sei entscheidend, um das Vertrauen zwischen Zahlungspartnern zu bewahren. Rubail Birwadker, bei Visa weltweit zuständig für Wachstumsprodukte und strategische Partnerschaften, ordnete es so ein, dass Agenten bei der Produktsuche und beim Einkauf eine immer größere Rolle spielen und das Vertrauen entsprechend mitwachsen müsse. Mastercards Chief Digital Officer Pablo Fourez bezeichnete Interoperabilität direkt als Voraussetzung dafür, dass Agenten-Commerce überhaupt skalieren kann.

Alle drei Aussagen laufen auf dasselbe hinaus: Keiner kann den Standard allein setzen, und keiner will es dem anderen überlassen.

Die Zahl zwischen 3 und 5 Billionen

Gemeinsam berufen sich die drei Unternehmen auf eine Prognose von McKinsey: Bis 2030 könnten KI-Agenten weltweit Verbrauchertransaktionen im Wert von 3 bis 5 Billionen US-Dollar abwickeln. Es handelt sich um eine Schätzspanne eines Drittanbieters, nicht um die eigenen Geschäftserwartungen der drei Unternehmen — und die Differenz zwischen Unter- und Obergrenze liegt bei fast 70 Prozent, was zeigt, dass sich selbst die Prognostiker ihrer Sache nicht sicher sind.

Aussagekräftig ist vor allem der damit abgesteckte Zeitrahmen: Sollten Agentenzahlungen bis 2030 wirklich diese Größenordnung erreichen, müssen Fragen zu Identität und Autorisierung bis dahin geklärt sein. Bislang haben die drei Unternehmen lediglich den Start der Zusammenarbeit bekanntgegeben — ohne Pilotliste, ohne Etappenziele und ohne Angabe, wer als Erstes angebunden wird. Wann diese Lücken gefüllt werden, wird mehr über den tatsächlichen Fortschritt aussagen als die Ankündigung selbst.

Quellen: Gemeinsame Ankündigung von Ant International, Mastercard und Visa, CocoLoop, CNBC, Reuters; die gemeinsame Ankündigung wurde für die drei KYA-Mechanismen, die Namen der bestehenden Protokolle der drei Unternehmen, die Händler- und Kontenzahlen von Alipay+ sowie die McKinsey-Prognosespanne herangezogen.