Google führt Universal Cart ein – KI übernimmt den Checkout

Am zweiten Tag der Google I/O präsentierte CEO Sundar Pichai Universal Cart. Es ist kein gewöhnlicher Warenkorb. Google sagt damit: Ab jetzt musst du nicht mehr selbst einkaufen. Sag einfach, was du willst, setze ein Budget und Präferenzen – ein KI-Agent erledigt den gesamten Prozess von der Suche bis zur Bezahlung und meldet sich, wenn alles fertig ist.

Ein anderer Warenkorb

Universal Cart ist kein Warenkorb für den Google Store. Es ist ein einheitlicher Einstiegspunkt über Search, Gemini, YouTube und Gmail. Du kannst Artikel aus einer Suche hinzufügen, während eines Gesprächs mit Gemini, beim Ansehen eines YouTube-Reviews oder aus einer Werbe-E-Mail in Gmail – alles landet in einem einzigen Warenkorb.

Nach dem Hinzufügen bleibt der Warenkorb aktiv. Er überwacht Preise, meldet sich bei Preisrückgängen, zeigt Preishistorien an, informiert bei Wiederauffüllung und warnt sogar vor Inkompatibilitäten wie Mainboard und CPU beim PC-Bau. So wird der Warenkorb vom passiven Behälter zum ständig aktiven Einkaufsassistenten.

Der eigentliche Kern: AP2

Universal Cart ist die Demo; das Rückgrat ist AP2 (Agent Payments Protocol). AP2 ermöglicht es der KI, in deinem Namen zu bezahlen – aber nur innerhalb von Grenzen, die du setzt: erlaubte Marken, genehmigungspflichtige Kategorien, Einzeltransaktionslimits und Gesamtbudget. Innerhalb dieser Grenzen entscheidet der Agent autonom, bezahlt und holt die Bestellnummer. Außerhalb muss er dich fragen.

Das Protokoll umfasst Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, manipulationssichere digitale Belege und Prüfprotokolle für Streitfälle. Das ist keine Neuerfindung – die Finanzbranche nutzt solche Standards seit langem für die Zahlungsabwicklung. Google überträgt sie lediglich auf das Szenario, dass ein Agent für den Nutzer bezahlt.

UCP: Die darunterliegende Ebene

Darunter liegt das Universal Commerce Protocol (UCP), ein offener Standard, den Google Anfang des Jahres gemeinsam mit Shopify entwickelt hat. AP2 läuft auf UCP. Der offene Ansatz ist bewusst gewählt: Ein geschlossenes System würde Händler abschrecken. Offenheit bedeutet, dass Amazon, Stripe, PayPal und andere theoretisch später andocken könnten.

Erste Partner sind Nike, Sephora, Target, Ulta Beauty, Walmart und Wayfair für direkte Integration sowie Shopify-Marken wie Fenty und Steve Madden. Die Beteiligung von Walmart ist bemerkenswert – es ist der größte Konkurrent von Amazon im E-Commerce, und Googles Schritt, es ins Boot zu holen, ist eindeutig strategisch.

Einführungszeitplan

Im Sommer startet Universal Cart in den USA auf Search und Gemini, gefolgt von YouTube und Gmail. International beginnt es mit Kanada und Australien, dann Großbritannien. Neue Kategorien starten mit Hotelbuchungen und lokaler Essenslieferung – Artikel mit niedrigem Preis und kurzer Entscheidungsdauer, bei denen Nutzer eher bereit sind, dem Agenten die Bestellung zu überlassen.

Wer betroffen ist

Gutschein-, Rabatt- und Preisvergleichsseiten stehen vor einer existenziellen Bedrohung. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, dass Nutzer aktiv auf mehreren Seiten nach dem besten Angebot suchen – eine Ebene, die Universal Cart effektiv eliminiert. Wie PPC Land analysiert: „könnte Gutschein- und Deal-Seiten leise töten.“

Auch Werbetreibende müssen umdenken. Wenn Agenten für Nutzer suchen, vergleichen und kaufen, funktioniert der traditionelle CPC-Trichter nicht mehr. Google hat sicherlich schon einen Plan, wie es auf der Agentenebene Geld verdienen will – sonst würde es AP2 nicht vorantreiben.

Googles größeres Spiel

Anfang dieses Jahres begann ChatGPT, Werbung mit einem CPC-Gebotsmodell zu verkaufen – eine Kopie von Google Ads. Googles Antwort ist, den gesamten Transaktionskreislauf im Agentenzeitalter selbst zu kontrollieren: Universal Cart als Einstieg, AP2 als Abwicklungsebene und UCP als Protokollebene. Durch die Kontrolle aller drei will Google die Regeln für den agentengestützten Handel festlegen.

Ob es gelingt, hängt davon ab, ob Händler ihre Zahlungspipelines an Google anbinden. Walmart und Shopify haben bereits zugesagt. Bleibt die Frage, ob Amazon eine eigene Version bauen wird.

Quellen: Google's new Universal Cart wants to follow you across the entire internet (TechCrunch); Google launches Universal Cart and updates AP2 at I/O 2026 (The Next Web); CocoLoop; Google's Universal Cart Pushes AI Deeper Into Checkout (TechTimes); Google's Universal Cart may quietly kill coupon and deal sites (PPC Land)