USCC benennt nationale Datenstrategie als Top-Empfehlung

Die dem US-Kongress unterstellte US-China Economic and Security Review Commission (USCC) hat ihren jährlichen Bewertungsbericht veröffentlicht und listet Chinas Vorgehen, Daten als strategisches nationales Gut zu kommerzialisieren und zu monetarisieren, als Faktor auf, der den Verlauf des KI-Wettrennens beeinflussen könnte. Der stellvertretende Vorsitzende der Kommission, Mike Kuiken, sagte bei der Vorstellung, die Entwicklung einer nationalen Datenstrategie sei die wichtigste Empfehlung der Kommission.

Sein Wortlaut: Die Kommission empfehle dem US-Kongress, über eine nationale Datenstrategie nachzudenken sowie darüber, wie die US-Regierung Daten als wirtschaftliches Gut behandeln sollte. Der Bericht selbst formuliert es deutlicher und schreibt, Peking sei dabei, Daten zu "marshalling data to drive productivity", während sie zugleich zur Verbesserung von Aufklärung und militärischen Fähigkeiten genutzt würden.

Was sich crawlen lässt – und was nicht

Die konkreteste Aussage des Berichts betrifft die Trennlinie zwischen Datentypen.

Das öffentliche Internet-Korpus, mit dem führende US-KI-Unternehmen ihre Sprachmodelle trainieren, ist nahezu erschöpft. China dagegen sammelt systematisch eine andere Art von Daten: Unternehmens-, Betriebs- und physische Welt-Daten – der Bericht nennt sie "cannot be scraped". Sie dienen unternehmensorientierten KI-Tools, autonomen Fahrzeugen und humanoiden Robotern.

Diese Trennlinie bestimmt, wie sich der Wettbewerb verändert. Der Zugang zu Textkorpora ist ein Netzproblem: Wer schneller crawlt, sauberer aufbereitet und sich mehr Lizenzen leisten kann, liegt vorn. Der Zugang zu Daten aus der physischen Welt ist ein Industrieproblem: Es braucht laufende Fertigungsstraßen, fahrende Flotten, arbeitende Krankenhäuser, damit die Daten Stück für Stück anfallen. Daraus leitet der Bericht ab, dass Chinas fortschrittliches Fertigungs- und Industrierobotik-Ökosystem eine große Menge hochwertiger Szenariodaten liefert – und das Land bei der Entwicklung von Robotersoftware möglicherweise an den USA vorbeiziehen könnte.

Eine seit sechs Jahren verfolgte Politik

Die vom Bericht nachgezeichnete Zeitlinie auf chinesischer Seite ist nicht neu. 2020 wurden Daten neben Land, Arbeit, Kapital und Technologie als Produktionsfaktor eingestuft; 2023 wurde die Nationale Datenverwaltung gegründet; danach folgten die Bilanzierung von Datenvermögen, die Branchenstandardisierung und der Ausbau von Datenhandelsplätzen. Als Schwerpunktbranchen nennt der Bericht Fertigung, Verkehr, Finanzen und Gesundheitswesen und erwähnt, dass chinesische Unternehmen bereits eigene Datensätze an Handelsplätzen in Shanghai, Shenzhen und Peking listen – landesweit gibt es Tausende solcher Datenhandelsinstitutionen.

Der Unterschied liegt in der Betrachtungsweise. Die inländische Diskussion um den Produktionsfaktor Daten dreht sich seit langem um institutionelle Fragen wie Eigentumsklärung, Preisbildung und Bilanzierung, wobei die Meinungen zum Tempo auseinandergehen. Der Bericht bewertet diese institutionellen Details nicht, sondern behandelt sie als bereits laufenden Versorgungsmechanismus, um die Konsequenzen abzuschätzen. Derselbe Sachverhalt ist von innen betrachtet ein Fortschrittsbalken einer Politikumsetzung, von außen betrachtet die Kapazität eines Wettbewerbers.

Der Standardisierungs-Faktor

Neben der Datenstrategie gibt der Bericht auch einen Hinweis zu internationalen Standards: Ist ein Standard erst einmal übernommen, lässt er sich kaum noch ändern – jetzt mitzugestalten sei wirksamer, als später zu versuchen, einen etablierten Standard zu kippen.

Gemeint sind infrastrukturelle Regeln wie Datenformate, Interoperabilitätsschnittstellen und branchenspezifische Datenwörterbücher. Sie schaffen es nicht in die Schlagzeilen, entscheiden aber künftig, wessen System sich anschließen lässt und wer eine zusätzliche Konvertierungsebene braucht. Die Standardkämpfe in Bereichen wie Industrial Internet, vernetztem Fahren und medizinischer Bildgebung laufen bereits seit Jahren; der Bericht deutet an, dass die USA an diesen Tischen zu wenig präsent sind.

Für Akteure in China liegt der Nutzen dieses Berichts nicht in seinen Schlussfolgerungen, sondern in der Liste, die er umgekehrt liefert: welche Karten externe Beobachter bei China sehen. Datendichte aus Fertigungsszenarien, Versorgung mit Robotertrainingsdaten und Vorrang bei der Standardsetzung werden gesondert herausgestellt. Ob diese Karten gut ausgespielt werden können, hängt von der tatsächlichen Reibung ab, mit der Daten zwischen Unternehmen fließen – und das steht in keiner externen Bewertung.

Quellen: Bericht der US-China Economic and Security Review Commission, Reuters, CocoLoop, South China Morning Post; Zitate und die Reihenfolge der Empfehlungen stammen aus öffentlichen Aussagen des stellvertretenden Vorsitzenden und dem Berichtstext, die politischen Meilensteine zum Produktionsfaktor Daten und zur Nationalen Datenverwaltung wurden anhand öffentlich zugänglicher Quellen abgeglichen.