EY führt Copilot für 400.000 Mitarbeiter ein und investiert 1 Milliarde US-Dollar zusätzlich

EY meldete eine Effizienzsteigerung von 15% nach einem Test von Microsoft Copilot mit 150.000 Mitarbeitern. Am Freitag gaben die beiden Unternehmen eine milliardenschwere, fünfjährige Erweiterung bekannt, um Copilot auf die restlichen 250.000 Mitarbeiter auszurollen.

Wofür das Geld verwendet wird

EY beschäftigt weltweit rund 400.000 Mitarbeiter. Bereits 150.000 nutzen Copilot, und interne Messungen ergaben eine Effizienzsteigerung von 15% – Details zu den spezifischen Arbeitsabläufen wurden nicht veröffentlicht. Für einen globalen Beratungs- und Prüfungsriesen ist die Einsparung von 15% der Arbeitszeit enorm.

Die neue Vereinbarung verteilt die Mittel auf drei Bereiche:

  • Ausweitung der Copilot-Bereitstellung von 150.000 auf 400.000 Mitarbeiter weltweit
  • Entsendung von Microsofts 'Forward Deployed Engineers' in EY, um mit den Branchenteams zusammenzuarbeiten
  • Verkauf der intern erprobten Beratungsmethodik von EY an Kunden – EY fungiert als 'Customer Zero' von Microsoft

Judson Althoff, CEO des kommerziellen Geschäfts von Microsoft, sagte:

'Die Kombination der vertrauenswürdigen KI-Plattform von Microsoft mit den Branchenfähigkeiten von EY hilft Kunden, über Pilotphasen hinaus zu unternehmensweiter Ausführung zu gelangen.'
Die Formulierung 'über Pilotphasen hinaus' deutet an, dass viele Unternehmens-KI-Projekte der letzten zwei Jahre in der Demo-Phase stecken geblieben sind.

Das alte Geschäftsmodell der Beratung

Das Kerngeschäft der Beratungsbranche war 30 Jahre lang, kluge Leute zu Kunden zu schicken, um Arbeiten zu erledigen, die die Kunden selbst nicht bewältigen konnten. Diese Arbeiten sind meist Wissensarbeit: Finanzcompliance, Steuerplanung, Risikobewertung, Prozessoptimierung, M&A-Due-Diligence – alles Schritte des 'Lesens von Unterlagen, Treffens von Entscheidungen, Schreibens von Berichten'. Genau diese Aufgaben sind es, die LLMs heute am besten können.

EY hat intern ein Multi-Agenten-Framework namens EY Canvas aufgebaut, das 130.000 Prüfungsfachleute und 160.000 Prüfungsprojekte abdeckt. Es zerlegt die jährlich wiederkehrenden, routinemäßigen Prüfungsaufgaben für die Ausführung durch Agenten.

Janet Truncale, globale Vorsitzende und CEO von EY, erklärte:

'Die Kombination von Menschen und Innovation ermöglicht es Kunden, die transformative Kraft von agentischer KI in ihren Unternehmen zu realisieren.'
In Geschäftssprache: Früher verkaufte EY Arbeitsstunden, jetzt verkauft es KI-Agenten plus wenige Arbeitsstunden. Jeder durch einen Agenten ersetzte Personenmonat steigert die Gewinnmarge von EY.

Microsofts Ambitionen gehen über EY hinaus

Microsofts Strategie ist klar: EY – die erste der Big Four, die einen Vertrag unterzeichnet hat – als Referenzmodell für die unternehmensweite KI-Transformation zu nutzen. Anfang Mai kündigte KPMG eine strategische Allianz mit Anthropic an, bei der 276.000 Mitarbeiter Claude nutzen. Im selben Monat stellten sich zwei der Big Four auf die Seiten von Microsoft bzw. Anthropic – zwei US-KI-Giganten wetteifern um den 'Einstieg in die Beratungsbranche'.

Warum Beratung? Weil Berater Hebel für die Einführung von KI in Unternehmen sind. Ein Berater, der ein Projekt bei einem Kunden durchführt, kann das bei EY erprobte Copilot-Einführungspaket an Banken, Pharma- und Energieunternehmen verkaufen. Microsoft muss nicht jede Tür einzeln öffnen; die 170.000 Berater von EY tun das für sie.

Die ersten von EY abgedeckten Branchen sind Finanzdienstleistungen, Industrie, Energie, Einzelhandel, Regierung und Gesundheitswesen – im Wesentlichen die bestehenden Kernkundenbranchen von EY.

Ist die 15% real?

Zurück zur entscheidenden Zahl – der 15%igen Effizienzsteigerung. EY gab keine Details preis: Handelt es sich um einen Durchschnitt über alle Positionen? Nur für bestimmte Arbeitsabläufe? Gemessen an eingesparter Zeit oder erledigten Aufgaben? Solche Daten durchlaufen vor der Veröffentlichung in der Regel mehrere PR-Runden. Aber selbst wenn man sie auf 8-10% herunterrechnet, ist sie auf der Skala von 400.000 Mitarbeitern immer noch beeindruckend.

Spannender wird die Entwicklung in den nächsten 12-18 Monaten: Wenn die Produktivitätskennzahlen nach dem Rollout von Copilot für die restlichen 250.000 Mitarbeiter stabil bleiben, hat sich Microsofts Ansatz bewährt – EY wird zum Referenzfall für andere Beratungsunternehmen. Sollten die Zahlen sinken, müsste die Geschichte der 'KI-Effizienzsteigerung' möglicherweise neu erzählt werden.

Quellen: CocoLoop; EY and Microsoft to invest over $1bn in enterprise AI transformation (International Accounting Bulletin)