Strompreise für europäische KI-Rechenzentren steigen 2026 um 12%

Der KI-Kampf dreht sich nicht mehr nur um Modell-Benchmarks. CNBC berichtet, dass Europa im Wettbewerb um KI-Rechenzentren zurückfällt, weil Strom zu teuer ist.

Die Zahlen sind ernüchternd

Laut Internationaler Energieagentur waren die europäischen Industriestrompreise im vergangenen Jahr doppelt so hoch wie in den USA und 50% höher als in China und Indien.

Das Immobilienforschungsinstitut CBRE prognostiziert für Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin – die fünf größten Rechenzentrumsmärkte Europas – einen weiteren Anstieg der Kapazitätspreise um 12% im Jahr 2026.

Dies ist kein zyklischer Anstieg. CNBC zitiert einen Bericht der International Data Center Authority (IDCA), wonach der Stromverbrauch globaler Rechenzentren 2% des Gesamtverbrauchs erreicht hat, gegenüber 1,7% im Jahr 2024. In Rechenzentrums-Hotspots wie Texas, Virginia, Slough (Großbritannien) und Paris wurden die regionalen Strompreise durch KI um 20% bis 40% nach oben getrieben.

Europa hinkt bei Benchmarks hinterher und wird bei den Stromkosten doppelt erdrückt – US-Strom ist billiger, chinesischer Strom ist billiger, selbst indischer Strom ist billiger.

Paulson spricht Klartext

Gestern veröffentlichte Bloomberg ein Video, in dem der ehemalige US-Finanzminister Hank Paulson sagte: Die USA führen noch bei der KI-Technologie, aber Stromknappheit wird die nächste echte Grenze sein – und China halte diese Karte.

Er erwähnte keine Geopolitik, sondern betonte, dass Rechenzentren nicht nur 'verfügbaren Strom' brauchen, sondern 'bezahlbaren, jederzeit verfügbaren und für das nächste Jahrzehnt skalierbaren Strom'.

Paulson ist nicht der Erste. Goldman Sachs, Bloomberg und Stanford haben ähnliche Analysen veröffentlicht – China baut seine Stromerzeugungs- und Netzinfrastruktur entlang der Nachfragekurve von KI-Rechenzentren aus. Aber Paulsons Äußerung signalisiert, dass diese Einschätzung von Analystenkreisen in die Entscheidungsebene Washingtons vorgedrungen ist.

Europas Dilemma: von innen und außen unter Druck

Erschwerend kommt hinzu, dass CNBC den Anstieg der europäischen Strompreise auf den US-Iran-Krieg zurückführt. Die Energieimportkosten sind explodiert, die gesamte europäische Industrie leidet, und Rechenzentren sind das sensibelste Segment.

Die Folge: KI-Investitionen, die bereits in Europa getätigt oder geplant sind, werden neu bewertet. CNBC schreibt: 'Große Rechenzentrumsprojekte werden von Europa weg umgeleitet.'

Wohin? Ein Teil nach Nordamerika – Texas und Virginia sind trotz steigender Preise immer noch günstiger als Europa. Ein anderer Teil in den Nahen Osten und nach Südostasien, wo Saudi-Arabien und die VAE Gigawatt-Parks bauen, um die aus Europa abgedrängten Kunden abzufangen.

Das eigentliche Problem

Wider Erwarten richtet sich die Standortwahl für KI-Rechenzentren nicht mehr wie vor fünf Jahren nach 'Nähe zum Nutzer, niedriger Latenz', sondern nach 'wo der Strom am günstigsten, stabilsten und für das nächste Jahrzehnt skalierbar ist'.

In den letzten zwei Jahren haben sich die EU-Regulierungsbehörden auf das KI-Gesetz, Risikoklassifizierungen und Urheberrechtsklagen konzentriert. Aber was wirklich darüber entscheidet, ob Europa die KI-Industrie halten kann, ist das Stromnetz – eine langsamere, schwierigere regulatorische Herausforderung, die ein Jahrzehnt dauern wird.

Die nächste Frage ist nicht 'wann bringt Europa ein OpenAI hervor', sondern 'werden in Europa noch neue Rechenzentrumsparks gebaut?' Der Maßstab hat sich von der GPU-Anzahl zur Megawatt-Kapazität verschoben. Paulson hat diese Argumentation bereits ins Fernsehen gebracht.

Quellen: High energy prices could derail Europe's AI race with U.S. and China (CNBC); CocoLoop; China's Energy Boom Could Give It the AI Edge (Bloomberg)