PwC hat 1.217 Führungskräfte aus 25 Branchen befragt und kommt zu dem Schluss: 74 % des wirtschaftlichen Werts von KI entfallen auf die oberen 20 % der Unternehmen.
Diese Zahl klingt hart, doch die Ursachen sind subtiler, als man denkt – nicht etwa, weil die 20 % teurere Modelle oder mehr Datenwissenschaftler hätten.
Der entscheidende Unterschied zwischen Vorreitern und Nachzüglern
PwC hat einen „KI-Fitness-Index" mit 60 Praktiken entwickelt, unterteilt in zwei Kategorien:
- KI-Nutzung: Produktintegration, personalisierte Erlebnisse, strategische Entscheidungen
- KI-Grundlagen: Governance, Datenqualität, Talente, Infrastruktur, ROI-Messung
Die führenden Unternehmen (obere 20 %) erzielen folgende Werte:
| Kennzahl | Wert |
| Wertschöpfung im Vergleich zu Wettbewerbern | 7,2-fach |
| Gewinnmarge höher als bei Wettbewerbern | 4 Prozentpunkte |
| Wahrscheinlichkeit, Geschäftsmodelle mit KI neu zu erfinden | 2,6-fach |
| Wahrscheinlichkeit, neue Wachstumschancen mit KI zu identifizieren | 2- bis 3-fach |
| Wahrscheinlichkeit, Arbeitsabläufe neu zu gestalten (statt Tools zu überlagern) | 2-fach |
Der Kernunterschied ist nur einer: Vorreiter nutzen KI für Wachstum, nicht nur zur Kostensenkung.
Warum die meisten Unternehmen feststecken
Viele Unternehmen setzen KI derzeit so ein: Sie suchen repetitive Prozesse, die durch KI ersetzt werden können, installieren Tools, sparen Personalkosten und berichten dann von „KI-Ermächtigung".
Dieser Ansatz wirkt kurzfristig, hat aber eine niedrige Decke.
PwCs Daten zeigen, dass Vorreiter Arbeitsabläufe neu gestalten, um sie an die KI-Fähigkeiten anzupassen, statt KI-Tools auf bestehende Prozesse aufzusetzen. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, bedeutet aber eine völlig andere Transformationstiefe.
Ein weiteres Problem: 42 % der Unternehmen wissen nicht, ob sich ihre KI-Investitionen auszahlen. Ohne einen klaren Wertmessrahmen wissen sie nicht, wo sie nachlegen oder stoppen sollen. PwC hat dazu das „Agentic Business Value Maximization Framework" veröffentlicht, das sich auf Strategie, Use-Case-Priorisierung, Wertzuordnung und kontinuierliche Optimierung konzentriert.
Die Kluft wird größer
Der Bericht enthält einen sehr direkten Satz:
Wenn sich die Vorgehensweise nicht ändert, könnte sich die Leistungslücke zwischen KI-Vorreitern und Nachzüglern weiter vergrößern, da die führenden Unternehmen kontinuierlich schneller lernen, validierte Anwendungen skalieren und Entscheidungen sicher automatisieren.
Das ist eine positive Rückkopplungsschleife: Vorreiter haben immer bessere Daten, präzisere Modelle und eine wachsende Zahl automatisierter Szenarien. Nachzügler hingegen machen noch POCs, erstellen PPTs und suchen nach ROI.
Die Kluft wächst nicht linear, sondern exponentiell.
Haben Nachzügler noch eine Chance?
Der Bericht nennt drei gangbare Wege, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen:
- Beitritt zu Konsortien, um KI-Infrastruktur zu teilen und Kosten zu verteilen
- Nutzung von Open-Source-Modellen (wie Gemma 4, Llama 4), ohne zwingend auf Flaggschiff-Closed-Source-Modelle setzen zu müssen
- Beauftragung spezialisierter Dienstleister für den Produktionseinsatz, statt alles selbst aufzubauen
Ehrlich gesagt ist das Zeitfenster zum Aufholen nicht so groß, wie viele glauben. Die 20 % beschleunigen weiter und warten nicht darauf, eingeholt zu werden.
Eine Frage, die man sich stellen sollte
Fragt man heutige Führungskräfte „Was ist Ihre KI-Strategie?", lautet die häufigste Antwort: Effizienz, Kostensenkung, Automatisierung.
Das ist nicht falsch, aber laut PwC-Daten führt dieser Weg nur ins Mittelfeld.
Mit KI neue Produkte entwickeln, neue Märkte erschließen, Geschäftsmodelle neu aufbauen – das ist der Kern, der die 20 % abheben lässt. Das Problem: Eine solche wachstumsorientierte KI-Strategie erfordert größere Wetten auf Organisationsebene, und die Risikobereitschaft der meisten Unternehmen reicht dafür nicht aus.
Die Kluft zwischen 74 % und 20 % ist also nicht nur ein KI-Problem.
Quellenangabe: Three-quarters of AI's economic gains are being captured by just 20% of companies (PwC Press Release); CocoLoop, PwC: 74% of AI Gains Go to 20% of Companies. The Rest Are Stuck (pasqualepillitteri.it)