OpenAI übernimmt den Silicon-Valley-Tech-Talk TBPN

Anfang April gab OpenAI die Übernahme von TBPN bekannt – der erste Kauf eines Medienunternehmens durch OpenAI.

TBPN ist ein in der Silicon-Valley-Szene hoch angesehener Tech-Talk. Die Moderatoren sind die beiden Gründer Jordi Hays und John Coogan. Die Show wird von Montag bis Freitagnachmittag live ausgestrahlt und behandelt Themen wie Technologie, Start-ups und Venture Capital. Das Publikum besteht hauptsächlich aus Ingenieuren, Gründern und Risikokapitalgebern – ein typisches Insider-Format.

Sam Altman erklärte in den sozialen Medien, es sei seine Lieblings-Tech-Show. Er erwarte nicht, dass die Sendung OpenAI gegenüber freundlicher werde, und er werde sicherlich gelegentlich dumme Dinge tun, die ihnen Stoff für Kritik liefern.

Warum TBPN?

TBPN hat im Silicon Valley einen besonderen Status: Es ist kein Mainstream-Tech-Medium, das CEOs interviewt und Produktberichte schreibt, sondern ein Ort, an dem Gründer und Unternehmer miteinander reden. Der Stil ist umgangssprachlich, manchmal mit hoher Informationsdichte, und die diskutierten Themen sind oft solche, die der Mainstream noch nicht aufgegriffen hat.

Solche Formate haben in der Tech-Szene eine Funktion: Sie setzen Themen. Wer in dieser Sendung auftritt und zu welchem Thema er sich äußert, beeinflusst oft die interne Diskussion in der Szene.

Eine direkte Interpretation: Altman mag TBPN wirklich und hat es mit dem Geld des Unternehmens gekauft.

Strategisch gesehen gibt es jedoch eine weitere Logik: Die Zielgruppe, die OpenAI am meisten beeinflussen muss, ist genau die Zielgruppe von TBPN – die Gründer und Entwickler im Silicon Valley. Dies ist kein Massenmedium, sondern ein Medium, das sich an Meinungsmacher richtet.

Redaktionelle Unabhängigkeit: Zugesagt, aber glaubwürdig?

Laut Ankündigung wird TBPN weiterhin unabhängig operieren. Die Moderatoren wählen weiterhin selbst ihre Themen aus und entscheiden selbst, wen sie einladen und worüber sie sprechen.

Es gibt jedoch ein strukturelles Problem, das nicht zu umgehen ist: Für die Aufsicht über TBPN ist Chris Lehane zuständig, der Chief Political Officer von OpenAI. Lehane gilt in der Branche als versierter politischer PR-Experte, nicht als jemand mit Produkt- oder Inhaltshintergrund.

Dass ein politischer PR-Verantwortlicher ein Medienprogramm beaufsichtigt, das angeblich redaktionell unabhängig ist – das allein birgt schon eine gewisse Spannung.

Es braucht keine offensichtliche inhaltliche Einmischung. Allein die Tatsache, dass das Gehalt von OpenAI kommt, kann dazu führen, dass die Sendung bei bestimmten Themen unbewusst ihre Fragestellung ändert, noch bevor man es merkt. Das ist kein Vorwurf an Jordi und John, sondern die strukturelle Realität einer Medienübernahme.

In der Tech-Medienbranche gibt es durchaus kritische Stimmen zu diesem Schritt. Auch die Hörer von TBPN sind nicht naiv – wenn sich der Stil der Sendung ändert, werden die Hörzahlen schnell sprechen.

Warum macht OpenAI Medien?

Diese Frage ist interessanter als die Übernahme selbst.

Jede OpenAI-Veröffentlichung schafft es auf die Titelseiten aller Medien – an Aufmerksamkeit mangelt es nicht. Warum also ein Medienprogramm besitzen?

Tiefe Reichweite: Die Berichterstattung der Mainstream-Medien ist oberflächlich. Formate wie TBPN ermöglichen längere, tiefere und technischere Gespräche. Die Position von OpenAI kann in der Szene vollständiger dargestellt werden, anstatt auf ein paar Zitate komprimiert zu werden.

Agenda-Steuerung: Viele Kritik an OpenAI in der Szene kommt ebenfalls aus ähnlich gestalteten Podcasts. Eine einflussreiche Plattform zu besitzen, dient nicht dazu, Kritik zu unterdrücken, sondern sicherzustellen, dass die eigene Stimme von OpenAI im Dialog präsent ist.

Content-Assets: Die von TBPN gesammelten Interviewinhalte und Gespräche könnten für OpenAIs Produkte oder Forschung inhaltlichen Wert haben. Diese Logik ist derzeit nicht bestätigt, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Im größeren Kontext betrachtet

OpenAIs Aktivitäten in diesem Jahr deuten zunehmend darauf hin, dass das Unternehmen eine Medien- und Kulturplattform aufbaut, nicht nur ein KI-Produktunternehmen:

  • Sora für Videogenerierung
  • Investitionen in mehrere Creator-orientierte Projekte
  • Nun die Übernahme eines Tech-Podcasts

Diese Strategie erinnert ein wenig an Apples Kauf von Beats: Beats verkaufte nicht nur Kopfhörer, sondern brachte den Zugang zur Musikkultur mit. TBPN ist nicht nur eine Sendung, sondern bringt den Zugang zum Diskurs des Silicon Valley mit.

Natürlich, der Beats-Deal ist am Ende gut ausgegangen.

Ob TBPN zu einem strategischen Asset für OpenAI wird oder nur eine von der persönlichen Vorliebe des CEOs getriebene Übernahme ist – die Antwort wird sich bald zeigen: einfach daran, ob der Stil der Sendung erhalten bleibt.

Quellen: OpenAI acquires TBPN, the buzzy founder-led business talk show (TechCrunch), OpenAI acquires TBPN (offizielle Ankündigung von OpenAI), CocoLoop, OpenAI Buys TBPN to Expand AI Conversation With Media Acquisition (Bloomberg)