Als Anthropic im November 2024 das MCP-Protokoll vorstellte, war die häufigste Reaktion: "Schon wieder ein Unternehmen, das seinen eigenen Standard durchdrücken will." Doch weniger als ein Jahr später haben OpenAI, Google und Microsoft alle nachgezogen – MCP wurde zum De-facto-Standard im KI-Bereich.
Welches Problem löst MCP?
Bisher musste für jedes KI-Modell, das an ein externes Tool angebunden werden sollte, ein separater Adapter geschrieben werden. M Modelle × N Tools = M×N Konnektoren. MCP wirkt wie USB-C – eine einheitliche Schnittstelle für alle Verbindungen.
Technisch nutzt es das Nachrichtenfluss-Design des Language Server Protocol (LSP) und setzt auf JSON-RPC 2.0 als Transportschicht. Drei Kern-Primitive:
- Tools: Code ausführen
- Resources: Datenzugriff
- Prompts: Vorlagenbasierte Interaktion
Warum hat es sich durchgesetzt?
Der entscheidende Wendepunkt war der kollektive Beitritt der Branchenriesen:
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| März 2025 | OpenAI übernimmt MCP vollständig |
| Mai 2025 | Microsoft und GitHub treten dem Lenkungsausschuss bei |
| 2025 | Google DeepMind zieht nach |
| November 2025 | Protokoll-Update: asynchrone Operationen, Zustandslosigkeit, Server-Identität |
| Dezember 2025 | Spende an die AAIF unter der Linux Foundation |
Sobald die drei Giganten an Bord waren, war der Rest eine natürliche Verbreitung. Die Community hat Tausende von MCP-Servern erstellt, und alle wichtigen Programmiersprachen haben SDKs.
Endgültige Heimat
Im Dezember 2025 spendete Anthropic MCP an die Agentic AI Foundation (AAIF) – einen zweckgebundenen Fonds unter der Linux Foundation, der gemeinsam von Anthropic, Block und OpenAI gegründet wurde. Damit ist MCP kein unternehmenseigener Standard mehr, sondern eine neutrale Infrastruktur.
Dieser Weg erinnert stark an die Entwicklung von Kubernetes – von Google entwickelt, an die CNCF gespendet und zum Industriestandard geworden. Auch die KI-Branche hat nun ihren eigenen "K8s-Moment".
Quellenangabe: CocoLoop, Berichterstattung von The New Stack