Big Tech legt geschlossen Bilanz vor: 645 Milliarden Dollar KI-Ausgaben müssen sich auszahlen

Ab morgen legen fünf der sieben Mag-7-Unternehmen – Microsoft, Alphabet, Meta, Amazon und Apple – innerhalb von drei Tagen geschlossen ihre Q1-Zahlen vor.

Dies ist die mit Abstand wichtigste Berichtswoche des Jahres 2026.

Zunächst die Zahlen

Wie viel die vier großen Hyperscaler in diesem Jahr in KI-Infrastruktur investieren wollen:

UnternehmenCapex 2026Prognose 2027
Microsoft~146 Mrd. $170 Mrd. $
Alphabet175–185 Mrd. $~200 Mrd. $
Meta115–135 Mrd. $~142 Mrd. $
Amazon200 Mrd. $~209 Mrd. $
Apple13,5 Mrd. $15,4 Mrd. $

Zusammen geben die vier Unternehmen im Jahr 2026 645 Milliarden Dollar aus – ein Anstieg von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Apple ist eine Nummer kleiner und zählt nicht zu den Hyperscalern. Doch allein die jährlichen Investitionsausgaben der vier anderen übertreffen das gesamte britische Verteidigungs- und Bildungsbudget des Jahres 2024.

Was diesmal anders ist

In den beiden vorangegangenen Berichtssaisons fragten Analysten stets: „Wie viel wird KI eigentlich kosten?" – alle sorgten sich, dass das Geld nicht reicht, NVIDIA nicht genug liefern kann und Rechenzentren nicht schnell genug gebaut werden. Das war Phase eins.

Danach ging es um die Frage: „Kann man sich KI überhaupt leisten?" – die Sorge galt überhöhten Investitionen und zu langen Amortisationszyklen. Das war Phase zwei.

Ein Analyst von Saxo bringt es auf den Punkt:

Der Markt mag hohe Ausgaben noch verzeihen. Aber der Markt wird kaum vage Ausgaben verzeihen.

Das ist Phase drei. Investoren wollen sehen, wie Capex in Umsatz, Marge und Monetarisierung umgewandelt wird. Geschichten erzählen reicht nicht mehr – Daten sind gefragt.

Worauf die Investoren bei jedem Unternehmen achten

Microsoft ist das wichtigste Unternehmen. Der annualisierte KI-Umsatz soll 25 Milliarden Dollar erreichen. Umgerechnet bedeutet das: Jeder ausgegebene Dollar KI-Capex muss 0,17 Dollar KI-Umsatz generieren. Azure wird ein Wachstum von 38 Prozent prognostiziert, die Copilot-Durchdringung bei Unternehmen ist der Kernindikator.

Sollten die Copilot-Adoptionszahlen erneut vage bleiben, wird die Microsoft-Aktie am Abend der Veröffentlichung mit hoher Wahrscheinlichkeit Probleme bekommen.

Alphabet hat eine komplexere Geschichte. Das Suchgeschäft wird von den eigenen AI Overviews kannibalisiert, die KI-gestützte Monetarisierung von YouTube muss die Lücke füllen, und die Cloud-Sparte soll im ersten Quartal um 50 Prozent wachsen. Doch der Capex-Druck von 185 Milliarden Dollar bedeutet, dass der freie Cashflow weiter aufgezehrt wird – die Kapitalrendite sieht in jeder Berechnung schlecht aus.

Meta muss mit seinen 115 Milliarden Dollar Investitionen die Konversionsrate des Werbesystems deutlich steigern. Der Markt erwartet einen Anstieg der Werbepreise um 12 Prozent und der Werbeauslieferungen um 16 Prozent. Werden beide Werte verfehlt, werden Analysten eine direkte Frage stellen: Wo liegt eigentlich der Grenzertrag dieses Capex?

Amazon setzt auf AWS. Der Markt erwartet, dass KI-Workloads auf AWS einen wachsenden Beitrag leisten, während die AWS-Marge nicht einbrechen darf. Die operative Marge von AWS im ersten Quartal ist zum Proxy für die Capex-Effizienz im KI-Bereich geworden.

Apple steht in einer eigenen Kategorie. Das KI-Investitionsvolumen ist eine Größenordnung kleiner; den Markt interessiert, ob Apple Intelligence tatsächlich einen Impuls für den iPhone-Absatz liefert. Die iPhone-Verkaufszahlen in China werden unter dem Mikroskop betrachtet.

Der eigentliche Wendepunkt

Die Zahlen dieser Woche werden die Richtung nicht ändern, aber das Tempo justieren.

Wenn alle vier Hyperscaler gemeinsam das Bild „Capex steigt, KI-Umsatz steigt ebenfalls stark" abliefern, kann die KI-Infrastruktur-Linie im nächsten Jahr weiterlaufen.

Sollte auch nur ein Unternehmen Anzeichen zeigen, dass „der Capex steigt, der Umsatz aber nicht mithält", gerät der gesamte Bewertungsanker für KI-Aktien ins Wanken. Die Mag-7 machen inzwischen fast 35 Prozent der Gewichtung des S&P 500 aus – selbst ein kleines Wackeln bedeutet mehrere Billionen Dollar.

NVIDIAs Zahlen kommen erst Ende Mai, aber ihr Schicksal wird in dieser Woche besiegelt: Wenn die fünf Unternehmen nicht mehr bereit sind, Geld auszugeben, müssen alle nachgelagerten Akteure nachjustieren.

Die nächsten 48 Stunden sind die Stunde der Wahrheit.

Quellenangabe: Mag 7 Earnings Preview April 2026 (Saxo); Mag 7 earnings preview: Can Big Tech turn AI spending into earnings growth? (FXStreet); CocoLoop; Big Tech faces key earnings test on AI spending and cloud growth (Yahoo Finance)