Viele VCs sprechen in letzter Zeit über "Physical AI", aber die meisten bleiben auf der Folienebene – sie erwähnen Roboter und autonomes Fahren, investieren dann aber doch in Softwareunternehmen und sind fertig.
Eclipse Capital hat etwas anderes gemacht. Anfang April gab die VC-Firma aus Palo Alto bekannt, 1,3 Milliarden US-Dollar eingesammelt zu haben: einen 591-Millionen-Dollar-Frühphasen-Inkubationsfonds und einen auf Wachstum ausgerichteten Fonds.
Das Geld ist nicht die größte Summe, aber die Anlagelogik verdient eine genaue Betrachtung.
Nicht nur investieren, sondern auch selbst gründen
Partner Jiten Behl beschrieb die Finanzierungsrunde sehr direkt:
"In den letzten zwanzig Jahren haben wir viele Wellen technologischer Innovation gesehen … Zum ersten Mal bewegt sich etwas vom Bildschirm in die physische Welt."
Eclipses Ansatz unterscheidet sich von üblichen VCs – sie investieren nicht nur in externe Unternehmen, sondern gründen auch eigene Startups. Derzeit kochen intern mehrere Richtungen, Behl spricht von "ein paar wirklich coolen Ideen", die vor allem auf Unternehmen abzielen und branchenübergreifend einsetzbar sind.
Besonders ist die Datenstrategie. Eclipse baut das Portfolio bewusst als Ökosystem-Netzwerk auf, sodass autonome Fahrzeugfirmen mit Energieunternehmen kooperieren, Industrieroboterfirmen Daten mit Baufirmen teilen und mit branchenübergreifenden Daten bessere KI-Modelle trainieren:
"Der Schlüssel ist, wie man Branchen verbindet, wie man branchenübergreifende Skalierung aufbaut und mit branchenübergreifenden Daten einen Burggraben errichtet."
Bestehende Portfolio-Unternehmen
Eclipses Portfolio erstreckt sich über mehrere Richtungen:
- Arc: Elektroboote
- Redwood Materials: Batterierecycling und Materialien
- Bedrock Robotics: Autonome Baumaschinen
- Wayve: Autonome Fahrzeugtechnologie
- Mind Robotics: Industrielle KI-Roboter
Gemeinsamkeit dieser Unternehmen: Sie alle operieren mit realen Objekten in der physischen Welt, sind auf große Mengen Sensordaten angewiesen und haben die Möglichkeit, sich gegenseitig auf der Datenebene zu ergänzen.
Warum jetzt
Der Software-KI-Bereich ist am Limit des Wettbewerbs angelangt. Große Modelle werden von einigen wenigen Hauptakteuren dominiert, Code-Tools beginnen sich zu konsolidieren, und die Infrastrukturebene ist bereits von großen Playern besetzt.
Der physische Bereich ist anders: Die Herausforderungen sind größer, die Hürden höher, Daten sind knapper, und große Player können nicht schnell kopieren. Echter Wettbewerbsvorteil entsteht durch die Akkumulation von Sensordaten, technische Erfahrung und Branchenbeziehungen, nicht durch Rechenleistung.
Eclipses Logik: Mit 1,3 Milliarden US-Dollar in der Frühphase eine Datenbarriere aufbauen, sodass der Burggraben bereits gegraben ist, wenn andere die Physical-AI-Chance erkennen.
Eine interessante Beobachtung ist, dass die Überfüllung des Software-KI-Marktes intelligentes Geld in die physische Welt treibt. Dieser Wendepunkt wird 2026 immer deutlicher.
Quellenangabe: CocoLoop, VC Eclipse has a new $1.3B to back — and build — 'physical AI' startups (TechCrunch)