Am 22. März veröffentlichte Cursor leise ein neues Modell namens Composer 2, beworben als "frontier-level coding intelligence". Kurz darauf deckte ein X-Nutzer namens Fynn die Wahrheit auf: Es handelt sich im Wesentlichen um Kimi K2.5, das mit einer Schicht Reinforcement Learning überzogen wurde.
Kimi K2.5 ist das Open-Source-Modell von Moonshot AI (Mondschattenseite), mit 1 Billion Parametern, entwickelt von einem chinesischen Unternehmen, das von Alibaba und Sequoia China (umbenannt in Hongshan) unterstützt wird.
Eingeständnis erst auf Nachfrage
Als Cursor Composer 2 veröffentlichte, enthielt die Pressemitteilung keinerlei Erwähnung von Moonshot oder Kimi.
Nach dem Vorfall meldete sich Lee Robinson, Vice President of Developer Education bei Cursor, zu Wort:
Ja, Composer 2 startete mit einem Open-Source-Basismodell! Im endgültigen Modell stammen jedoch nur etwa ein Viertel der Rechenleistung von diesem Basismodell, die restlichen drei Viertel stammen aus unserem eigenen Training.
Das bedeutet: Wir haben umfangreiches eigenes Training auf Kimi K2.5 durchgeführt, man kann es also nicht als bloße "Ummantelung" bezeichnen.
Robinson betonte auch, dass die Nutzung lizenziert sei – der offizielle Kimi-Account auf X bestätigte, dass es sich um eine lizenzierte kommerzielle Zusammenarbeit über Fireworks AI handelt.
Cursor-Mitbegründer Aman Sanger sagte später ebenfalls: Dass der ursprüngliche Launch-Blog Kimi nicht erwähnte, war ein Versehen.
Warum wurde es verschwiegen?
Die Logik ist nicht schwer zu verstehen.
Derzeit gibt es in der KI-Branche eine starke Erzählung: Der KI-Wettbewerb zwischen den USA und China ist ein nationaler Kampf, und die Verwendung chinesischer KI als Produktbasis ist im aktuellen politischen Klima nicht gern gesehen.
Ein großer Teil der Cursor-Nutzer sind amerikanische Unternehmensentwickler. Eine leise Nutzung ist in Ordnung, aber aktiv zu bewerben, dass man ein chinesisches Modell verwendet – dieses Marktrisiko war dem Risikoteam offenbar nicht wert.
Das Problem ist nicht technischer Natur. Kimi K2.5 ist Open Source, die Lizenzierung ist einwandfrei. Das Problem ist Informationsasymmetrie – die Nutzer glaubten, sie verwendeten ein hochmodernes, von Cursor selbst entwickeltes Modell, während die Basis tatsächlich von einem anderen stammt.
Ein größeres Problem
Der Cursor-Vorfall offenbart ein weit verbreitetes Branchenphänomen: Viele angebliche Eigenentwicklungs-KI-Produkte basieren in Wirklichkeit auf Feintuning oder Reinforcement Learning von Open-Source-Modellen. Bei der Veröffentlichung betonen sie jedoch gerne ihre eigene Arbeit und verschleiern oder erwähnen die Open-Source-Quelle nicht.
Technisch gesehen ist das nicht unbedingt ein Problem (die drei Viertel Eigenentwicklungs-Rechenleistung von Cursor sind nicht erfunden), aber in Bezug auf Transparenz wirft es Fragen auf.
Darüber hinaus zeigt der Vorfall indirekt die Qualität von Kimi K2.5: Ein Unternehmen mit einem Milliarden-Dollar-Börsenwert, das als eines der führenden US-amerikanischen KI-Coding-Tools gilt, wählt ein chinesisches Open-Source-Modell als technische Basis – das ist wohl die realistischste Bewertung.
Moonshot AI dürfte ziemlich zufrieden sein.
Quellenangabe: Cursor admits its new coding model was built on top of Moonshot AI's Kimi (TechCrunch); CocoLoop, China's Moonshot releases a new open source model Kimi K2.5 and a coding agent (TechCrunch)