Gemini steht kurz vor der Marke von 1 Milliarde monatlichen Nutzern, und Google legt gleichzeitig die Rechnung offen.
Alphabet meldete im zweiten Quartal 119,8 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 24%. Die KI-Zahlen fallen besonders auf: Die Gemini App erreichte 950 Millionen monatlich aktive Nutzer, Gemini-Modelle verarbeiten inzwischen 22 Milliarden API-Token pro Minute. Google Cloud kam auf 24,77 Milliarden Dollar Umsatz, plus 82%.
Im Verbrauchermarkt rückt Gemini nahe an die Größenordnung von ChatGPT. Im Unternehmensgeschäft werden Cloud und Modell-APIs zu Infrastrukturumsatz. Daneben steht die Kostenseite: Das Management erhöhte den Ausblick für die jährlichen Investitionen auf 195 bis 205 Milliarden Dollar.
Der Nutzerabstand schrumpft
"Our AI investments are redefining what's possible"
So formulierte es Sundar Pichai in Alphabets Mitteilung. Das Unternehmen sagt außerdem, fast 90% der Fortune-100-Unternehmen nutzten Gemini Enterprise, KI-Funktionen trieben Suchanfragen, und Gemini 3.5 Flash Cyber ziele auf kosteneffiziente Sicherheitsarbeit.
Business Insider ordnet die Kurve ein: Im Oktober lag Gemini App bei rund 650 Millionen monatlichen Nutzern, Anfang dieses Jahres bei mehr als 750 Millionen. Pichai sagte auch, die täglich aktiven Nutzer hätten sich im Jahresvergleich verdreifacht.
Cloud-Nachfrage bleibt stark
Google Cloud liefert das härtere Geschäftssignal. Der Umsatz stieg von 13,62 Milliarden Dollar auf 24,77 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis auf 8,81 Milliarden Dollar.
Business Insider berichtet von einem Cloud-Backlog von 514 Milliarden Dollar und davon, dass rund 60% der Infrastrukturausgaben in KI-Server flossen. Google will während des eigenen Ausbaus zudem stärker auf Drittanbieter-Clouds zurückgreifen.
Günstige Modellpreise entstehen nur, wenn Strom, Server, Netzwerk, Abschreibung und Auslastung zusammenpassen. Je stärker KI zur Alltagsschnittstelle wird, desto mehr ähnelt die Infrastruktur einem anlagenintensiven Geschäft.
Capex ist die zweite Geschichte
Alphabet erzielte 40,77 Milliarden Dollar operativen Gewinn bei 34% Marge. Der Nettogewinn lag bei 112,1 Milliarden Dollar, enthielt aber große nicht realisierte Gewinne aus Wertpapieren.
Investoren achten deshalb auf die Ausgabenlinie. Die Capex-Spanne für 2026 liegt nun bei 195 bis 205 Milliarden Dollar, zuvor lag die Obergrenze bei 190 Milliarden Dollar. The Guardian beschreibt die Zahlen als Test dafür, ob Googles enorme KI-Ausgaben weiter Wachstum tragen können.
Die nächsten Prüfpunkte
Erstens: Kann Gemini nach der Marke von 1 Milliarde Monatsnutzern tägliche Nutzung und bezahlte Konversion steigern? Monatsnutzer können leichte Nutzung verdecken.
Zweitens: Kann Google Cloud 82% Wachstum halten, während Kapazität aufgebaut wird? Steigt Capex weiter, wird die Cloud-Marge zum Qualitätssignal.
Drittens: Schaffen vertikale Modelle wie Gemini 3.5 Flash Cyber zahlende Unternehmenseinsätze? Die Beschränkung auf Regierungen und vertrauenswürdige Partner wirkt eher wie ein Sicherheitsproduktpfad als wie ein Massenstart.
Dieses Quartal zeigt: Der KI-Wettbewerb wandert von Demos in drei Bücher: Nutzer, Cloud-Umsatz und Investitionen. Geminis Größe zeigt Googles Vertriebsmacht. Die Capex-Obergrenze von 205 Milliarden Dollar zeigt, dass KI-Skalierung weiterhin an Strom und Server gebunden ist.
Quellen: Alphabet-Q2-Ergebnis, Business Insider, 9to5Google, CocoLoop, The Guardian; geprüft wurden Umsatz, Cloud-Umsatz, monatlich aktive Gemini-Nutzer, API-Token-Durchsatz, Capex-Spanne, Cloud-Backlog und Umfang der KI-Serverausgaben.