SoftBank macht alte Sharp-Fabrik zum KI- und Batteriezentrum

SoftBank hat am 11. Mai einen ungewöhnlichen Plan vorgestellt: Auf dem ehemaligen Sharp-Gelände in Sakai bei Osaka sollen gleichzeitig ein KI-Rechenzentrum und eine eigene Batteriefertigung entstehen.

Auf den ersten Blick sind das zwei verschiedene Geschäfte. Zusammengedacht ergeben sie aber eine klare Infrastrukturwette.

Das Gelände war früher ein Werk für LCD-Panels von Sharp. Nach dem Rückzug aus diesem Geschäft stand die Fabrik leer. SoftBank hat den Standort gekauft und will daraus zwei verbundene Anlagen machen: Die AX Factory soll KI-Rechenzentren betreiben und KI-Hardware fertigen, die GX Factory Batterien der nächsten Generation und Solarmodule produzieren.

Ein Standort, zwei Linien

Die Aufgabe der AX-Seite ist eindeutig: Sie soll KI-Agenten ausführen. Das gemeinsame Entwicklungsprogramm von SoftBank und OpenAI braucht reale Rechenkapazität, und Sakai wird dafür der erste Standort in Japan. SoftBank hat bereits ein deutlich größeres Projekt beschrieben, den 10-GW-Stargate-Campus auf Gelände des US-Energieministeriums in Ohio. Sakai ist kleiner, aber die erste heimische Ausprägung.

Die GX-Seite ist der überraschende Teil. Warum sollte ein Telekom- und Rechenzentrumsbetreiber selbst Batterien bauen?

Die Zahlen zeigen den Anspruch. Die GX Factory zielt auf eine Jahreskapazität von 1 GWh und wäre damit eine der größten Anlagen ihrer Art in Japan. Kommerzielle BESS-Systeme sollen 140 bis 560 kWh erreichen, netzseitige Systeme 2.240 bis 5.380 kWh. Der Technologiepartner DeltaX gibt an, 5 MWh Kapazität in einem 20-Fuß-Container unterbringen zu können.

SoftBank nennt keine Gesamtsumme für die Investition, setzt aber für 2030 ein Umsatzziel von 100 Milliarden Yen pro Jahr, also rund 600 Millionen Dollar.

Die Massenproduktion soll im Geschäftsjahr 2027 beginnen, also nach April 2027.

Warum ein KI-Rechenzentrum eigene Batterien will

Die Logik ist einfach: Der knappste Faktor für KI-Rechenzentren ist immer häufiger nicht der Chip, sondern der Strom.

GPUs lassen sich kaufen, Racks lassen sich stapeln. Wenn das Netz die Last aber nicht trägt, bleibt die Anlage stehen. Japans Stromnetz wurde in den vergangenen zehn Jahren nicht für einen sprunghaften Ausbau großer Rechenzentren geplant. Will SoftBank in Sakai Rechenleistung der Stargate-Klasse betreiben, kann die Stromversorgung zum Engpass werden.

Batteriespeicher, also BESS, bilden die Zwischenschicht. Sie können Lastspitzen glätten, Notstrom liefern, bei hoher Nachfrage entladen und in schwachen Zeiten laden. Dadurch sinkt die plötzliche Belastung des Netzes.

Ähnliche Ansätze verfolgt Tesla mit Megapack, auch LG Energy Solution ist in Südkorea im ESS-Geschäft aktiv. Dass SoftBank selbst produziert, zeigt: Die Batterielinie soll ein strategischer Vermögenswert sein, nicht nur ein Einkaufsposten.

Auch die Partnerwahl erzählt etwas. Cosmos Lab arbeitet an Zink-Halogen-Batterien mit wässrigem Elektrolyt und verweist auf eine geringere Brandneigung. Für Rechenzentren am Stadtrand ist das wichtig. Nach Bränden bei Lithiumbatterien sind Genehmigungen in der Stadtplanung strenger geworden.

Ein Baustein der Stargate-Wette

SoftBank stellt die beiden Fabriken zusammen, weil der Konzern seine KI-Infrastrukturwette immer stärker vertikal integriert.

  • Bis Ende 2025 will SoftBank 22,5 Milliarden Dollar in OpenAI investieren.
  • Der Stargate-Campus in Ohio ist auf 10 GW ausgelegt.
  • Die AX Factory in Sakai soll Agenten aus der gemeinsamen Entwicklung mit OpenAI betreiben.

Die Linie ist klar: Kapital für OpenAI, Grundstücke in den USA und Japan, eigene Batterieproduktion und eigener Rechenzentrumsbetrieb. Das ist eine vertikale Strategie von der Anwendungsebene bis zur Energiegrundlage.

Masayoshi Son setzt damit nicht auf nur einen Punkt. OpenAIs Modelle müssen gewinnen, Stargate muss planmäßig Strom bekommen, und die AX/GX-Architektur in Sakai muss funktionieren. Fällt ein Teil aus, leidet das ganze System. Greifen alle Teile ineinander, könnte der Schutzgraben tiefer sein als bei einem alleinstehenden KI-Unternehmen.

Dass Batteriefertigung und Rechenzentrum auf demselben Gelände liegen, ist ebenfalls ungewöhnlich. Eine Fabrik, die KI betreibt und zugleich die eigenen Batterien herstellt, ist weltweit noch kein gängiges Modell.

Details, die wichtig werden

  • Das 5-MWh-Containerkonzept von DeltaX bedeutet, dass Speicher an der AX Factory modular ausgerollt und nach Bedarf erweitert werden können.
  • 1 GWh Jahreskapazität klingt nicht riesig, doch ein mittelgroßes KI-Rechenzentrum verbraucht pro Tag oft einige Dutzend MWh. Die Produktion könnte Speicher für viele Standorte stützen.
  • Wenn Cosmos Lab Zink-Halogen-Technik wirklich skalieren kann, würde SoftBank die Abhängigkeit von Lithium-Lieferketten verringern, einschließlich chinesischer Exportkontrollen für bestimmte Schlüsselmaterialien von Lithium-Ionen-Batterien.

Ob die Geschichte trägt, entscheidet sich nach 2027: an der tatsächlichen Produktionsrampe und daran, ob Sakai vor dem offiziellen Stargate-Start als kleinerer Prototyp funktioniert.

Quellen: CocoLoop, SoftBank bets on battery building to back bit barns (The Register), SoftBank Plans to Make Large-Scale Batteries for AI Data Centers (Bloomberg), SoftBank launches Japanese battery storage business, production plant to house AI data center (Data Center Dynamics)