Meta entlässt 8.000 Mitarbeiter – Durchgesickertes Audio zeigt KI-Training mit Mitarbeiterdaten

Am Morgen des 19. Mai erhielten 8.000 Meta-Mitarbeiter die um 4 Uhr morgens versandten Kündigungsmails. Am selben Tag veröffentlichte das Arbeitsmedien-Outlet More Perfect Union ein durchgesickertes Audio einer Firmenversammlung vom 30. April.

In dem Audio gab Mark Zuckerberg zu, dass Meta die Computernutzung der Mitarbeiter aufgezeichnet hat, um KI zu trainieren. Der Zeitpunkt war erschütternd: Die Mitarbeiter wurden am selben Tag entlassen, an dem sie erfuhren, dass ihre überwachten Aktivitäten zum Training der KI verwendet wurden, die sie ersetzen sollte.

Was Zuckerberg sagte

Die schockierendsten Passagen des Audios:

„Die durchschnittliche Intelligenz der Menschen in diesem Unternehmen ist deutlich höher als die durchschnittliche Gruppe von Menschen, die man für Aufgaben bekommen kann.“

Zuckerberg argumentierte, dass Meta-Mitarbeiter intelligenter seien als externe Datenlabeler oder Crowdworker und daher ideal, um KI zu unterrichten. Die Model Capability Initiative (MCI) von Meta zeichnet Mausbewegungen, Tastatureingaben und App-Wechsel in Gmail, GChat, Metamate und VS Code auf.

„Kein Mensch schaut zu oder beobachtet, was die Leute auf ihren Computern tun … Es ist rein, dass wir dies nutzen, um eine sehr große Menge an Inhalten in das KI-Modell einzuspeisen, damit es lernen kann, wie intelligente Menschen Computer nutzen, um Aufgaben zu erledigen.“

Obwohl Zuckerberg behauptete, niemand beobachte Einzelpersonen, trainierte diese Daten eine KI, die drei Wochen später ihre Arbeitsplätze ersetzte.

Keine Opt-out-Option

Als ein Mitarbeiter fragte, ob er die Überwachung ablehnen könne, antwortete Meta-CTO Andrew Bosworth:

„Es gibt keine Opt-out-Option auf Ihrem Firmenlaptop.“

Jeder Commit, jede Debug-Sitzung und jedes Slack-Refresh wurde von MCI erfasst. Ablehnung bedeutete, den Firmenlaptop nicht zu nutzen.

Zeitplan der 8.000 Entlassungen

  • 30. April: Zuckerberg äußerte sich auf der Firmenversammlung. Die Entlassungen waren noch nicht angekündigt.
  • 19. Mai, 4 Uhr: Kündigungen wurden an 8.000 Mitarbeiter in den Zeitzonen Singapur, Europa und USA verschickt.
  • 19. Mai, gleicher Tag: More Perfect Union veröffentlichte das Audio.

More Perfect Union, ein auf Arbeitsthemen spezialisiertes Medium, behielt das Audio fast drei Wochen, um es zeitgleich mit den Entlassungen zu veröffentlichen. Die 8.000 Mitarbeiter entsprechen etwa 10 % der globalen Belegschaft von Meta. Viele hatten H-1B-Visa und mussten innerhalb von 60 Tagen einen neuen Job finden oder das Land verlassen.

Unterschied zu früheren Berichten

Am 22. April hatte Meta öffentlich zugegeben, Computer Use Agents mit Mitarbeiterdaten zu trainieren. Das durchgesickerte Audio offenbarte jedoch entscheidende Unterschiede:

  1. Ton: Zuckerbergs private Äußerungen waren weitaus direkter und stellten die Intelligenz der Mitarbeiter explizit als Verkaufsargument dar.
  2. Zeitpunkt: Die Ankündigung im April bezog sich auf Zukunftspläne; das Audio zeigte, dass das Training bereits abgeschlossen war und mit den Entlassungen zusammenfiel.
  3. Opt-out: Die April-Erklärung erwähnte „Schutzmaßnahmen“, aber Bosworths „keine Option“-Kommentar zerstörte jede Illusion.
  4. Das Audio riss die PR-Fassade des Unternehmens ein und legte die dahinterliegende Logik offen.

    Branchenimplikationen

    Meta ist kein Einzelfall. OpenAI, Anthropic und Google suchen alle nach hochwertigen Mensch-Computer-Interaktionsdaten für Computer Use Agents. Öffentliche Datensätze sind unzureichend, Outsourcing ist teuer und langsam. Die hochwertigsten Daten befinden sich innerhalb der Unternehmen, generiert von gut bezahlten Mitarbeitern.

    Meta ist der erste, der erwischt wurde. Microsofts Copilot sammelt Office-Nutzungsmuster, Googles Gemini Workspace tut Ähnliches, aber beides wurde noch nicht mit Entlassungen in Verbindung gebracht. Goldman Sachs schätzt, dass KI in den USA monatlich 16.000 Bürojobs vernichtet.

    Was als Nächstes kommt

    Gewerkschaften und Arbeitsrechtler beginnen zu handeln. Die Datenerfassung von MCI ohne ausdrückliche Zustimmung könnte gegen das kalifornische AB-2013-Gesetz verstoßen, das die Offenlegung von KI-Trainingsdatenquellen vorschreibt. Wenn die 8.000 entlassenen Mitarbeiter eine Sammelklage einreichen und behaupten, dass ihre Arbeitsergebnisse ohne Zustimmung zum Training der sie ersetzenden KI verwendet wurden, könnte der Fall vor Gericht landen. Das durchgesickerte Audio wäre dann nicht nur eine PR-Krise, sondern ein Beweismittel.

    Quellen: Leaked Audio Reveals Why Meta Tracked Employees Before Layoffs (eWeek); In Leaked Audio, Zuckerberg Tells Meta Workers He's Been Using Them to Train AI Ahead of Mass Layoffs (Common Dreams); CocoLoop; Zuck defends monitoring employees to win AI race in purported leaked audio (The Register); Leaked Meta clip sparks outrage: Is Zuckerberg tracking employees to fuel AI-led layoffs (The Week)