Cloudflare meldete Rekordumsatz, bessere Margen und einen deutlich höheren freien Cashflow, und strich anschließend rund ein Fünftel seiner Belegschaft.
Nach Börsenschluss am 7. Mai veröffentlichte das Unternehmen die Zahlen für das erste Quartal zusammen mit einer internen Mitteilung zur Restrukturierung. Der Umsatz lag bei 639,8 Millionen US-Dollar, 34% mehr als im Vorjahr. Der freie Cashflow stieg von 52,9 Millionen auf 84,1 Millionen US-Dollar. Auf dem Papier war das ein typisches starkes Quartal eines Wachstumswerts.
Am selben Tag informierten CEO Matthew Prince und COO Michelle Zatlyn die Beschäftigten, dass etwa 1.100 Stellen wegfallen. Das entspricht rund 20% der weltweiten Belegschaft. Betroffene Mitarbeiter erhielten die Nachricht innerhalb einer Stunde.
Die Cloudflare-Aktie fiel nach der Veröffentlichung im nachbörslichen Handel um mehr als 16%.
Die Wortwahl des CEOs war entscheidend
Wenn ein Technologieunternehmen bei 34% Umsatzwachstum Stellen abbaut, suchen Anleger normalerweise nach schwächerer Nachfrage oder aufgeblähten Bereichen. Cloudflare erklärte den Schritt anders. Prince sagte, es gebe Rollen im Unternehmen, die nicht die Rollen seien, die Cloudflare für die Zukunft brauche.
Mit anderen Worten: Ein Teil dieser Arbeit kann inzwischen von KI übernommen werden, sodass die bisherigen Stellen nicht mehr zum künftigen Betriebsmodell passen.
Prince sagte weiter, die Produktivität der Beschäftigten mit direktem Kundenkontakt und derjenigen, die Code schreiben, sei gestiegen. Die unterstützenden Rollen dahinter seien künftig nicht die Gruppe, die das Unternehmen voranbringe.
Damit rücken Bereiche wie Customer Operations, Finanzberichte, Marketinginhalte, HR-Betrieb und interne Unterstützung in den Fokus. Kundennahe Rollen und Engineering sollen dagegen verstärkt werden.
Die leicht übersehenen Zahlen
Cloudflare legte auch interne KI-Kennzahlen offen. In den vergangenen drei Monaten stieg die KI-Nutzung im Unternehmen um 600%. Teams in Engineering, HR, Finanzen und Marketing starten jeden Tag Tausende Sitzungen mit KI-Agenten.
Zusammen erklären diese Zahlen die Logik von Prince. Wenn eine Unterstützungsaufgabe früher zehn Personen brauchte und heute von drei Personen mit Agenten erledigt werden kann, wirken die übrigen sieben Stellen aus Produktivitätssicht überflüssig.
Das war keine Erzählung von Entlassungen wegen schlechter Geschäfte. Es war die Botschaft, dass Cloudflare um KI herum neu gebaut wird.
| Kennzahl | Q1 2026 | Vergleich |
|---|---|---|
| Umsatz | 639,8 Mio. US-Dollar | +34% im Jahresvergleich |
| Bereinigtes EPS | 0,25 US-Dollar | 0,16 US-Dollar im Vorjahr |
| Freier Cashflow | 84,1 Mio. US-Dollar | 52,9 Mio. US-Dollar im Vorjahr |
| Nettoverlust | 22,9 Mio. US-Dollar | - |
| Geschätzte Restrukturierungskosten | 140-150 Mio. US-Dollar | Vor allem in Q2 und Q3 |
| Beschäftigte | Etwa 5.156 | Minus 1.100 auf etwa 4.056 |
Warum der Markt skeptisch blieb
34% Umsatzwachstum, bessere Profitabilität, eine Umsatzprognose von 664 bis 665 Millionen US-Dollar für das zweite Quartal und 2,81 Milliarden US-Dollar für das Gesamtjahr: isoliert betrachtet waren die Zahlen ordentlich.
Der Kursrückgang von 16% hatte einen anderen Grund. Die Jahresprognose lag unter den Erwartungen, und der Stellenabbau wirkte wie ein Umbau der Organisation, nicht wie eine normale Kostensenkung.
Prince sagte in der Telefonkonferenz, KI treibe eine grundlegende Neuplattformierung des Internets und einen Paradigmenwechsel bei der Erstellung und Nutzung von Software. Er nannte dies den größten Rückenwind in der Geschichte von Cloudflare.
Das sollte optimistisch klingen, ließ den Markt aber mit einer unbequemen Frage zurück. Wenn selbst ein Unternehmen mit solchem KI-Rückenwind ein Fünftel seiner Belegschaft streichen muss, um Schritt zu halten, was passiert dann mit Unternehmen ohne diesen Rückenwind?
Das Signal für die Branche
In den vergangenen sechs Monaten wurden Entlassungen in der Tech-Branche oft mit KI erklärt, die Code schreibt und damit Entwicklerkapazitäten verdrängt. Snap sagte, 65% seines Codes werde bereits von KI geschrieben. Meta strich Tausende Stellen, und Microsoft bot erstmals seit 51 Jahren Abfindungsprogramme an.
Cloudflare unterscheidet sich davon. Der Schritt war nicht krisengetrieben, denn Umsatz und Bruttomarge verbesserten sich. Er zielte auch nicht primär auf Entwickler, sondern auf unterstützende Rollen hinter Kundenkontakt und Codearbeit. Und Prince gab dem Ganzen auf Unternehmensebene den Namen agentic AI-first operating model.
Wenn schon ein Unternehmen mit 34% Wachstum meint, ohne Umbau nicht mit dem KI-Tempo mithalten zu können, dürften SaaS-Anbieter mit weniger als 30% Wachstum und wachsendem Wettbewerbsdruck in der zweiten Jahreshälfte ähnlichen Druck spüren.
Prince sagte außerdem, Cloudflare werde 2027 mehr Beschäftigte haben als zu irgendeinem Zeitpunkt 2026. Das klingt beruhigend, enthält aber eine Einschränkung: Die neuen Jobs werden nicht zwingend die alten sein. Gesucht werden Menschen, die mit KI-Agenten zusammenarbeiten und deren Arbeit orchestrieren können.
Ob der Schritt richtig war, wird sich erst im dritten und vierten Quartal zeigen. Steigen die Margen weiter und bleibt das Umsatzwachstum stabil, könnte es ein Lehrstück für KI-Transformation werden. Sinkt die Qualität des Kundensupports oder schwanken Verlängerungsraten, entsteht eine andere Geschichte.
Quellen: Cloudflare to fire 1,100 staff whose jobs just aren't AI enough (The Register); Cloudflare beats on earnings, CocoLoop, but 20% AI-driven layoffs and weak guidance send shares down (SiliconANGLE); Cloudflare Announces Major AI-Driven Restructuring and Outlook (TipRanks)