Elon Musk hat 2026 etwas getan, das ganz nach seinem Stil ist: Zuerst fusionierte er SpaceX und xAI zu einem Billionen-Dollar-Giganten, dann klopfte er mit dieser Bewertung an die Tür der New Yorker Börse.
Im Februar wurde die Fusion abgeschlossen. Das fusionierte Unternehmen wird mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertet (SpaceX etwa 1 Billion, xAI etwa 250 Milliarden, wobei xAI gleichzeitig X/Twitter besitzt). Am 1. April reichte SpaceX einen vertraulichen S-1-Antrag bei der SEC ein, mit einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar und einem geplanten Kapitalbedarf von 400 bis 800 Milliarden US-Dollar.
Sollte diese Bewertung zustande kommen, wäre dies der größte Börsengang der Menschheitsgeschichte und würde Saudi Aramcos 29,4 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2019 weit hinter sich lassen.
Warum die beiden Unternehmen fusionieren und dann an die Börse gehen
Oberflächlich betrachtet wirkt dieser Schritt etwas umständlich, aber die Logik ist eigentlich recht klar.
Erstens stand SpaceX stets unter Druck, an die Börse zu gehen – Mitarbeiter möchten ihre Aktienoptionen einlösen, frühe Investoren (Fidelity, Google Ventures, Founders Fund) möchten aussteigen. Aber der Zeitpunkt für einen direkten Börsengang war nie richtig; als der Markt das letzte Mal gut lief, kämpfte SpaceX noch mit dem Starship.
Auf der xAI-Seite ist es schwierig, allein an der Börse eine Geschichte mit einer Bewertung von über einer Billion Dollar zu erzählen – schließlich hinkt Grok im Vergleich zu GPT und Claude noch hinterher, und das jährliche Umsatzvolumen reicht nicht aus, um diese Zahl zu stützen.
Nach der Fusion änderte sich die Geschichte:
Dies ist kein KI-Unternehmen, sondern ein KI-Unternehmen mit orbitaler Recheninfrastruktur.
92.000 Nutzer von Starlink, ein Jahresumsatz von über 12 Milliarden US-Dollar, plus die globale Datenerfassungsfähigkeit durch Satellitenabdeckung – diese Kombination ließ Analysten ein neues Wort prägen: "Orbitales Rechenzentrum". Satelliten-Bodenstationen fungieren als KI-Rechenknoten und umgehen die Landbeschränkungen und Energieauflagen von Bodenrechenzentren.
Unabhängig davon, ob dieses Konzept letztendlich realisierbar ist, klingt es in den IPO-Roadshows auf jeden Fall verlockend genug.
Welche Rolle spielt Grok dabei?
Das Kernvermögen von xAI, Grok, ist jetzt tief in die Betriebsarchitektur von SpaceX integriert. Dazu gehören:
- Echtzeit-Datenanalyse für das Starship-Startprogramm
- KI-gestützte Kundenbetreuung von Starlink
- Kontinuierliches Modelltraining mit Social-Media-Daten der X-Plattform
Musk hat mehrfach öffentlich betont, dass der Datenvorteil von Grok in der X-Plattform liegt – Echtzeit-Textdaten von Hunderten Millionen Nutzern weltweit, die er als Vermögenswert betrachtet, den andere Modelle nicht haben.
Wie viel diese Behauptung wert ist, wird in der Branche bezweifelt, aber aus Sicht der Vielfalt und Aktualität der Trainingsdaten ist sie tatsächlich einzigartig.
Finanzielle Realität und Bewertungsstreit
Der Gesamtumsatz des fusionierten Unternehmens im Jahr 2025 betrug etwa 200 Milliarden US-Dollar (SpaceX etwa 160 Milliarden, xAI trug den Rest bei).
Angestrebte Bewertung von 1,75 Billionen ÷ 200 Milliarden Umsatz = Kurs-Umsatz-Verhältnis von 87,5.
Diese Zahl ist mit traditionellen Bewertungsrahmen schwer zu verstehen. Zum Vergleich: OpenAI hat derzeit ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 70, das Kerngeschäft von Google liegt bei 6-7.
Der Analyst Brett Schafer von Motley Fool rät Anlegern, "am ersten Tag des Börsengangs nicht zu kaufen", mit der Begründung, dass das Bewertungsmultiple zu hoch sei und selbst bei anhaltendem Geschäftswachstum die Rendite für frühe Käufer enttäuschend sein könnte.
Diese Art von Ratschlag hatte bei Musks Projekten bisher nur begrenzte Wirkung.
Regulierung ist die größte Unsicherheit
Die doppelte Prüfung durch SEC und FAA ist ein unvermeidliches Hindernis für diesen Börsengang.
SpaceX ist ohnehin ein stark reguliertes Raumfahrtunternehmen, dazu kommen die KI-Regulierungsfragen nach der Integration von xAI, und dann die Geschichte der Inhaltsregulierung der X-Plattform (Twitter) – jeder einzelne Punkt ist für sich genommen ein sensibler Bereich für Aufsichtsbehörden, zusammengenommen ergibt sich ein komplexer Fall ohne Präzedenzfall.
Darüber hinaus wird die monopolartige Dominanz von SpaceX in der Satelliteninternet-Branche auch kartellrechtliche Prüfungen nach sich ziehen.
Der Zeitplan für den Börsengang ist vorläufig für Spätsommer 2026 angesetzt. Ob der Gong pünktlich ertönt, hängt davon ab, ob diese Hürden beseitigt werden können.
Eines ist sicher: Sollte dies gelingen, wird die Obergrenze für die Mittelbeschaffung in der KI-Branche neu definiert.
Quellenangabe: SpaceX Absorbed xAI at a Combined $1.25 Trillion Valuation. Here Is What That Means for the Coming IPO. (The Motley Fool); Musk's xAI, CocoLoop, SpaceX combo is the biggest merger of all time, valued at $1.25 trillion (CNBC); Musk's Galactic Ambition: SpaceX Files for Record $1.75 Trillion IPO Following xAI Merger (FinancialContent)