Musk greift OpenAIs Struktur vor Gericht an

Vor dem Bundesgericht in Oakland trat Elon Musk am 28. April am zweiten Tag des Verfahrens Musk v. Altman and OpenAI in den Zeugenstand. Seine zentrale Aussage war bewusst zugespitzt.

"If we make it OK to loot a charity, the entire foundation of charitable giving in America will be destroyed."

Wenn es erlaubt werde, eine Wohltätigkeitsorganisation auszuplündern, werde die Grundlage des amerikanischen Spendenwesens zerstört, so Musks Botschaft. Den Vorsitz führt Richterin Yvonne Gonzalez Rogers, Musk sagte als Kläger persönlich aus.

Was Musk verlangt

Die Anträge in den Gerichtsunterlagen zeigen: Es geht nicht in erster Linie um Geld für Musk selbst, sondern um die Struktur von OpenAI.

ForderungInhalt
Schadenersatz15 Milliarden Dollar
Empfänger der MittelOpenAIs gemeinnützige Einheit
ManagementAbsetzung von Altman und Brockman, Altman soll auch den Verwaltungsrat verlassen
StrukturRückkehr OpenAIs zum gemeinnützigen Status
RechtsgrundlageVerstoß gegen charitable trust und ungerechtfertigte Bereicherung

Die 15 Milliarden Dollar sollen nach Musks Antrag nicht an ihn fließen, sondern an OpenAIs gemeinnützige Körperschaft. Praktisch zielt die Klage darauf, den kommerziellen Umbau von OpenAI zu stoppen.

Musks Gründungsversion

Musk stellte seine Rolle bei der Entstehung von OpenAI in den Mittelpunkt. Er habe rund 38 Millionen Dollar in die frühe gemeinnützige Organisation gesteckt, Idee und Namen beigesteuert, Schlüsselpersonen rekrutiert, sein Wissen weitergegeben und die Anfangsfinanzierung bereitgestellt.

Er verwies außerdem auf die zeitliche Abfolge. 13 Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Board gründete OpenAI eine gewinnorientierte Einheit. Die 10-Milliarden-Dollar-Investition von Microsoft im Januar 2023 wertet Musk als Bruch der Zusagen gegenüber ihm und der Öffentlichkeit.

Auch der alte Streit mit Larry Page spielte eine Rolle. Musk wiederholte die Geschichte, die er Lex Fridman erzählt hatte: Er habe vor einer möglichen Auslöschung der Menschheit durch KI gewarnt, Page habe entgegnet, es sei auch in Ordnung, wenn die KI überlebe, und Musk als "speciest" bezeichnet.

Die Episode soll den Geschworenen zeigen, warum OpenAI nach Musks Darstellung gegründet wurde: als Gegenmodell zu einem Google-geprägten KI-Rennen, das die Menschheit nicht ausreichend in den Mittelpunkt stellt. Der gemeinnützige Charakter sei daher kein Detail, sondern der Kern des Versprechens.

OpenAIs Gegenangriff

OpenAI-Anwalt Bill Savitt erzählte der Jury die Geschichte genau umgekehrt. Musk habe nicht bekommen, was er wollte, sei gegangen und habe erklärt, OpenAI werde sicher scheitern. Dann sei das Unternehmen ohne ihn erfolgreich geworden.

"We are here because Mr. Musk didn't get his way... He quit, saying they would fail for sure. But my clients had the nerve to go on and succeed without him."

OpenAI argumentiert, Musk gehe es um Kontrolle, nicht um ein gemeinnütziges Versprechen. Savitt sagte, Musk habe selbst eine gewinnorientierte Struktur gewollt und nach "the keys to the kingdom" gestrebt.

Warum OpenAIs Struktur entscheidend ist

OpenAI wurde 2015 als gemeinnützige Organisation gegründet. Im März 2019 entstand mit OpenAI LP eine gewinnorientierte Tochter, die Microsoft-Kapital aufnahm. Im Herbst 2025 wurde OpenAI in eine Public Benefit Corporation umstrukturiert; die frühere gemeinnützige Einheit hielt danach 26% der Anteile sowie bestimmte bedingte Optionsrechte.

Damit war die alte Nonprofit-Struktur nicht mehr im selben Maß die kontrollierende Mutter. Genau hier setzt Musk an: Er will feststellen lassen, dass diese Umwandlung die Gründungszusage von 2015 und den gemeinnützigen Treuhandzweck verletzt.

Ein Erfolg Musks würde OpenAIs Bewertung von angeblich 852 Milliarden Dollar, die jüngste Finanzierung über 122 Milliarden Dollar und die neu geordnete Exklusivbeziehung zu Microsoft in Frage stellen.

Wer noch aussagen soll

Musks Aussage sollte am Mittwoch fortgesetzt werden. Auch Sam Altman soll aussagen, Microsoft-Chef Satya Nadella wird ebenfalls vor Gericht erwartet. Beide Seiten haben vereinbart, während des Prozesses weniger öffentlich zu posten, was für Musk die schwierigste Auflage sein dürfte.

Kann die Klage OpenAI erschüttern?

Rein juristisch ist ein Verfahren auf Basis eines charitable trust schwer zu gewinnen. OpenAIs Umstrukturierung von 2025 wurde vom Büro des kalifornischen Generalstaatsanwalts geprüft, und sowohl das Gesellschaftsrecht von Delaware als auch das kalifornische Stiftungs- und Wohltätigkeitsrecht lassen Strukturänderungen zu.

Die Wirkung der Klage liegt aber nicht nur im Urteil. Musk kann Verzögerung, Unsicherheit und ein sichtbares Risiko für Investoren und Großkunden schaffen.

Kunden mit möglichen 10-Milliarden-Dollar-Aufträgen, Käufer am Sekundärmarkt und ein künftiges IPO-Publikum müssen diesen Prozess in ihre Entscheidungen einpreisen. In diesem Sinne hat Musk bereits einen Teil seines Ziels erreicht.

Quellen: Musk testifies at OpenAI trial it's not OK to 'loot a charity' (Al Jazeera); CocoLoop, OpenAI trial day 2 takeaways (CNBC); At his OpenAI trial, Musk relitigates an old friendship (TechCrunch)