DeepSeek V4 veröffentlicht, Marktreaktion verhalten

Letztes Jahr um diese Zeit veröffentlichte DeepSeek ein Modell, und die globalen Technologieaktien stürzten kollektiv ab – es wurde als "schwarzer Schwan" bezeichnet.

Dieses Jahr kommt V4 wieder. Marktreaktion: ganz okay.

Neuer Open-Source-König mit 1,6 Billionen Parametern, niemanden wundert's mehr

Am 24. April stellte DeepSeek die V4-Serie auf Hugging Face. Zwei Versionen:

ModellGesamtparameterAktive ParameterKontext
V4 Pro1,6 Billionen4,9 Milliarden1 Million Token
V4 Flash28,4 Milliarden1,3 Milliarden1 Million Token

V4 Pro lässt die 1,1 Billionen von Kimi K2.6 und die 671 Milliarden des eigenen V3.2 weit hinter sich und festigt den Thron als "weltweit größtes Open-Source-Gewichtsmodell".

Die Preisgestaltung ist noch aggressiver. V4 Flash Input $0,14, Output $0,28 (pro Million Token), V4 Pro Input $0,145, Output $3,48. Damit liegt es deutlich unter vergleichbaren Modellen von OpenAI, Google und Anthropic.

Benchmarks? Der TechCrunch-Bericht schreibt es sehr direkt: Bei Reasoning-Benchmarks hat V4 "die Lücke zu den führenden Modellen fast geschlossen", bei Wissenstests liegt es "knapp hinter" GPT-5.4 und Gemini 3.1 Pro, insgesamt etwa 3-6 Monate hinter den Frontier-Modellen. Beim Coding-Wettbewerb liefert es sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit GPT-5.4.

Aber der Hongkonger Aktienmarkt regte sich diesmal nicht

Am 27. April, dem ersten Handelstag nach dem Start von DeepSeek V4, war die Marktstimmung eine völlig andere als im Vorjahr.

Im Reuters-Bericht äußerte sich Chefanalyst Lian Jye Su von Omdia sehr nüchtern:

"Diese Veröffentlichung folgt einem recht vorhersehbaren Pfad, da Fortschritte bei Modellarchitektur und Effizienz bereits branchenweit und in der Wissenschaft umfassend erforscht wurden. Die Erwartung neuer Akteure ist nun in den Bewertungen eingepreist."

In Klartext: Die Schockschwelle hat sich verschoben.

Als R1 letztes Jahr herauskam, war die Logik der Wall Street "Wie kann China so schnell sein?" – und NVIDIA verlor über Nacht Hunderte Milliarden an Marktwert. Dieses Jahr? In den letzten sechs Monaten holte Kimi K2.6 den ersten Platz im SWE-Bench Pro, Qwen3.6-Max führte sechs Tests an, GLM-4.6 von Zhipu wurde an heimische Chips angepasst – Open-Source-Output aus China ist bereits die Norm. Noch ein V4 Pro, der Markt sagt nur "ach so" und geht weiter.

Die Bewertung von Artificial Analysis ist ebenfalls zurückhaltend: V4 Pro zeige zwar deutliche Verbesserungen, aber "die Gesamtrangliste gehört zu den führenden Open-Weight-Modellen, nicht zu einer deutlichen Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz".

Was wirklich zählt, sind nicht die Benchmarks, sondern der Huawei-Chip

Alfredo Montufar-Helu, Managing Director bei Ankura China Advisors, lieferte einen Satz, der wichtiger ist als alle Benchmarks:

"Letztes Jahr war der 'Überraschungsfaktor' – das ist bereits eingepreist. Jetzt kommt es darauf an, ob China in der KI-Entwicklung weiter vorankommen kann, möglicherweise mit eigenen Chips."

V4 ist mit Huaweis Ascend kompatibel. Das ist das wahre geopolitische Gewicht dieser Veröffentlichung – ob die US-Exportkontrollen die chinesische KI aufhalten können, beantwortete DeepSeek mit einem Produktzyklus: Zumindest auf algorithmischer und technischer Ebene nicht, der Rest hängt davon ab, wie weit die Hardware mitkommt.

Einige denkwürdige Einschätzungen

Erstens, die marginale Schockwirkung von Open-Source-Großmodellen nimmt ab. Das heißt nicht, dass DeepSeek schlecht arbeitet, sondern dass die Markterwartungen die Produktionskapazität eingeholt haben. Um nächstes Mal wieder einen "Wow"-Moment wie letztes Jahr zu erzeugen, braucht es etwas anderes – zum Beispiel das tatsächliche Überflügeln eines Closed-Source-Modells bei einer bestimmten Frontier-Aufgabe, nicht nur das weitere Schließen der Lücke.

Zweitens, die 1,3 Milliarden aktiven Parameter + 1 Million Token Kontext + extrem niedriger Preis von V4 Flash könnten für API-Entwickler interessanter sein als Pro. Diese Kombination in Bezug auf Kosteneffizienz bei der Verarbeitung langer Dokumente und der Backend-Agenten-Orchestrierung wird den mittleren Preissegmenten vieler Closed-Source-APIs das Leben schwer machen.

Drittens, die Frage "Kann China KI mit eigenen Chips betreiben?" ist 2026 noch nicht vollständig beantwortet, aber V4 hat die Antwort näher an "ja" herangeführt.

Was den Markt betrifft – der Markt hat dies bereits eingepreist. Um das nächste Mal wieder ein Spektakel zu sehen, muss man auf die praktischen Tests von V4 Pro bei langkettigen Aufgaben wie agentischem Coding warten, die echte Ergebnisse liefern.

Das wäre die neue Geschichte.

Quellenangabe: CocoLoop; DeepSeek previews new AI model that 'closes the gap' with frontier models (TechCrunch); DeepSeek's new AI model does not wow markets in fast-changing industry (BusinessWorld / Reuters)