DeepSeek will Robotik-Start-up von Ex-Tencent-Forscher anführen

Wie Bloomberg am 12. Oktober berichtete, will DeepSeek die Seed-Runde des Robotik-KI-Start-ups Winverse AI anführen. Gegründet wurde das Unternehmen von Hu Han, einem früheren Tencent-Wissenschaftler. Die Runde umfasst mehrere zehn Millionen US-Dollar bei einer Bewertung nach Finanzierung von rund 400 Millionen US-Dollar; auch Longzhu Capital, die Investmentgesellschaft von Meituan, und weitere Investoren haben sich zur Beteiligung verpflichtet.

Unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schreibt Bloomberg, der Deal sei noch nicht endgültig abgeschlossen, Bewertung und Investorenliste könnten sich noch ändern. Kommt er zu den aktuellen Konditionen zustande, wäre es eine der bislang größten Start-up-Beteiligungen von DeepSeek. Weder DeepSeek noch Winverse haben reagiert, die konkreten Konditionen lassen sich derzeit nicht überprüfen.

Wer der Gründer ist

Hu Han ist in der Computer-Vision-Szene kein Unbekannter. Früheren Berichten zufolge war er leitender Forscher in der Visual-Computing-Gruppe bei Microsoft Research Asia, wechselte Anfang 2025 zu Tencent und leitete dort die Forschung an großen Bildmodellen. Später ging er in die Gruppe für Spitzentechnologieforschung der Abteilung für große Sprachmodelle, wo er als Leiter des multimodalen Verstehens bei Hunyuan arbeitete und auch an der Entwicklung von Weltmodellen beteiligt war.

Im Juli dieses Jahres berichtete Intelligent Emergence (Zhineng Yongxian), ein Medium aus dem Umfeld von 36Kr, er habe seine Kündigung eingereicht und wolle gründen; seine Nachfolge übernehme Tian Yonglong, ein früherer OpenAI-Forscher. Tencent reagierte damals nicht. Drei Monate später taucht der Name der neuen Firma zusammen mit der ersten Finanzierungsrunde auf.

Aus dem Lebenslauf ergibt sich: Multimodales Verstehen und Weltmodelle sind die Grundfähigkeiten, mit denen ein Roboter seine Umgebung begreift und die Folgen von Aktionen vorhersagt. Dass ein Forscher aus der Bildverarbeitung in die Robotik-KI wechselt, überrascht daher nicht. Ob Winverse jedoch ein universelles Robotergehirn entwickelt, komplette Maschinen für bestimmte Einsatzfelder baut oder Hardwareherstellern Modelle liefert, ist öffentlich nicht bekannt. Die Produktform muss das Unternehmen selbst bekannt geben.

Große Modellanbieter investieren in verkörperte KI, jeder auf eigene Weise

Für DeepSeek ist es bereits der zweite Vorstoß in die Robotik. Reuters hatte unter Berufung auf Börsenunterlagen berichtet, dass DeepSeek beim Börsengang von Unitree im Rahmen der strategischen Platzierung Anteile für 140,8 Millionen Yuan gezeichnet hat. Das entspricht 2,31 Prozent der platzierten Aktien, mit einer Sperrfrist von 36 Monaten; zudem schlossen beide Seiten eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von KI-Modellen für humanoide Roboter.

Die beiden Investments sind von sehr unterschiedlicher Art. Bei Unitree stieg DeepSeek im Zuge des Börsengangs bei einem Hersteller ein, der bereits in Serie fertigt; Betrag und Preis folgten den Emissionsregeln. Wer Winverse anführt, setzt dagegen in der Seed-Phase auf einen Forscher und eine noch nicht öffentliche Richtung. Das Risiko ist weit höher, der Einfluss aber ebenso.

Im Vergleich setzen auch chinesische Internetkonzerne unterschiedliche Schwerpunkte bei verkörperter KI. Laut öffentlichen Berichten hat die Ant Group in anderthalb Jahren in über ein Dutzend Unternehmen für humanoide Roboter investiert, nach dem Prinzip breiter Streuung; Meituan beteiligt sich über Longzhu Capital laufend an Runden und steht nun auch auf Winverses Liste. DeepSeek konzentrierte sich bisher auf die Modellentwicklung und investierte kaum nach außen. Dieser Deal zeigt, dass Modellanbieter beginnen, auf der Roboterebene aktiv Partner zu suchen, statt nur darauf zu warten, dass Hardwarehersteller ihre API aufrufen.

Woher das Geld kommt

DeepSeek selbst hat gerade seine erste externe Finanzierungsrunde abgeschlossen. Wie wir zuvor berichteten, lag das Volumen bei rund 50 Milliarden Yuan, unter anderem mit Tencent und CATL als Beteiligten und der Vereinbarung, fünf Jahre lang keine Stimmrechte zu erhalten. Mit externem Kapital auf dem Konto beginnt das Unternehmen nun selbst zu investieren; zeitlich schließt das nahtlos an.

Einige zehn Millionen US-Dollar sind für ein Unternehmen von DeepSeeks Größe keine große Summe. Ob der Deal zur aktuellen Bewertung zustande kommt, ob Winverse die Modelle von DeepSeek nutzen wird und ob beide technisch aneinander gebunden sind, dazu sagt der Bloomberg-Bericht nichts. Maßgeblich ist vorerst die endgültige Mitteilung.

Quellen: Bloomberg, Intelligent Emergence von 36Kr, CocoLoop, Reuters; Betrag, Anteil und Sperrfrist der Zeichnung von DeepSeek im Rahmen der strategischen Unitree-Platzierung wurden anhand von Börsenunterlagen geprüft.