Ein KI-Shopping-Agent hat auf US-Bundesberufungsebene erstmals spürbar Luft bekommen.
Am 4. August hob der Ninth Circuit eine einstweilige Verfügung auf, die Perplexitys Comet-Browser beim Einkauf auf Amazon eingeschränkt hatte. Die Frage war eng, aber folgenreich: Nutzt ein angemeldeter Amazon-Kunde ein Werkzeug, wenn er einen KI-Assistenten Produkte vergleichen und Checkout-Schritte ausführen lässt, oder greift Perplexity selbst ohne Erlaubnis auf Amazon-Systeme zu?
Der Zugang liegt vorerst beim Nutzer
Amazon klagte im November 2025. Der Konzern argumentierte, Comet greife auf passwortgeschützte Kontobereiche zu, lege die KI-Agentenrolle nicht klar offen und übermittle Screenshots oder Kontoinformationen an Perplexity-Server. Im März 2026 erließ ein Bundesbezirksgericht in San Francisco eine einstweilige Verfügung zugunsten von Amazon.
Die 21-seitige Berufungsentscheidung schrieb Richter Milan D. Smith Jr.; Eric Tung und John Hinderaker saßen mit im Spruchkörper. Im Mittelpunkt standen der CFAA und das kalifornische CDAFA.
“the user (not Perplexity) accesses Amazon using the Assistant as an AI tool”
Das Gericht behandelte Comet eher als vom Nutzer gesteuerten Browser als als separaten Zugriff Perplexitys auf Amazon-Server. Es verwies zudem auf die technische Erklärung der EFF als besonders klare Beschreibung des Systems.
Die Absicht der KI bleibt offen
Amazons Bedenken sind nicht trivial. Comet ist kein passives Browser-Plugin; es kann den nächsten Klick bestimmen, Optionen vergleichen und Aufgaben fortsetzen. Amazon sieht darin Sicherheits- und Datenrisiken.
Der Senat erkannte an, dass agentische KI neu ist und direkte Rechtsprechung fehlt. Autonomie wurde aber nicht mit Hacking gleichgesetzt. Entscheidend waren die technische Kette, die Kontoberechtigung und die Frage, ob Screenshots über den Nutzerrechner als Zugriff Perplexitys zählen.
Plattformen verlieren vorläufige Kontrolle
Perplexity hat den Gesamtprozess nicht gewonnen. Amazon kann andere Ansprüche weiterverfolgen. Verloren ging vor allem die Möglichkeit, Comet auf Basis der aktuellen CFAA-Theorie sofort auszusperren.
Für E-Commerce-Plattformen geht es um Empfehlungen, Werbung und Conversion-Kontrolle. Wenn KI-Agenten zur ersten Oberfläche des Nutzers werden, schwächt das die Plattformlogik. Die nächsten Prüfsteine sind Identitätsangaben, Datenverarbeitung und Reaktionen der Plattformen durch Vertragsbedingungen, technische Sperren, eigene APIs oder bezahlte Partnerschaften.
Quellen: Ninth Circuit opinion, EFF, Courthouse News, The Next Web, earlier CLS case background, CocoLoop; verification covers the procedural timeline, CFAA and CDAFA issues, the $5,000 loss threshold, the 21-page opinion, the three-judge panel, and Amazon advertising-revenue context.