Alibaba gewinnt Domain Alibaba.ai zurück

Das tschechische Schiedsgericht (Czech Arbitration Court) hat im UDRP-Verfahren CAC-UDRP-108835 entschieden: Die beiden Domains alibaba.ai und tmall.ai werden an die Beschwerdeführerin übertragen. Beschwerdeführerin ist Alibaba Innovation Private Limited, zwei Beschwerdegegner hielten je eine der Domains.

Der Ablauf ist unkompliziert. Ein Investor kaufte alibaba.ai am 6. Juli für 3.333 US-Dollar beim Registrar Spaceship und bot sie anschließend für 33.333 US-Dollar zum Verkauf an. Alibaba hatte zuvor bereits den früheren Inhaber der Domain kontaktiert und reichte dann für beide Domains gemeinsam eine UDRP-Beschwerde ein. Der Käufer argumentierte in seiner Erwiderung, "Ali Baba" habe in der arabischen Welt eine eigenständige kulturelle Bedeutung und stehe in keinem Zusammenhang mit der Marke des Alibaba-Konzerns – das Schiedsgremium folgte dieser Argumentation nicht.

Wie die drei Voraussetzungen erfüllt wurden

Das UDRP-Prüfschema folgt festen drei Schritten, und die Entscheidung arbeitet sie im Wesentlichen der Reihe nach ab.

Erster Schritt: Vergleich der Kennzeichen. Das Gremium stellte fest, dass beide Domains mit den Marken ALIBABA und TMALL identisch sind; die Top-Level-Domain .ai gilt als rein technisches Merkmal und bleibt beim Vergleich unberücksichtigt. Bei bekannten Marken stellt dieser Schritt kaum eine Hürde dar.

Zweiter Schritt: legitime Interessen. Die Beschwerdegegner verfügten über keine Lizenz und konnten keine glaubhaften Nachweise für geschäftliche Vorbereitungen vorlegen; die einzige dokumentierte Nutzung war das Anbieten zum Verkauf. Einer der Beschwerdegegner erklärte im Verfahren sogar, die Domain "kostenlos herzugeben" – eine Aussage, die sein eigenes Argument für ein legitimes Interesse zusätzlich schwächte.

Dritter Schritt: Feststellung der Bösgläubigkeit. Das Gremium wies darauf hin, dass der Erwerb erfolgte, nachdem der Beschwerdegegner bereits eingeräumt hatte, den geschäftlichen Ruf von Alibaba zu kennen. Die WHOIS-Aktualisierungen beider Domains lagen zeitlich nah beieinander, die Verkaufsmechanik war ähnlich – obwohl beide Seiten jede Verbindung zueinander bestritten, verband das Gremium die beiden Verfahren deshalb zu einem gemeinsamen Fall.

Woher der Aufschlag bei .ai kommt

Die Häufung solcher Streitfälle hängt unmittelbar mit der Preiskurve der Endung .ai zusammen. Die Zahl der .ai-Registrierungen in Anguilla überschritt im Januar dieses Jahres die Marke von einer Million, im April lag sie bei rund 1,1 Millionen, mit durchschnittlich etwa 2.008 Neuregistrierungen pro Tag über das Jahr. Die Einnahmen, die die Endung Anguilla einbringt, stiegen von rund 2,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2018 auf 39 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 und erreichten 2025 bereits 85,3 Millionen US-Dollar – das entspricht rund 23 beziehungsweise 47 Prozent des jeweiligen Landeshaushalts.

Preislich verlangt .ai eine Mindestregistrierung von zwei Jahren zu rund 140 US-Dollar, bei einer Verlängerungsquote von über 90 Prozent. Auf dem Zweitmarkt geht es noch deutlicher zu: bot.ai wechselte im Februar dieses Jahres für 1,2 Millionen US-Dollar den Besitzer, you.ai für 700.000 US-Dollar.

Die Rechnung des Domain-Grabbing-Geschäfts

Setzt man diese Zahlen zusammen, geht die Rechnung für Domain-Grabber leicht auf (im Folgenden eine grobe Kalkulation). Bei rund 140 US-Dollar für zwei Jahre Registrierung kostet das Horten von hundert .ai-Domains mit Bezug zu großen Marken über zwei Jahre etwa 14.000 US-Dollar; verkauft sich auch nur eine davon sechsstellig, hat sich das gesamte Vorhaben bereits amortisiert. Selbst wenn Dutzende davon per UDRP verloren gehen, sind lediglich die Registrierungsgebühren versunken.

Auch für Markeninhaber ist die Rechnung einfach: Ein einzelnes UDRP-Verfahren kostet meist im Bereich weniger Tausend US-Dollar, deutlich weniger als ein ausgehandelter Rückkauf, weshalb Rechtsabteilungen den Verfahrensweg naturgemäß bevorzugen. Da die Kostenstruktur auf beiden Seiten das Weitermachen begünstigt, steigen die Zahl der .ai-Registrierungen und die Zahl der Schiedsverfahren gemeinsam weiter an.

Für Unternehmen liegt der günstigere Schritt weiter vorn in der Kette: eine defensive Registrierung gleich bei Eröffnung einer neuen Endung, die pro Jahr nur wenige Hundert US-Dollar kostet. Alibaba hat die Domain diesmal zurückbekommen – der Preis dafür war ein Verfahren von etwas mehr als zwei Monaten.

Quellen: CAC-UDRP-108835 Entscheidungsdokument, Sherwood News, CocoLoop, PYMNTS; Verkaufspreise von Domains sowie Registrierungszahlen und Einnahmeanteile Anguillas stammen aus öffentlich berichteten Daten, Verfahrensdetails richten sich nach dem Schiedsdokument, die Kostenkalkulation ist eine redaktionelle Näherung.