Nvidia einigt sich auf Kauf von Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar

The Information berichtete am 27. August, Nvidia habe sich bereit erklärt, Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu übernehmen; CNBC, Fortune und TechCrunch griffen die Meldung anschließend auf. Alle drei Berichte betonen denselben Punkt: Der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet, der Deal kann noch platzen. Weder Nvidia noch Hugging Face reagierten auf Anfragen zur Stellungnahme.

Noch drei Tage zuvor befand sich das Unternehmen erst in der „Sondierungsphase“ – es beauftragte Banken, das Interesse potenzieller Käufer abzuklopfen, wobei am Markt eine Bewertung von rund 13 Milliarden Dollar kursierte. Dass der Käufername so schnell feststand, zeigt, dass die Schlange der Interessenten von Anfang an nicht lang war.

Was die 12,9 Milliarden Dollar kaufen

Hugging Face besitzt kein selbst entwickeltes Flaggschiff-Modell. Das Unternehmen ist ein Depot: Es hostet Gewichte von Open-Source-Modellen, Bewertungs-Ranglisten und Trainingsdatensätze, über die Entwickler Modelle finden, testen und herunterladen. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 150 Millionen Dollar – vor zwei Monaten waren es noch rund 100 Millionen –, das Unternehmen nähert sich der Gewinnschwelle.

Setzt man die 12,9 Milliarden grob ins Verhältnis zu den 150 Millionen, ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund dem 86-Fachen. Für ein Softwareunternehmen ist das ungewöhnlich hoch, doch offensichtlich fließt das Geld nicht für den Cashflow. Jedes von Hugging Face heruntergeladene Open-Source-Modell benötigt zum Betrieb eine GPU, und derzeit läuft der Großteil der Open-Source-Modelle standardmäßig auf Nvidia-Chips. Erst wenn man den Einstiegspunkt für die Modellauswahl mit der Hardware verknüpft, geht die Rechnung auf.

Auch der Bewertungsverlauf lohnt einen Blick. Bei der Finanzierungsrunde 2023 über 235 Millionen Dollar lag die Post-Money-Bewertung bei 4,5 Milliarden Dollar, angeführt von Salesforce Ventures, mit GV, IBM Ventures und Nvidia selbst auf der Investorenliste. Ende 2025 bot Nvidia an, 500 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 7 Milliarden Dollar zu investieren; Hugging Face lehnte ab, aus Sorge, ein einzelner Investor könne zu viel Einfluss gewinnen. Keine zwölf Monate später hat derselbe Käufer das Angebot auf fast das Doppelte der Bewertung angehoben und daraus eine Komplettübernahme gemacht.

Wovor schützt sich Nvidia

Der offensichtliche Rivale sind selbst entwickelte Chips. OpenAI, Google, Amazon und Anthropic treiben allesamt eigene Beschleuniger voran; wandert die Inferenzlast der führenden Labore nach und nach ab, würde Nvidias Anteil auf der Seite der Closed-Source-Modelle allmählich schrumpfen. Das Open-Source-Ökosystem ist das andere Terrain, das Nvidia halten kann: Solange Entwickler weiterhin Modelle von Hugging Face beziehen und standardmäßig auf CUDA laufen lassen, bleibt die Nachfrage nach Chips bestehen. Nvidia hat bereits zuvor Milliarden investiert, um eigene Open-Source-Modelle zu trainieren – die Übernahme ergänzt diesen Kurs.

Eine weitere Ebene ist die Cloud. Hugging Face bietet selbst einen Dienst zum Mieten von Rechenleistung für den Modellbetrieb an. Nvidia hatte sein Cloud-Geschäft vor etwa einem Jahr zurückgefahren; kommt der Deal zustande, gewinnt der Konzern quasi einen fertigen Absatzkanal zurück – überschüssige, in Kundenverträgen vorerst ungenutzte Kapazität lässt sich an dieselbe Entwicklergemeinde weiterverkaufen.

Die Frage der Neutralität bleibt unbeantwortet

Genau hier liegt das Problem. Hugging Face wurde zur öffentlichen Infrastruktur, weil es keinem Modellanbieter und keinem Cloud-Anbieter gehörte und die Gewichte aller Beteiligten gleichberechtigt eingestellt werden konnten. Gehört das Unternehmen künftig einem Hardware-Giganten, werden Details wie die empfohlene Bereitstellungsmethode auf Modellseiten, die Kriterien für Ranglisten oder die Vollständigkeit der Kompatibilitätsdokumentation für bestimmte Chips zu Entscheidungen mit Schlagseite.

Ein Gegenbeispiel: Hugging-Face-CEO Clem Delangue und Jensen Huang hatten zuvor gemeinsam einen offenen Brief unterzeichnet, in dem gefordert wurde, Regierungen sollten Open-Source-Modelle fördern statt einschränken. Beide stehen in der Open-Source-Frage tatsächlich auf derselben Seite – doch gemeinsame Haltung und Eigentumsverhältnisse sind zwei verschiedene Dinge. Das Vertrauen, mit dem die Community bereit war, Daten und Gewichte beizusteuern, entstand auf Basis der früheren Beziehung.

Auf regulatorischer Ebene gibt es bislang keine öffentliche kartellrechtliche Stellungnahme. Angesichts Nvidias aktueller Position bei KI-Hardware ist es selbst schon eine Variable, die in den kommenden Monaten zu beobachten sein wird, ob der Deal die Prüfung übersteht.

Quellen: The Information, TechCrunch, CocoLoop, Fortune, CNBC; Transaktionspreis, Umsatzgröße und frühere Finanzierungsbewertungen wurden anhand mehrerer Berichte gegengeprüft, das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist eine grobe Schätzung auf Basis öffentlich genannter Umsatzzahlen.