Mercury, das Fintech-Unternehmen, das Bankdienstleistungen für Startups anbietet, hat in einer neuen Finanzierungsrunde 200 Millionen Dollar eingesammelt und seine Bewertung auf 5,2 Milliarden Dollar gesteigert. Die Runde wurde am 20. Mai 2026 abgeschlossen und bedeutet einen Anstieg von 49 Prozent gegenüber der Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar vor 14 Monaten.
Noch bedeutender als die Finanzierung ist die vorläufige Genehmigung einer nationalen Banklizenz durch das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) im April. Dies ist ein Wendepunkt: Bisher fungierte Mercury als Mittler, der an Partnerbanken angebunden war; künftig wird es eine vollwertige Bundesbank.
Wie die 200 Millionen Dollar verteilt werden
Die Runde umfasst bekannte Namen:
- Lead-Investor: TCV (Technology Crossover Ventures)
- Beteiligte: Sequoia, Andreessen Horowitz, Coatue
- Gesamt: 200 Millionen Dollar
- Bewertung: 5,2 Milliarden Dollar (Post-Money)
Mercury hat seit 2017 insgesamt 700 Millionen Dollar eingesammelt, diese Runde macht 28 Prozent davon aus. Die Bewertungskurve – 3,5 Milliarden Dollar (März 2025) auf 5,2 Milliarden Dollar (Mai 2026) – zeigt einen Anstieg von 49 Prozent in 14 Monaten. Für ein Unternehmen, das Firmenkonten anbietet, ist dieser Sprung angesichts der Marktstimmung im Mai 2026 nicht verrückt, aber auch nicht billig.
Kann die Finanzbasis diese Bewertung stützen?
Ja.
- Annualisierter Umsatz: 650 Millionen Dollar (Q3 2025)
- Vier Jahre in Folge profitabel
- Über 300.000 Firmenkunden
- Jedes dritte US-Frühphasen-Startup ist Kunde von Mercury
Diese Kennzahlen zeigen, dass Mercurys Geschichte keine Zukunftsmusik ist, sondern ein bereits profitables Bankgeschäft, das von der KI-Startup-Welle profitiert. Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Brex und Ramp, die noch Geld verbrennen, macht Mercurys Kombination aus Profitabilität und einem Kundenstamm, der im KI-Zeitalter verwurzelt ist, die Führungsrolle von TCV logisch.
Die Banklizenz ist der eigentliche Game-Changer
Viele übersahen die vorläufige OCC-Genehmigung im April, die Mercurys Geschäftsmodell grundlegend verändert.
Vor der Lizenz:
- Keine eigene Banklizenz
- Kundeneinlagen lagen bei Partnerbanken wie Choice Bank und Evolve Bank
- Einnahmen hauptsächlich aus Zinsbeteiligung und Überweisungsgebühren
Nach der Lizenz:
- Kann selbst Kredite vergeben
- Zugang zu Mainstream-Zahlungsnetzwerken wie Zelle
- Weniger Abhängigkeit von Partnerbanken, deutlich höhere Bruttomargen
CEO Immad Akhund hat erklärt, dass Mercury nicht an eine Bank verkauft wird und einen Börsengang anstrebt. Mit anderen Worten: Mercury positioniert sich neu als unabhängige Bundesbank für Technologieunternehmen, nicht als Fintech-Zwischenschicht.
CEO führt Wachstum auf KI-Startup-Boom zurück
Akhund machte eine bemerkenswerte Aussage:
„KI baut die Reibung zwischen einer Idee und einem Unternehmen schneller ab als alles, was ich in meiner Karriere gesehen habe.“
Mit anderen Worten: KI hat die Zeit von der Idee bis zur Gründung eines Unternehmens auf ein in seiner Karriere beispielloses Tempo verkürzt. Ein Unternehmen zu gründen, eine juristische Person zu registrieren, einen Demo zu bauen und einen MVP zu starten, dauert jetzt Wochen oder Tage statt Monate. Jedes neue Unternehmen braucht ein Geschäftskonto, und frühe Gründer werden wahrscheinlich nicht zwei Wochen damit verbringen, ein Chase-Konto zu beantragen. Das ist Mercurys Einstiegspunkt.
Akhund merkte auch an, dass die Infrastruktur der Mainstream-Banken seit 2006 kaum verändert wurde. Das ist eine scharfe Kritik: Traditionelle Großbanken haben nicht nur den Fintech-Rückstand nicht aufgeholt, sondern nicht einmal ihre APIs aktualisiert. Mercury selbst hat in diesem Jahr eine KI-Agentenfunktion für die Kontoverwaltung eingeführt, die Zahlungen, Rechnungsstellung und Abstimmung über KI-Schnittstellen ermöglicht. Akhund kündigte an, dass bis Jahresende ein umfassenderer „Conversational Banking Assistant“ auf den Markt kommen wird, der es Kunden ermöglicht, Zahlungen in natürlicher Sprache zu genehmigen.
Was als Nächstes zu beachten ist
Ob die Banklizenz von der vorläufigen zur endgültigen Genehmigung fortschreitet, ist die entscheidende Hürde für Mercury, um von einer Bewertung von 7 Milliarden auf 10 Milliarden Dollar zu steigen.
Kurzfristige Kennzahlen:
- Wie schnell der ARR von 650 Millionen Dollar auf den nächsten Meilenstein wächst
- Der Zeitplan für die endgültige OCC-Genehmigung – in der Regel 6 bis 18 Monate nach der vorläufigen Genehmigung
- Die Nutzung des Conversational Banking Assistant nach seiner Markteinführung Ende des Jahres
Mercurys Kombination aus Profitabilität, realen Lizenzaussichten und einem Kundenstamm, der an die KI-Startup-Welle gebunden ist, macht es im aktuellen Primärmarkt zu einer Seltenheit. Ob die nächste Bewertung verdoppelt werden kann, hängt vom Fortschritt der OCC nach Juni ab.
Quellen: Digital Banking Startup Mercury Lands $200M At $5.2B Valuation Amid Fintech Funding Uptick (Crunchbase News), Mercury Raises $200 Million Series D at $5.2B Valuation (Business Wire), CocoLoop, Fintech firm Mercury hits $5.2 billion valuation after funding round, up 49% in 14 months (CNBC)