Hermes Agent überholt OpenClaw auf OpenRouter

224 Milliarden gegen 186 Milliarden. Das ist kein Vergleich von Finanzierungsrunden, sondern die Zahl der Tokens, die die beiden aktivsten AI-Agent-Projekte dieser Woche auf OpenRouter an einem einzigen Tag verbraucht haben.

Die Kurzfassung: OpenClaw hat die Spitzenposition verloren.

Am 10. Mai wertete MarkTechPost die globale Tagesrangliste von OpenRouter aus. Hermes Agent von Nous Research führte mit 224 Milliarden Tokens pro Tag, OpenClaw fiel mit 186 Milliarden auf Platz zwei zurück. Es war das erste Mal seit Monaten, dass OpenClaw auf OpenRouter nicht mehr ganz oben stand.

Zusammen gelesen sind die Zahlen interessanter

Täglich aktive Tokens: Hermes 224 Milliarden / OpenClaw 186 Milliarden

Kumulative Tokens: Hermes 6,35 Billionen / OpenClaw 9,17 Billionen

GitHub-Sterne: Hermes 114.000 / OpenClaw 370.000

Bei kumulativer Nutzung und Sternen liegt OpenClaw weiterhin deutlich vorne. Das Projekt läuft schließlich mehr als ein Jahr länger. Doch die Umkehr bei der Tagesaktivität zeigt etwas anderes: Der Zufluss neuer Nutzer hat sich verschoben. In den vergangenen drei Monaten hat Hermes Agent einen großen Teil des Wachstums aufgenommen.

Das ist mehr als ein normaler Rangwechsel unter Open-Source-Projekten. Der Release-Takt erklärt, warum.

VersionVeröffentlichungUmfang
v0.11.0 "Interface"23. April1.556 Commits, 761 PRs, vollständige TUI-Neufassung
v0.12.0 "Curator"30. AprilAutomatisches Beschneiden von Skills
v0.13.0 "Tenacity"7. Mai864 Commits, 588 PRs, Korrekturen für acht P0-Sicherheitslücken

Drei große Versionen in drei Wochen, jeweils mit Commit-Zahlen im vierstelligen Bereich. Dieses Tempo ist für OpenClaw schwer zu halten, besonders seit Gründer Peter Steinberger im Februar zu OpenAI gewechselt ist. OpenClaw wird inzwischen von einer unabhängigen Open-Source-Stiftung getragen, OpenAI ist nur noch als Sponsor genannt. Wenn sich die Organisation ändert, ändert sich auch der Takt.

Zwei völlig verschiedene Architekturen

Der Kern von OpenClaw ist ein WebSocket Gateway, also ein zentraler Router, der mehr als 50 Nachrichtenkanäle verbindet. Die zentrale Frage lautet: An wie vielen Orten kann der Agent gleichzeitig präsent sein?

Hermes geht anders vor: mit einer selbstlernenden Schleife aus "do, learn, improve". In der reflective phase analysiert der Agent nach einer Aufgabe seine eigene Leistung und erzeugt anschließend wiederverwendbare Skill-Dateien. Auch das Gedächtnissystem ist sorgfältiger aufgebaut: persistente Identitätssnapshots, eine SQLite-FTS5-Datenbank und prozedurale Skill-Dateien.

Das eine Projekt setzt auf Reichweite, das andere darauf, mit der Nutzung klüger zu werden. Nach den Tagesdaten von OpenRouter kaufen Entwickler derzeit eher das zweite Modell.

Der Sicherheitsabstand ist noch deutlicher

Das dürfte der eigentliche Grund für Hermes' jüngstes Wachstum sein: OpenClaws Sicherheitsprobleme sind zu groß geworden.

Die Bilanz bei OpenClaw:

  • CVE-2026-25253, CVSS 8.8, ein Remote-Gateway-Exploit
  • Im März wurden innerhalb von vier Tagen neun CVEs bekannt, eine davon mit Score 9.9
  • Koi Security prüfte 2.857 Skills auf ClawHub und fand 341 bösartige Einträge, also 11,9%

Die Bilanz bei Hermes:

  • Eine CVE-2026-7113, CVSS 5.6, mittlere Schwere, wegen fehlender Webhook-Authentifizierung

Wenn 11,9% der Skills in einem offiziellen Repository bösartig sind, ist das für jedes Open-Source-Projekt ein schwerer Reputationsfall.

Bei einem Agent-Framework wird eine Sicherheitslücke sofort zur Frage: Kann mein System nach der Installation von außen zurückkontrolliert werden? Genau dort sind Unternehmenskunden am empfindlichsten. Hermes v0.13.0 aktiviert Redaction standardmäßig, trennt Discord-Rollen-Allowlists nach Guilds, lehnt unbekannte WhatsApp-Absender standardmäßig ab und bringt weitere Härtungen. Die Richtung ist klar: Hermes bereitet sich auf Enterprise-Nutzung vor.

Was als Nächstes zählt

OpenClaw wird nicht einfach verschwinden. 370.000 Sterne und 9,17 Billionen kumulative Tokens lösen sich nicht über Nacht auf. Einige Punkte sind aber gesetzt.

Erstens ist der Open-Source-Agentenmarkt nicht mehr winner-takes-all. Zwei Projekte können auf OpenRouter Platz eins und zwei belegen, weil Nutzer je nach Szenario wechseln.

Zweitens ist die selbstlernende Schleife validiert. Hermes' reflective phase steht nicht allein. Anthropic zeigte kürzlich bei Code with Claude einen ähnlichen Mechanismus, bei dem "Claude träumen" kann. Für diese Generation von AI-Agenten wird es zu einem Produktvorteil, mit längerer Nutzung besser zu werden.

Drittens wird sich innerhalb von sechs Monaten zeigen, ob OpenAIs Sponsoring OpenClaw hilft oder belastet. Wenn das Release-Tempo nicht mit Hermes mithält, rettet der Sponsorname allein keine Rangliste.

Zumindest in dieser Woche ist OpenClaw nicht mehr die Nummer eins auf OpenRouter. Das Signal ist wichtiger als die reine Zahl.

Quellen: OpenClaw vs Hermes Agent: Why Nous Research's Self-Improving Agent Now Leads OpenRouter's Global Rankings (MarkTechPost), CocoLoop, Hermes Agent v0.13.0 Release Notes (NousResearch/hermes-agent on GitHub)