Wer bisher auf Humanoiden-Unternehmen wie Figure AI oder Apptronik setzen wollte, musste institutioneller Investor oder eingeladener Angel sein. Für normale Depots gab es kaum Zugang, weil diese Firmen noch nicht an der Börse sind und keine handelbare Aktie existiert.
Am 11. Mai um 7 Uhr kam an der Nasdaq ein neuer Ticker hinzu: BOT.
Emittent ist RoboStrategy, ein geschlossener Fonds, der auf Robotik und Physical AI spezialisiert ist. Das Unternehmen beschreibt ihn als erste Struktur dieser Art im öffentlichen Markt: Eine einzelne börsennotierte Aktie bündelt ein Portfolio aus Robotikfirmen, darunter private, Pre-IPO- und bereits gelistete Unternehmen.
Wer im Portfolio steckt
| Unternehmen | Geschäft | Status |
|---|---|---|
| Figure AI | Humanoide Roboter | Privat, Bewertung rund 39 Mrd. US-Dollar |
| Apptronik | Humanoide Roboter | Privat |
| Dyna Robotics | Industrieroboter | Privat |
| Standard Bots | Kollaborative Roboterarme | Privat |
| Dexmate | Geschickte Manipulation | Privat |
Dazu kommt eine Reihe nicht offengelegter Unternehmen aus autonomen Systemen und Lieferketten. Die genannten Namen decken einen großen Teil der führenden Finanzierungsrunden im Bereich humanoider Roboter der vergangenen zwei Jahre ab. Figure AI lag 2025 noch bei einer Bewertung von rund 2 Milliarden US-Dollar und soll im ersten Quartal 2026 bereits auf 39 Milliarden US-Dollar gestiegen sein. Auch Apptronik bewegte sich von einer niedrigen Milliardenbewertung in deutlich höhere Bereiche.
Diese Bewertungsdynamik haben vor allem Venture-Capital-Investoren mitgenommen. Privatanleger standen draußen. RoboStrategy will ihnen eine Tür öffnen.
Warum ein geschlossener Fonds und kein ETF
Die Struktur ist entscheidend.
Ein normaler ETF braucht Basiswerte, die täglich bewertet und gehandelt werden können. Damit fällt Private Equity weitgehend heraus. Ein geschlossener Fonds hat diese Einschränkung nicht: Der Fonds selbst wird im Sekundärmarkt gehandelt, während die zugrunde liegenden Beteiligungen privat oder Pre-IPO sein und über Modelle bewertet werden können.
"many robotics startups remain privately held for extended periods"
Einfach gesagt: Humanoiden-Unternehmen werden wahrscheinlich nicht so bald an die Börse gehen. Sie verbrennen noch Kapital, ihre Bewertungen haben möglicherweise noch keinen Gipfel erreicht, und VC-Investoren wollen nicht zu früh aussteigen. Dass Figure AI oder Apptronik weitere fünf Jahre privat bleiben, wäre nicht ungewöhnlich. Ein geschlossener Fonds passt genau zu dieser zeitlichen Lücke.
Was BOT von bestehenden Robotik-ETFs unterscheidet
Robotik-ETFs gibt es bereits. iShares, Global X und ROBO Global haben Produkte mit nennenswerter Größe. Ihre Portfolios bestehen aber vor allem aus börsennotierten Industrieautomations- und Robotikfirmen wie ABB oder Fanuc. Die Kernunternehmen der neuen Humanoiden- und Physical-AI-Welle sind fast vollständig privat.
Traditionelle Robotik-ETFs erfassen deshalb den Kern dieser neuen Bewegung nur begrenzt.
BOT soll genau diese Lücke schließen, indem führende Humanoiden-Unternehmen aus der privaten Phase in einer öffentlich handelbaren Aktie gebündelt werden.
Die Risiken liegen auch in der Struktur
Das größte Problem geschlossener Fonds ist nicht nur das Portfolio selbst, sondern der Auf- oder Abschlag zwischen Nettoinventarwert und Aktienkurs.
Der Nettoinventarwert, also NAV, wird aus den Bewertungen der Beteiligungen berechnet. Der Aktienkurs entsteht dagegen durch Handel am öffentlichen Markt. Beides liegt oft auseinander. In euphorischen Phasen kann die Aktie über NAV handeln, in schwächeren Märkten darunter.
Viele geschlossene Fonds wurden historisch über lange Zeit mit 20% bis 30% Abschlag gehandelt. Ob BOT davon abweicht, hängt davon ab, wie der Markt Robotik-Exposure bewertet.
Auch die zugrunde liegenden Bewertungen sind weich. Die 39 Milliarden US-Dollar bei Figure AI stammen aus der letzten Finanzierungsrunde. Wie diese Zahl in einem schwächeren Markt angepasst wird, wie oft RoboStrategy berichtet und ob Prüfer eingebunden sind, entscheidet darüber, wie belastbar das Exposure für Privatanleger wirklich ist.
Das Signal ist größer als das Produkt
Unabhängig davon, wie BOT als Aktie läuft, sagt die Notierung bereits etwas aus: Der Kapitalbedarf in Robotik und Physical AI beginnt in die öffentlichen Märkte auszuweichen.
Bisher investierten VC-Firmen Unternehmen für Unternehmen. In diesem Jahr werden die Bewertungen selbst für den VC-Markt anspruchsvoller. Einzelne Investments können Hunderte Millionen Dollar erfordern, während der DPI-Druck steigt. Wenn ein Teil des Exposures an öffentliche Anleger weitergereicht wird, schafft das Spielraum für die nächste Runde.
Software-KI ist bereits überfüllt. Physical AI steht noch am Anfang.
Als Nächstes wird wichtig, ob BOT in den ersten Handelstagen genügend Liquidität hält, wie groß die Figure-AI-Position tatsächlich ist und ob ein zweiter Fonds mit ähnlicher Struktur folgt.
Die größte Geschichte bei humanoiden Robotern im Jahr 2026 könnte nicht mehr lauten, wer die stärkste Hardware baut. Es könnte darum gehen, wer den Sprung vom privaten in den öffentlichen Markt schafft.
Quellen: RoboStrategy, CocoLoop, Inc. Lists on NASDAQ Under Ticker "BOT" (GlobeNewswire); RoboStrategy Lists on Nasdaq With Portfolio of Robotics and Physical AI Companies in a Single Stock (AI Insider)