„Das ist beschissen.“ Das sagte Alexander Rose Tyson nach der Rede von Gloria Caulfield bei der Abschlussfeier der University of Central Florida gegenüber einem TechCrunch-Reporter.
Caulfield, CEO von Tavistock Development, war eingeladen, die Absolventen zu motivieren. Ihre Botschaft war bekannt: „Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz ist die nächste industrielle Revolution“ und „Noch vor ein paar Jahren war KI kein Faktor in unserem Leben.“ Doch in diesem Jahr reagierte das Publikum nicht mit Begeisterung, sondern mit Buhrufen.
Mehr als ein Fehlschlag
Die University of Arizona lud Eric Schmidt, den ehemaligen Google-CEO, ein. Seine Rede war typisch Silicon Valley: „Ihr werdet KI gestalten“ und „Ihr könnt jetzt ein Team von KI-Agenten zusammenstellen.“ Doch im Publikum saßen Absolventen, die E-Mails mit dem Inhalt „Diese Stelle ist vorerst ausgesetzt“ erhalten hatten. Solche Worte stießen bei ihnen auf Unmut.
Die einzige Rede, die positive Resonanz erhielt, war die von Jensen Huang an der Carnegie Mellon University. Der Grund könnte einfach sein: CMU-Studenten der Informatik und Robotik sind diejenigen, die KI tatsächlich entwickeln werden, nicht diejenigen, die durch KI ersetzt werden.
Ein Datum erklärt die Gegenreaktion
Gallup hat diese Stimmung kürzlich quantifiziert: 2022 hielten 75 % der 15- bis 34-jährigen Amerikaner die derzeitige Lage für einen guten Zeitpunkt, um einen Job zu suchen. Bis 2026 sank dieser Anteil auf 43 % – ein Rückgang um 32 Prozentpunkte in vier Jahren.
In der Zwischenzeit geschahen zwei Dinge: Entlassungen (Tech-Unternehmen strichen im ersten Quartal 80.000 Stellen, etwa die Hälfte davon KI-bedingt) und das Schrumpfen von Einstiegspositionen. Der Stanford AI Index 2026 zeigt, dass die Zahl der Stellenausschreibungen für 22-jährige Programmierer im Jahresvergleich um 20 % zurückging.
Die Absolventen sind nicht dumm. Sie wissen, dass KI wichtig ist – aber sie sind sich unsicher, ob sie in den nächsten fünf Jahren ihr erstes Gehalt verdienen können.
Brian Merchants Urteil
Brian Merchant, Autor von Blood in the Machine, bezeichnete KI als „das grausame neue Gesicht des hyperskalierenden Kapitalismus.“ Das ist das wahre Gefühl dieser Generation gegenüber KI, das sich nicht mit dem Argument der „Werkzeugneutralität“ erklären lässt.
Sollte KI in Abschlussreden noch erwähnt werden?
Wenn Sie dieses Jahr eine Abschlussrede halten, hier ein Ratschlag:
- Sagen Sie nicht „KI ist die neue industrielle Revolution.“ Sie haben es 200 Mal gehört; das 201. Mal wird Sie nur Buhrufe einbringen.
- Sagen Sie auch nicht „KI ist nur ein Werkzeug, es kommt darauf an, wie man es nutzt.“ – solche PR-Floskeln nehmen sie noch übler.
- Wenn Sie KI erwähnen müssen, sprechen Sie konkret: Ein älterer Student hat mit KI etwas Echtes gebaut oder ein echtes Problem gelöst.
Was Sie nicht tun sollten: KI als eine abstrakte, verklärte Macht darzustellen, die die Welt zwangsläufig besser macht. Diese Generation kauft das nicht mehr.
Bei Abschlussfeiern können Redner normalerweise die emotionale Temperatur des Publikums spüren. Wenn KI vor einem Jahr noch Applaus bekam, erntet sie dieses Jahr Buhrufe. Diese Stimmung wird sich auf jüngere Altersgruppen ausbreiten.
Die nächste wirklich heikle Gruppe für KI-Unternehmen sind nicht die Regulierungsbehörden, sondern die Gen Z, die bereits damit begonnen hat, Jobs auszuwählen.
Quellen: If you're giving a commencement speech in 2026, CocoLoop, maybe don't mention AI (TechCrunch); Stanford AI Index 2026