Rivian-CEO gründet neues Unternehmen: 500 Millionen Dollar für KI-Roboter in Fabriken

Am 11. März gab das Industrieroboter-Unternehmen Mind Robotics den Abschluss einer Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 500 Millionen US-Dollar bekannt, angeführt von a16z und Accel. Die Bewertung des Unternehmens liegt bei 2 Milliarden US-Dollar.

Der Gründer und gleichzeitig Vorsitzende des Unternehmens ist RJ Scaringe, CEO von Rivian.

"Purzelbäume sind für die Fertigung nutzlos"

Scaringe sagte bei der Ankündigung einen Satz, der direkt die Mitbewerber am Markt adressierte:

"Purzelbäume (cartwheels) zu schlagen, schafft keinerlei Wert für die Fertigung."

Man muss nicht raten, dass dieser Satz auf Boston Dynamics zielt. BD ist in den letzten Jahren vor allem durch Videos von Roboterhunden und Atlas bekannt geworden, die allerlei akrobatische Kunststücke vollführen – Parkour, Tanzen, Purzelbäume. Die mediale Wirkung ist hervorragend, aber aus Sicht der praktischen Anwendbarkeit in Fabriken ist das weit entfernt von dem, was die Fertigungsindustrie wirklich braucht.

Scaringes Botschaft ist klar: Er macht keine Show-Roboter, sondern Roboter, die am Fließband arbeiten können.

Wo die Grenzen traditioneller Industrieroboter liegen

Bestehende Industrieroboter (wie ABB, FANUC) haben eine gemeinsame Leistungsgrenze: Sie können nur wiederholbare Aufgaben mit festen Abmessungen ausführen.

Schweißen, Lackieren, Transport von standardisierten Teilen – solche Aufgaben erledigen traditionelle Roboter schnell und präzise, und die Technologie von vor dreißig Jahren wird heute noch genutzt.

Aber viele Aufgaben in Fabriken sind nicht so:

  • Aufnehmen von unregelmäßig geformten Teilen und Platzieren an einer bestimmten Position
  • Qualitätsprüfung am Fließband mit automatischer Anpassung bei Auffälligkeiten
  • Zusammenarbeit mit menschlichen Arbeitern bei der Montage, die Voraussicht und Anpassungsfähigkeit erfordert
  • Verarbeitung von Materialien, die sich zwischen Chargen unterscheiden, mit jedesmaliger Neuadaptation

Diese Aufgaben erfordern menschenähnliche Geschicklichkeit, physikalische Schlussfolgerung und Echtzeit-Urteilsvermögen. Traditionelle Roboter können das nicht, und die bestehenden KI-Roboter befinden sich noch im Laborstadium, weit entfernt von einer großflächigen Bereitstellung.

Mind Robotics will genau diese Lücke schließen.

Rivian ist sowohl Kunde als auch Datenquelle

Das Besondere an dieser Finanzierung ist, dass Mind Robotics keine externen Testgelände suchen muss – die EV-Fabrik von Rivian dient als fertiges Labor.

Scaringe ist Gründer und CEO von Rivian und gleichzeitig Vorsitzender von Mind Robotics. Die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen: Rivian ist Großaktionär und strategischer Partner von Mind Robotics, stellt die Fabrik als Einsatzumgebung für die Roboter zur Verfügung und generiert gleichzeitig Trainingsdaten.

Ein weiteres Detail: Rivian hat einen eigenen, maßgeschneiderten Chip entwickelt, der ursprünglich für die elektronischen Steuerungssysteme von Elektrofahrzeugen gedacht war. Scaringe sagte, es brauche "nicht viel Vorstellungskraft", um zu erkennen, dass dieser Chip auch für den Antrieb von Roboter-KI genutzt werden könnte. Wenn dieser Weg funktioniert, wäre Mind Robotics in Bezug auf die Rechenleistung nicht mehr vollständig von NVIDIA oder Qualcomm abhängig.

Die Logik hinter der 500-Millionen-Dollar-Series-A

Eine Series-A-Runde dieser Größenordnung ist für ein Robotik-Unternehmen ungewöhnlich (zusammen mit der Seed-Runde von 115 Millionen Dollar beträgt die Gesamtfinanzierung 615 Millionen Dollar).

Die Logik der Investoren ist nicht kompliziert: Die Fertigungsindustrie erlebt gleichzeitig zwei Entwicklungen – Arbeitskräftemangel und den Druck, die Produktion in die USA zurückzuverlagern.

Die Zollpolitik von Trump treibt viele Hersteller dazu, ihre Produktionslinien in die USA zurückzuverlegen, aber es gibt nicht genügend amerikanische Arbeiter und die Löhne sind hoch. KI-gesteuerte Industrieroboter sind derzeit die direkteste Lösung. Und die Zahlungsbereitschaft der Fertigungskunden ist nicht gering: Ein Roboter, der einen Arbeiter ersetzen kann, bietet bei einem angemessenen Preis einen sehr starken Kaufanreiz für Unternehmen.

a16z und Accel sind keine Fonds, die keine Zahlen sehen. Dass sie so hohe Wetten eingehen, zeigt, dass sie glauben, dass der Zeitpunkt für diesen Markt gekommen ist.

Wie wettbewerbsintensiv dieses Feld ist

Mind Robotics steht einer stark umworbenen Richtung gegenüber: Physical AI.

Es gibt nicht wenige Konkurrenten: Figure AI wird mit 39 Milliarden Dollar bewertet und arbeitet mit BMW zusammen; Tesla Optimus läuft in Teslas Fabriken; Atlas von Boston Dynamics wird bereits in Serie produziert und in Hyundais neuem Werk in Georgia eingesetzt…

Scaringes Differenzierungsmerkmal ist: keine universellen humanoiden Roboter zu bauen, sondern spezialisierte KI-Roboter für Fabriken, die auf Praktikabilität statt auf menschenähnliche Form setzen. Aus Marktsicht ist das sinnvoll, aber der Schwierigkeitsgrad der Umsetzung ist ebenfalls hoch – jede Produktionslinie in einer Fabrik ist anders. Um auf genügend viele Anwendungsszenarien zu generalisieren, sind die Anforderungen an Datenmenge und Algorithmus-Robustheit extrem hoch.

Ob diese 500 Millionen Dollar ausreichen, um ein Produkt zu entwickeln, das wirklich in großem Maßstab eingesetzt werden kann, wird sich in zwei bis drei Jahren zeigen.

Quellenangabe: CocoLoop, Rivian spin-out Mind Robotics raises $500M for industrial AI-powered robots (TechCrunch); Mind Robotics Announces $500M Financing to Support Deployment of AI-Powered Robots at Industrial Scale (Business Wire); Rivian spinout Mind Robotics valued at $2 billion in Series A funding round (Yahoo Finance / Wall Street Journal)