DeepSeek führt zwei Chat-Modi ein: Schnell und Experte

Am 8. April hat DeepSeek still und leise zwei neue Modi in seinem Chat-Produkt eingeführt: den Schnell-Modus (Instant Mode) und den Experten-Modus (Expert Mode). Dem Namen nach ist der Experten-Modus leistungsfähiger; bei der Nutzung stellt man jedoch fest, dass der "Experte" an manchen Stellen Einschränkungen mit sich bringt.

Zwei Modi, einer lässt dich warten

Die Designlogik des Schnell-Modus ist: alltägliche Unterhaltungen, schnelle Antworten, Rechenleistung sparen.

Der Experten-Modus richtet sich an "komplexe Probleme" und liefert theoretisch eine höhere Ausgabequalität, aber der Preis ist: höherer Rechenaufwand, Wartezeiten in Spitzenzeiten und – die Datei-Upload-Funktion wurde entfernt.

Das bedeutet: Wenn Sie DeepSeek zur Analyse einer PDF-Datei oder zur Verarbeitung von Daten nutzen möchten, können Sie jetzt nur den Schnell-Modus wählen. Der Experten-Modus kann keine Dateien hochladen und bietet auch keine multimodale Unterstützung.

Der South China Morning Post hat einen Praxistest mit einer JavaScript-Animation durchgeführt und beide Modi verglichen:

  • Schnell-Modus: Lief über eine Minute, erledigte die Aufgabe, führte die Anweisungen korrekt aus
  • Experten-Modus: Lief in 40 Sekunden, schneller als der Schnell-Modus, aber – befolgte die Anweisungen nicht

Schneller, aber nicht korrekt. Dieses Ergebnis ist durchaus bemerkenswert.

Hintergrund der Staffelung

Mit dieser Änderung steuert DeepSeek offensichtlich den Spitzenbedarf an Rechenleistung.

Diese Logik ähnelt der Free/Advanced-Staffelung von Google Gemini und den differenzierten Diensten von ByteDance Doubao: Unterschiedliche Antwortgeschwindigkeiten und Fähigkeitskonfigurationen lenken die Nutzerströme und priorisieren Rechenressourcen für diejenigen, die bereit sind zu warten oder zu zahlen.

Das Problem ist, dass die aktuelle Produktebene von DeepSeek noch keine klare Gebührenstruktur aufweist. Derzeit sind beide Modi für die Nutzer kostenlos. Die Form der Staffelung ist vorhanden, aber der Haken für die Kommerzialisierung fehlt noch. Ob dieser Schritt den Weg für ein späteres Bezahlsystem ebnet oder auf den Lastdruck nach dem großen Ausfall im März reagiert, ist schwer zu beurteilen – wahrscheinlich beides.

Ende März erlebte DeepSeek einen schwerwiegenden Ausfall, der Hunderte Millionen Nutzer betraf. Obwohl das Unternehmen die genaue Ursache des Ausfalls nicht bekannt gab, ist der zeitliche Zusammenhang mit der schnellen Einführung der Dienststaffelung durchaus aussagekräftig.

Wo bleibt V4?

Die fehlende multimodale Unterstützung im Experten-Modus lässt viele Nutzer vermuten: Dies ist nicht der Endzustand; möglicherweise wartet man auf die Integration der V4-Fähigkeiten.

DeepSeek V4 wurde bereits mehrfach verschoben. Ursprünglich um das chinesische Neujahrsfest herum angekündigt, verzögerte sich der Trainingszyklus aufgrund der Parameteranzahl von über einer Billion und wurde immer wieder aufgeschoben. Die derzeit zuverlässigste Erwartung ist Ende April.

Die Spezifikationen von V4 sind bereits durch verschiedene Kanäle durchgesickert: etwa 1 Billion MoE-Parameter, ein geschätzter SWE-bench-Wert von etwa 81%, Unterstützung für 1 Million Token Kontext, Eingabekosten von etwa 0,30 USD pro Million Token. Wenn diese Zahlen stimmen, wäre die Veröffentlichung ein sehr bedeutendes Update.

Bis V4 jedoch erscheint, können die Nutzer nur das Schnell/Experten-Doppelmodus-System nutzen. Die Einschränkungen des Experten-Modus (insbesondere das Verschwinden des Datei-Uploads) wirken wie ein noch nicht installierter Platzhalter – das Funktionsgerüst steht, aber die vollständigen Fähigkeiten sind noch nicht eingefüllt.

Was bedeutet das für die Nutzer?

Der aktuelle Stand:

  • Alltägliche Unterhaltungen, schnelle Fragen: Schnell-Modus, schnelle Geschwindigkeit, voll funktionsfähig
  • Komplexe Schlussfolgerungen, tiefgehende Analysen: Experten-Modus, theoretisch bessere Qualität, aber mit Wartezeiten zu Spitzenzeiten und ohne Datei-Upload
  • Dokumenten- und Diagrammverarbeitung: Nur mit dem Schnell-Modus möglich

Wenn V4 tatsächlich noch vor Monatsende erscheint, wird der Experten-Modus höchstwahrscheinlich vervollständigt. Der aktuelle Zustand gleicht eher einem frühen Test des Produktstaffelungsrahmens als einer vollständigen Produktentscheidung.

Der Weg von DeepSeek seit Anfang 2026 ist recht interessant: Von der Technologiegeschichte "bessere Modelle mit weniger Geld trainieren" hin zu Fragen des Nutzerwachstumsmanagements und der Dienststaffelung – Themen, die stärker produkt- und geschäftsorientiert sind. Technologische Dividenden werden oft in dieser Phase entweder realisiert oder aufgebraucht.

Quellenangabe: CocoLoop, China's DeepSeek adds expert chatbot mode ahead of much-awaited V4 release (South China Morning Post); DeepSeek V4 Release Date, Specs (FindSkill.ai)